Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Talia Or singt zur Spielzeiteröffnung in der Villa Seligmann
Nachrichten Kultur Region Talia Or singt zur Spielzeiteröffnung in der Villa Seligmann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:22 11.03.2019
Pianist Marcelo Amaral und Sopranistin Talia Or in der Villa Seligmann.   Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Eigentlich scheint es unmöglich, dass draußen vorm Fenster plötzlich Schneeflocken treiben – so viel Wärme strahlt Talia Or aus. Die deutsch-israelische Sopranistin ist am frühen Sonntagabend in die Villa Seligmann gekommen, um gemeinsam mit dem brasilianischen Pianisten Marcelo Amaral die neue Spielzeit zu eröffnen. „Wie alles anfing“ heißt das Liedprogramm, mit dem die beiden ihre Zuhörer in die Zeit des Jugendstils und damit in die Erbauungszeit der Villa entführen. Der Titel hat jedoch auch einen inhaltlich-biografischen Bezug: Es erklingen frühe Werke von fünf jüdischen Komponisten, die – mit Ausnahme von Miescyslaw Weinberg, der in der Sowjetunion lebte – alle ihre prägenden Jahre in der Jugendstil-Metropole Wien verbrachten.

Anmutiger Auftritt

Mit Weinbergs „Kinderliedern“ beginnt dieser außergewöhnliche Liederabend. Talia Or singt sie in der Originalsprache Jiddisch und zieht das Publikum sofort in ihren Bann. Vom kindlich-albernen Brötchenlied bis hin zum an Dramatik kaum zu überbietenden Brief eines Waisenkindes an seine tote Mutter spielt sie alle Emotionen überzeugend aus, und ihre lebendige Mimik sorgt dafür, dass der Vortrag auch optisch ein Genuss ist. Das wichtigste Pfund der jungen Sängerin aber ist ihre ungeheuer vielfältige und umfangreiche Stimme. Gustav Mahlers Lieder auf Texte aus „Des Knaben Wunderhorn“, über weite Strecken praktisch in Altlage komponiert, singt sie mit dunklen, runden Tönen. Auch in der Höhe hat sie jederzeit die volle Kontrolle und kann ihren absolut intonationssicheren Sopran mal kraftvoll entfesseln, mal anmutig schlank führen.

Und so lässt sich das Publikum bereitwillig mitziehen in die Tiefen der Musik Erich Wolfgang Korngolds, dessen „Drei Lieder op. 22“ mit ihrer spätromantischen Tonsprache den Formenrausch des Jugendstils klanglich erlebbar werden lassen. Alexander von Zemlinskys „Walzer-Gesänge“ liefern kurze, überschwängliche Stimmungsbilder, Arnold Schönbergs „Brettl-Lieder“, geschrieben fürs Kabarett, einen lustvoll-frivolen Einblick in die Dichtkunst des Fin de Siècle. Vor allem bei diesem letzten Teil des Konzertes wird deutlich, wie viel Spaß Talia Or und Marcelo Amaral am gemeinsamen Musizieren haben. Der Pianist begleitet die Sopranistin mit wunderbar weichem Anschlag und enormem Einfühlungsvermögen.

Vielversprechender Ausblick

Nach dem Konzert lädt Eliah Sakakushev-von Bismarck, der neue künstlerische Direktor der Villa Seligmann, zum Salongespräch. Dieses Zusammentreffen von Künstlern und ihrem Publikum ist Teil eines neuen Konzeptes, das auf mehr Öffnung und Austausch abzielt. „Wie alles anfing“ ist deshalb auch ein verversprechender Blick in Richtung Zukunft.

Am Sonntag, 17. März, 17 Uhr gestalten Sopranistin Carmen Fuggiss und Pianist Jonathan Seers eine Hommage an Jacques Offenbach in der Villa Seligmann.

Von Juliane Moghimi

An der Staatsoper Hamburg zeigt der russische Regisseur Kirill Serebrennikow in Verdis „Nabucco“ das Flüchtlingsdrama der Gegenwart. Bei der Premiere gab es viel Jubel – und zwischendurch empörte Unmutsrufe.

14.03.2019

Am Ende ist richtig Stimmung im Saal: Die Amigos bringen den Kuppelsaal zum Schunkeln.

13.03.2019

Die flinke Linke: Jools Holland begeistert die Zuschauer im Musikzentrum mit Blues und Boogie auf Weltniveau.

10.03.2019