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Konzert: Yuja Wang spielt bei Pro Musica im Kuppelsaal

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00:49 06.06.2019
Spiel mit dem Feuer: Yuja Wang.
Spiel mit dem Feuer: Yuja Wang. Quelle: Kirk Edwards
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Hannover

Der Sturm zieht zunächst ohne weitere Schäden vorüber. Beim Orchestre Philharmonique du Luxembourg tönt Peter Tschaikowskys „Fantasie nach Shakespeare“ im letzten Kuppelsaal-Konzert der Pro-Musica-Saison trotz des märchenhaft-aufgewühlten Themas sehr unaufgeregt, und auch der Beginn von Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand zieht zunächst in adrettem Klanggewand an den Konzertbesuchern vorüber. Dann aber ist die Pianistin, die hier in der Nachfolge des kriegsversehrten Paul Wittgenstein nur eine Hand zu rühren hat, für einen längeren Abschnitt allein zu hören –, und schlagartig ist es vorbei mit der gemächlichen Gangart: Wo Yuja Wang ist, ist für Gemütlichkeit kein Platz.

Kompromissloses Klavierspiel

Die chinesische Pianistin, die in letzter Zeit zu einer der gefragtesten Vertreterinnen ihres Fachs geworden ist, spielt auf eine fast unerbittliche Weise klar und direkt: Sie verdichtet die Musik, bis auch die kürzeste Note Gewicht bekommt; die Töne klingen bei ihr gleichzeitig schwebend und tief geerdet und so unverrückbar am richtigen Platz, dass alles Überflüssige von ihnen abfällt. Was Wang mit Musik zu sagen hat, sagt sie sehr schnell und unmissverständlich. Ihr Spiel ist kompromisslos pur wie eine Flamme, die sich auflodernd nicht mehr darum kümmert, wovon sie gespeist wird.

Effiziente Vogeljagd

In den Musikern aus Luxemburg und dem spanischen Dirigenten Gustavo Gimeno hat sie freundlich engagierte, aber doch vergleichsweise limitierte Partner. Der Klang des Orchesters erscheint im Kuppelsaal jedenfalls eher flach und nicht immer optimal ausbalanciert – der Gegensatz zu Wangs wilder Perfektion ist auffällig. Trotzdem finden beide nach der Pause – Pro Musica setzt oft auf mehrere Auftritte eines Solisten in einem Konzert – im wenig bekannten zweiten Klavierkonzert von Dimitri Schostakowitsch effektvoll zueinander. Wang bedankt sich für den euphorischen Applaus mit einem fabelhaft virtuosen, fabelhaft poetischen Schubert Lied („Gretchen am Spinnrad“) in der Version von Franz Liszt.

Auch das Orchestre Philharmonique erspielt sich mit einem immer wieder schön plastisch auffliegenden und am Ende effizient zur Strecke gebrachten „Feuervogel“ von Igor Strawinsky die Begeisterung für eine Zugabe: die Polonaise aus Tschaikowskys „Eugen Onegin“.

Beim ersten Pro-Musica-Konzert der nächsten Saison im Kuppelsaal am 28. Oktober ist wieder ein Pianist zu Gast: Igor Levit spielt mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra und Manfred Honeck Mozarts 22. Klavierkonzert. Außerdem steht Bruckners 9. Sinfonie auf dem Programm.

Von Stefan Arndt