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Region Verzauberte Tage: Fette Hupe spielt zum Auftakt der Jazzwoche Hannover
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Konzert im Pavillon: Fette Hupe spielt zum Auftakt der Jazzwoche Hannover

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16:36 20.10.2019
Die Jazzwoche Hannover beginnt mit einem Konzert der Big Band Fette Hupe. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Shannon Barnett atmet ein, und dann arbeitet sich ihre verhaltene und dennoch klare Stimme leise, aber beharrlich durch das Gewirr von Mikros und Kabeln und Verstärkern und Lautsprechern bis zu unseren Ohren vor. „It was a slow day“, lautet die erste Textzeile, erst nur umweht von einem zartbesaiteten Piano, dann aber heben Saxofone und Posaunen und Bass und Drums an und tragen das Stück hoch zur Saaldecke und breiten es im Raum aus. Etwas Schlimmes passiert in dem Lied, eine Bombe explodiert, aber der Text erreicht uns plötzlich nur noch fragmentarisch. Was hängen bleibt, was tiefer geht als nur in die Ohren, ist die Zeile: „These are the days of miracle and wonder.“

Diese verzauberten Tage haben gerade begonnen. In Hannover ist Jazzwoche, und wie man über Grenzen hinaus spielt (das ist das Motto der Woche: „Playing across borders“), zeigt schon das Auftaktkonzert, das zugleich ein Jubiläumskonzert ist: Die hannoversche Big Band Fette Hupe besteht seit zehn Jahren und feiert sich im Pavillon vor – annähernd – vollem Haus.

Spaß an der Arbeit

Grenzen überwinden: Shannon Barnett, aus Australien stammende Kölner Musikprofessorin, spielt nicht nur Posaune, sie singt auch, wie Fette-Hupe-Bandleader Jörn Marcussen-Wulff während einer Zugfahrt auf Youtube entdeckt hat. Das war dann, außer ihren Fähigkeiten an ihrem Instrument, ein weiterer Grund, sie zur Jazzwoche einzuladen. Und der Song schert sich auch nicht um Grenzen, geschrieben hat ihn Paul Simon für sein Jahrtausendalbum „Graceland“, hier kommt er aber völlig neu arrangiert daher, nicht so tapsig wie im Original, und jeder Takt ein bisschen angeschrägt.

Fette-Hupe-Bandleader Jörn Marcussen-Wulff. Quelle: Ralf Hansen

Das Phänomen am Fette-Hupe-Jazz ist: Er gefällt Jazzfans, aber auch Leuten, die sonst keinen Jazz hören. Das liegt zum einen daran, dass sich die völlig von allen Melodie- oder Taktschemata losgelösten Passagen in gewissen Grenzen halten (und Hupe-Mitbegründer Timo Warnecke an den Trommeln sorgt schon dafür, dass immer zumindest ein Hauch von Halt übrig bleibt). Es liegt zum Zweiten daran, dass Livemusik immer lebendiger ist als Konserve. Vor allem aber liegt es daran, dass Marcussen-Wulff und seine Truppe einen solchen Spaß an ihrer Arbeit haben, dass man im Publikum gar nicht anders kann, als mitzulächeln und mitzuwippen.

Verzauberung in blauem Licht

Die Band – 17 Musiker plus Barnett mit Stimmbändern und Posaune plus Kalle Kalima an der Gitarre plus Frederik Köster an der Trompete – arbeitet sich mit Verve durch ihr Programm mit Stücken von Carsten Meyer bis Charles Mingus, aber auch eigene Werke der Gäste stehen auf der Setlist, viele Soli und viele Zwischenapplause. Das Piano tupft, der Bass konturiert, die Bläser strahlen. Wunderschön: ein elegischer „Song for My Mother“ von Frederik Köster, mit einem eine Ewigkeit lang andauernden Schlusston der Trompete, die halbe Ewigkeit umspielt von der Band. Ganz zum Schluss das „Lullaby“ von Tom Waits, die Band verkrümelt sich Mann für Mann, am Ende stehen noch die Gastmusiker im blauen Licht. Wir sind bezaubert.

Nächste Jazzwochenkonzerte: Am Montag tritt das Kathrin Pechlof Trio um 20 Uhr im Keller III, Weidendamm 28, auf. Das nächste Fette-Hupe-Konzert ist am Sonntag, 27. Oktober, in der Faust-Warenannahme. Beginn ist um 19 Uhr.

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Von Bert Strebe

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