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Region Stile antico bei der A-cappella-Woche
Nachrichten Kultur Region Stile antico bei der A-cappella-Woche
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12:56 02.05.2019
Ladies first: Das britische Vokalensemble Stile Anticoin der Markuskirche. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Mit Gewohnheiten brechen – das hatte sich das Ensemble Stile Antico für das Konzert bei der A-cappella-Woche vorgenommen, und dieses Versprechen wurde vom ersten Ton an erfüllt. Was für ein Klang! Strahlend, absolut fokussiert, extrem obertonreich und gleichzeitig erdig, füllte er die Markuskirche mühelos bis in den letzten Winkel aus. Die zwölf Sängerinnen und Sänger aus London sind absolute Renaissance-Spezialisten. Scheinbar mühelos glitten sie durch die hochkomplexe Polyphonie des 16. Jahrhunderts, in unterschiedlich großen Besetzungen, weil die Anzahl der Sänger damals dem Raum angepasst wurde, für den die Musik geschrieben wurde. Selbst im Tutti war dabei jede einzelne Stimme identifizierbar: So, wie in den Kompositionen jeder Part gleichberechtigt steht, vermied Stile Antico auch in der Ausführung die klangliche Verschmelzung. Das Ergebnis war ein vollkommen transparenter und im besten Sinne heterogener Klang, der mit vertrauten Hörgewohnheiten brach und deshalb umso mehr dazu einlud, ihm nachzuspüren.

Musik von und für starke Frauen  

„Breaking the Habit“ also hieß das Programm, das Stile Antico mitgebracht hatte und das sich ganz den großen Frauen der Renaissance widmete. Monarchinnen wie Margarete von Österreich, Maria I. und Elizabeth I. förderten die Musik ihrer Zeit maßgeblich als Mäzeninnen und Auftraggeberinnen. Gleichzeitig wurden in der Renaissance erstmals Kompositionen von Frauen veröffentlicht, die den Vergleich mit denen eines Pierre de la Rue oder William Byrd nicht zu scheuen brauchen.

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Das einzige moderne Stück im Programm erklang ganz zum Schluss. Es stammt von der Britin Joanna Marsh, Jahrgang 1970, und trägt den Titel „Dialogo and Quodlibet“. Während die Männer im Vordergrund eine kunstvoll komponierte musiktheoretische Diskussion führten, musizierten die Frauen im Hintergrund des Altarraums Melodiefragmente von Maddalena Casulana. Schließlich kam es zur räumlichen und harmonischen Annäherung der beiden Geschlechter. Den letzten Ton und damit das letzte Wort aber behielten – wie sollte es auch anders sein? – die Ladies.

Universitätschor als Support  

Der Chor der Leibniz Universität Hannover in der Markuskirche. Quelle: Moritz Frankenberg

Partnerchor der diesjährigen A-cappella-Woche ist der Chor der Leibniz Universität Hannover, der deshalb den Beginn des Konzertes gestaltete. Unter der Leitung von Tabea Fischle erklangen fünf Stücke aus dem 20. Jahrhundert. Was neben dem homogenen und für einen so jungen Chor ungewöhnlich reifen Chorklang auffiel, war die enorme dynamische Flexibilität der Sängerinnen und Sänger. Ein so feines Pianissimo gelingt nicht vielen Chören dieser Größe. Wie Tabea Fischle den Klang dann jedoch immer wieder aufblühen ließ und mit viel Liebe zu den musikalischen Details ausgestaltete, war absolut hörenswert.

Am Sonnabend, 4. Mai, 20 Uhr, singt die Real Group in der Neustädter Hof- und Stadtkirche, das Abschlusskonzert der 19. A-cappella-Woche beginnt am Sonntag, 5. Mai, um 19 Uhr im Kuppelsaal.

Von Juliane Moghimi