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Konzert mit der Radiophilharmonie: Nicholas McGegan dirigiert Händels Oratorium „Samson“: Nicholas McGegan dirigiert Händels Oratorium „Samson“

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23:35 22.06.2019
Unverwechselbar und gut gelaunt: Der Dirigent Nicholas McGegan vor Probenbeginn im Funkhaus. Quelle: Stefan Arndt
Hannover

Der Vater des Helden ist selbst ein Held. Darum trägt Manoa den Tod seines Sohnes mit Würde: „Er starb, wie er lebte“, singt alte Israelit über den Titelhelden in Händels Oratorium „Samson“: „Seinen Feinden bleibt das Verderben, ihm der ewige Ruhm.“ Nach diesem tapferen Nachruf schreitet William Berger, der den Manoa in einer Aufführung des Stückes mit der NDR Radiophilharmonie singt, gemessenen Schrittes auf seinen Stuhl neben dem Orchester – und kann dort ein zu seiner Rolle ganz unpassendes Grinsen nicht länger verbergen.

Eine Isolde in einem Händel-Oratorium

Denn direkt nach ihm singt die indische Sopranistin Sherezade Panthaki ihre letzte und bravouröseste Arie – und versetzt damit nicht nur ihren Kollegen Berger in freudiges Entzücken.

Dass diese Frau dem Libretto zufolge den eigentlich unbesiegbaren Samson um seine übermenschliche Stärke bringt, kann hier kaum verwundern: Mit ihrer überschwänglichen Virtuosität, mit ihrer Eleganz und ihrer trompetenhaften Strahlkraft ist Panthaki ein neuer, zukunftsweisender Typ unter den Alte-Musik-Sängerinnen – sie ist ein hochdramatischer Sopran der Barockzeit, eine Isolde in einem Händel-Oratorium. Wenn sie singt, ist das nicht einfach eine Arie. Es ist ein Ereignis.

Mit „Samson“ an die Spitze

Panthaki führt in der Galerie Herrenhausen (und bei den Chortagen im Funkhaus) ein internationales Spitzenensemble an, aus dem neben William Berger noch Thomas Cooley als eleganter Schmerzensmann in der Titelpartie und die fabelhafte Altistin Franziska Gottwald herausragen. In den vergangenen Wochen war viel Barockmusik in Hannover zu hören – sängerisch war dieser „Samson“ ein strahlender Höhepunkt.

Dazu trug auch der von Jörg Straube einstudierte Norddeutsche Figuralchor bei, der die vielgestaltigen Chorpartien des Stückes so souverän beherrscht, dass die Sänger nicht wie üblich nach Stimmgruppen angeordnet auf der Bühne stehen, sondern durcheinander, was dem ohnehin vorbildlich homogenen Klang des Chores zusätzliche Dichte verleiht.

Spätes Debüt für Nicholas McGegan

Hauptverantwortlich für diese (der tatsächlichen Länge nach dreifachen) Sternstunde war der Dirigent Nicholas McGegan. Der Brite, der Vorgänger von Laurence Cummings als Leiter der Händel-Festspiele Göttingen war, hat nicht nur für die spektakuläre Sängerbesetzung gesorgt – er ist auch einer der wenigen Dirigenten, die einen jederzeit unverwechselbaren Klang hervorbringen.

McGegan ist anders als viele seiner Kollegen unter den Barockexperten kein Extremist der Gefühle; bei ihm herrscht vielmehr jederzeit freundliche Gelassenheit. Auch in tragischen Momenten glaubt er fest an das gute Ende. Mehr als auf Affekt setzt er daher auf Effekt: McGegan lässt sich kein Crescendo, keine Akzentverschiebung, kein Trompetensignal entgehen. Bei ihm versteht man, dass Barockmusik nicht wie spätere Werke auf langen Entwicklungen basiert, sondern auf einem oft rasanten Wechselbad der Gefühle.

Radiophilharmonie bringt Alte Musik auf die Höhe der Zeit

Die Radiophilharmonie, die erstaunlicherweise erst jetzt zum ersten Mal mit McGegan spielt, folgt dem Dirigenten reaktionsschnell und stilsicher: Auch ohne Barocktrompeten und Traversflöten ist dieses Orchester ein souveränes Alte-Musik-Ensemble. Dass es hier hinter der überragenden Solistin Panthaki manchmal verblasst, ist keine Schande: Dieser „Samson“ erinnert eindrucksvoll daran, dass die Barockreihe der Radiophilharmonie ein Garant für Alte Musik auf der Höhe der Zeit ist.

Mehr Händel mit der Radiophilharmonie

Im kommenden Jahr gibt es bei der Radiophilharmonie vier Konzerte im Ring Barock: am 27. März, 1. Mai und 19. Juni sowie dem Neujahrskonzert mit der Hannoverschen Hofkapelle am 1. Januar 2020.

Händel steht wieder am 1. Mai auf dem Programm: David Stern dirigiert dann die wohl berühmteste Händel-Oper „Julius Cäsar in Ägypten“.

Von Stefan Arndt

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