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Kulturhauptstadt-Bewerbung: Was machen Sie, wenn Hannover nicht weiterkommt?

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19:48 03.12.2019
„Wir haben alles gegeben. Mehr ging nicht“: Melanie Botzki (links) und Inga Samii im Rathaus. Quelle: Samantha Franson

In der kommenden Woche präsentieren Sie die hannoversche Bewerbung zur Kulturhauptstadt vor der Jury in Berlin. Dann wird entschieden, ob Hannover auf die Shortlist der Kandidaten kommt und Sie die Bewerbung weiter ausarbeiten dürfen. Können Sie jetzt noch ruhig schlafen?

Melanie Botzki: Es ist natürlich eine spannende Zeit. Wir machen eine solche Präsentation zwar hoffentlich zweimal mit, aber jetzt ist es das erste Mal. Ich finde Lampenfieber gehört dazu, weil es die Konzentration erhöht.

Inga Samii: Zugleich sind wir aber auch entspannt, weil wir gut vorbereitet sind. Wir haben für unseren Auftritt geprobt, und das hat gut funktioniert.

Wie muss man sich die Präsentation vorstellen?

Melanie Botzki: Zuerst stellen wir unsere Bewerbung eine halbe Stunde lang vor, danach haben wir 45 Minuten, um Fragen der Jury zu beantworten. Dabei müssen wir als Team wie ein Theaterensemble funktionieren: Jeder muss wissen, wann sein Statement kommt. Zugleich wollen wir das locker machen und uns nicht glatt coachen lassen: Jeder soll seine eigene Persönlichkeit einbringen.

Inga Samii: Bei unseren Präsentation gab es immer einen künstlerischen Ansatz, den wir mit einem großen Team vorbereitet haben. Die Kraft, die sich daraus entwickelt hat, wollen wir jetzt auch der Jury zeigen. Wir werden am 10. Dezember die letzte Stadt sein, die präsentiert. Es ist dann schon dunkel, die Jury hat bereits drei Städte gesehen und ist vielleicht etwas müde. Da müssen wir dafür sorgen, dass alle hellwach und aufnahmefähig sind. Gleichzeitig soll es authentisch sein und Emotionen wecken.

 Welche Künstler sind diesmal mit im Boot?

Melanie Botzki: Zusätzlich zu unserem Präsentationsteam, zu dem auch die Autoren Juan S. Guse und Ninia Binias gehören, ist als künstlerischer Background dieses Mal Lena Kußmann mit von der Partie, die Regisseurin und künstlerische Leiterin des Theaters in der Glocksee. Der Filmregisseur Carsten Kalaschnikow hat zusammen mit dem Filmteam Stabil und Grazil etwas sehr Schönes für uns gemacht. Und dann ist noch das Künstlerpaar Lotte Lindner und Till Steinbrenner dabei: Wir haben also absolute Profis an unserer Seite.

Sie haben sehr viel Energie in die bisherige Bewerbung gesteckt. Hat sich das eigentlich gelohnt?

Inga Samii: Ja, in jedem Fall. Für mich persönlich war es ein Schnellalterungs- und Schnelllernprozess. Ich weiß gar nicht, wo man in seinem Leben noch einmal so viel lernen kann wie in diesem umfassenden und schnellen Prozess. Wir haben alles gegeben. Mehr ging nicht.

Melanie Botzki: Natürlich kostet es viel Kraft, ein solches Riesenprojekt zu stemmen. Aber wir sehen, was wir in vergleichsweise kurzer Zeit geschafft haben. Das setzt ja wieder Energie und Kräfte frei: Das Feuer ist entfacht.

Public Viewing im Rathaus

Am Donnerstag, 12. Dezember, fällt in Berlin die Entscheidung, welche Städte in einer zweiten Bewerbungsrunde weiter um den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt 2025 kämpfen können. In Hannover lädt Oberbürgermeister Belit Onay dazu ein, die Veranstaltung ab 13.15 Uhr im Neuen Rathaus per Videoübertragung beim Public Viewing zu verfolgen. „Gemeinsam wollen wir unserer Stadt die Daumen drücken – und dann natürlich feiern“, teilte Onay mit. Onay ist Mitglied der zehnköpfigen Delegation, die am 10. Dezember bei der Kulturstiftung der Länder die hannoversche Bewerbung präsentiert und Nachfragen beantwortet. Außer Hannover bewerben sich Hildesheim, Dresden, Nürnberg, Magdeburg, Gera, Chemnitz und Zittau um den Titel. Aus den Städten, die am 12. Dezember auf die Shortlist kommen, wird im Herbst 2020 ein Sieger gewählt.

Was machen Sie, wenn Hannover es auf die Shortlist schafft?

Inga Samii: Erst wird ordentlich gefeiert, und über Weihnachten ruhen wir uns aus. Ab Anfang Januar geht es dann doppelt oder dreifach so schnell weiter. Dann geben wir noch einmal richtig Gas. Wir haben uns jetzt als Team gefunden. Wir wissen, was wir wie machen müssen. Ich bin sehr zuversichtlich für die zweite Runde.

Melanie Botzki: Wir haben genug Ideen dafür.

Und was machen Sie, wenn Hannover nicht weiterkommt?

Melanie Botzki: Es bleibt der Kulturentwicklungsplan der Stadt: Darin finden sich viele Dinge aus dem Bewerbungsbuch wieder, die dann realisiert werden. Aber natürlich werden wir uns bemühen, noch mehr zu erreichen. Das ist ja auch Sinn der Sache. Es geht nicht nur um den Titel, sondern auch darum, einen Prozess anzustoßen und positive Veränderungen für die Stadt zu bewirken. Das soll auch weitergehen, wenn wir den Titel nicht bekommen.

Wie ist ihr Tipp? Kommen Sie weiter und wenn ja, mit wem?

Melanie Botzki: Wir kommen auf jeden Fall weiter.

Inga Samii: Aber auch die anderen sieben Bewerbungen sind sehr stark. Unser Kollege aus Nürnberg hat gesagt, wir seien ein guter Bewerbungsjahrgang. Die Jury hat die Qual der Wahl. Man kann es wirklich nicht vorhersagen.

Zur Person

Melanie Botzki und Inga Samiileiten seit September 2018 gemeinsam das Team Kulturhauptstadtbewerbung in Hannover. Samii war zuvor Leiterin des Veranstaltungsbereichs der Herrenhäuser Gärten, Botzki war Kulturmanagerin der Landeshauptstadt im Kulturdezernat und seit 2017 für die Vorbereitung der Bewerbung zuständig.

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