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Region Besucherrekord bei den Kunstfestspielen Herrenhausen
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Kunstfestspiele Herrenhausen: Besucherrekord und rätselhaftes Theater von Romeo Castellucci

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00:20 27.05.2019
Gemetzel in der Turnhalle: Szene aus Romeo Castelluccis Hölderlin-Übungen. Quelle: Irving Villegas
Hannover

 Am Wochenende vor dem Festivalfinale haben die Kunstfestspiele Herrenhausen eine Bilanz ihrer zehnten Ausgabe gezogen. Nach einer Hochrechnung, die bereits die Besucher der letzten drei Festivaltage berücksichtigt, waren rund 18.500 Besucher bei den Veranstaltungen. Gezählt wurden das Publikum bei den Konzerten, Theatervorstellungen und den Formaten im Spiegelzelt sowie die Besucher der Installationen, die auf dem Festspielgelände zu sehen sind. Die Auslastung der Veranstaltungen liegt bei rund 90 Prozent.

Mehr Besucher als je zuvor

Beim Geburtstagsfest am 12. Mai, bei dem bei freiem Eintritt Kunstaktionen in der Stadt und im Großen Garten zu sehen waren, wurden weitere 15.000 Besucher gezählt – insgesamt wurden damit so viele Menschen erreicht wie nie zuvor. Entsprechend zufrieden äußerte sich Intendant Ingo Metzmacher: „Die Fangemeinde der Kunstfestspiele ist wieder gewachsen“, sagt er. „Der Erfolg zeigt, dass die Kunst, die wir zeigen, allen offen steht.“

Ein Gastspiel einer Produktion des italienischen Starregisseurs Romeo Castellucci zeigte derweil, dass diese Kunst sich auch durchaus verschlossen geben kann: Castelluccis Stück „Giudizio. Possibilitá. Essere – Übungen zu ,Der Tod des Empedokles’ von Friedrich Hölderlin“ erschien nicht nur wegen der italienischen Aufführungssprache verrätselt. Eindrucksvoll war die Produktion aber schon wegen des ungewöhnlichen Spielorts: Der Regisseur, der krankheitsbedingt nicht nach Hannover kommen konnte, versteht die titelgebenden Übungen auch im sportlichen Sinn und lässt sein Stück in einer Turnhalle spielen – hier die des Deutschen Hockey Clubs.

Der Auftritt des dressierten Hundes

Castellucci, der von der Kunst zum Theater gekommen ist, findet hier starke Bilder. Gleich zu Beginn treten die Frauen, aus denen sein Ensemble hier abgesehen von einem vorbildlich dressierten Hund ausschließlich besteht, auf die Bühne und scheinen sich mit einer Schere die Zunge abzuschneiden. Wortlos bleibt dieses Theater trotzdem nicht. Die griechische Tragödie, auf die Castellucci sich mit Hölderlin bezieht, entfaltet wieder rätselhafte Wucht.

Die Kunstfestspiele enden mit Konzerten des Pianisten Pierre-Laurent Aimard (Sonnabend 17, 20 und 23 Uhr sowie Sonntag 6 Uhr) und der Komponistin Rebecca Saunders (Sonntag 19.30 Uhr).

Von Stefan Arndt

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