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Kunstfestspiele Herrenhausen: Ensemble Modern spielt Frank Zappa in der Eilenriedehalle Hannover

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13:56 19.05.2019
„Ihr seid meine Band“: Das Ensemble Modern spielt Zappa bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in der Eilenriedehalle. Quelle: Helge Krückeberg
Hannover

 Irgendwann gibt man es einfach auf, sich zu wundern. Ein Schwein fliegt auf die Bühne? Bei Frank Zappa ist das wohl ganz normal, warum sonst hätte der 1993 gestorbene Rockstar und Komponist ein Stück „A Pig With Wings“ genannt? So fängt auch Dirigent Ingo Metzmacher das Plastiktierchen lässig auf, das aus dem Publikum auf die Bühne geworfen wird, und platziert es auf dem Podium. Dort wartet schon ein Hai mit blutigem Mund – der „Yellow Shark“, der dem letzten Album seinen Namen gegeben hat, das Zappa zu Lebzeiten veröffentlicht hat.

Nostalgie und Frische

Mit von der Partie war damals das Ensemble Modern, das nun auch bei diesem ungewöhnlichen Konzert der Kunstfestspiele Herrenhausen in der Eilenriedehalle auf der Bühne sitzt. Festivalintendant Metzmacher, der seine Karriere als Pianist bei den Frankfurter Neue-Musik-Experten begann, hat die alten Zappa-Stücke neu einstudiert, um sie an dem Ort zu präsentieren, an dem Zappa selbst vor 40 Jahren aufgetreten ist. Doch trotz der vielen Bezüge auf die Vergangenheit ist der Abend keineswegs nur nostalgisch – Zappas immer wieder überraschende Musik hat über die Jahre nichts an Frische verloren.

Vor seinen großen Erfolgen als Rockmusiker war Zappa stark an klassischer Avantgarde interessiert. Er hat Edgar Varèse bewundert, und in einer Fernsehshow von 1963 erweist er sich – noch mit Anzug und ohne lange Haare und Bart – bei einer erstaunlichen Performance mit Fahrrädern und Kontrabassbogen als gelehriger Anhänger von John Cage.

Dass Zappa auch bei seinen späteren Hits nicht immer nur auf den üblichen Vier-Viertel-Antrieb gesetzt hat, ist nun in der Eilenriedehalle zu erleben. Es macht Spaß zu hören, wie Stücke wie „Moggio“ auch in komplizierten Fünfer- oder Siebener-Rhythmen mit vollem Bigband-Sound rumpelnd Fahrt aufnehmen, bis sie vor lauter Schwung kaum mehr zu stoppen sind. Daneben gibt es schön versponnene Werke für Zupforchester („A Pig With Wings“), raunende Neue-Musik-Klänge der alten Schule („Ruth is Sleeping“) und psychedelisch bunte Marschmusik („G-Spot-Rocket“).

Der unverwechselbare Zappa-Sound

Beliebig wirkt die wilde Mischung trotzdem nicht. Neben dem lässigen Umgang mit komplizierten Rhythmen sorgt auch eine Melodik für den jederzeit unverwechselbaren Zappa-Sound, die einem Windspiel abgelauscht erscheint: Zappa schreibt Themen wie ein Luftzug, der in Klangstäbe fährt und für einen Moment viele Töne in ein winziges Zeitfenster quetscht, bevor sie wieder entspannt auszuschwingen können.

In einen Orchesterklang übersetzt, stellt solche Musik die Musiker vor erhebliche technische Schwierigkeiten: Sie müssen unbequeme Tonarabesken bewältigen, ohne den Fluss der Musik ins Stocken zu bringen. Den Musikern des Ensemble Moderns gelingt das sehr gut – kein Wunder, dass Zappa nach Experimenten mit großen Orchestern in diesem Ensemble gefunden zu haben glaubte, was er lange gesucht hat. „Ihr seid jetzt meine Band“, hat nach Erinnerungen des Pianisten Hermann Kretzschmar bei Proben mit dem Ensemble Modern in Los Angeles gesagt. Kretzschmar ist wie viele seiner Kollegen auch jetzt beim Auftritt in der Eilenriedehalle dabei, die sich dank gut ausgesteuerter Verstärkung auch akustisch als ideal erweist.

Entsprechend begeistert ist die Stimmung unter den 1200 Zuhörern, wenn auch wohl nicht ganz so gelöst wie vor 40 Jahren, als Zappa selbst vor Ort war. „Damals war selbst das Einlasspersonal stoned“, erinnert sich ein Zeitzeuge.

Heute darf man im Saal natürlich nicht einmal Zigaretten rauchen. Da wirkt es fast subversiv, wenn die Kunstfestspiele ein aus der Mode geratenes Give-away verteilen: Am Eingang gibt es Feuerzeuge mit dem Logo des Festivals.

Die Kunstfestspiele Herrenhausen dauern noch bis zum 26. Mai. Musik von Frank Zappa gibt es wieder am 22. und 23. September zu hören: Im ersten Sinfoniekonzert des Staatsorchesters in der Oper.

Von Stefan Arndt

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