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Kunstfestspiele Herrenhausen: Ictus-Ensemble sucht die Melancholie in der Musik 

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00:16 23.05.2019
Das Ictus-Ensemble in der Galerie. Quelle: Stefan Arndt
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Hannover

Diese Musik ist viel weiter weg, als die meiste andere, die wir kennen, und doch können wir sie sofort verstehen: Das, was John Dowland vor knapp einem halben Jahrtausend komponiert hat, ist unmissverständlich traurig. Seine Lieder erzählen von einsamen Seelen und verlassener Liebe, aber nie schwingt in ihnen Bitterkeit mit. Dowland, 122 Jahre vor Johann Sebastian Bach geboren, hat den Klang der süßen Melancholie erfunden.

Dowland mit E-Gitarre

So stehen seine Lieder nun auch ganz richtig im Zentrum des Konzertes „Darker than Black“, das das Ictus-Ensemble bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in der Orangerie präsentiert hat. Ergänzt und gespiegelt werden die Renaissance-Stücke dabei von zeitgenössischen Kompositionen – das in Brüssel beheimatete Ensemble ist spezialisiert auf Neue Musik und ungewöhnliche Konzertprojekte.

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Im schönen Jammertal

Das kann man in der Orangerie schon an der etwas ungewöhnlichen, kleinen Besetzung sehen: Neben der Sopranistin Theresa Dlouhy und der Gambistin Eva Reiter bedient Tom Pauwels nicht nur die akustische, sondern auch eine E-Gitarre. Weil er das auch bei Dowland tut, ohne dass das als Stilbruch erschiene, ist manchmal kaum zu unterscheiden, woher die Musik stammt: aus der Renaissance oder vom 1960 geborenen Komponisten Burkhard Stangl, der Klänge ebenfalls sehr unaufgeregt melancholisch schichtet. Den Kontrapunkt im schönen Jammertal bilden freche Geräuschkompositionen von Francesco Filidei und Gambistin Reiter. Ein raffinierter Konzertabend, der längst nicht so finster stimmt, wie sein Titel es vermuten ließe.

Am Dienstag, 21. Mai, 19.30 Uhr, begleitet die isländische Band Amiina den Stummfilm „Fantomas“ in der Orangerie.

Von Stefan Arndt

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