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Kunstfestspiele: Jocelyn B. Smith im Gartentheater Herrenhausen

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00:15 16.05.2019
Warm eingepackt: Jocelyn B. Smith im Gartentheater. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Jocelyn B. Smith sitzt vor dem Flügel auf der Bühne des Gartentheaters Herrenhausen und singt, die Hände tief in den Taschen ihrer dicken Jacke vergraben. Sie ist gekommen, um mit einem Konzert zum zehnjährigen Jubiläum der Kunstfestspiele zu gratulieren. Den ganzen Tag über haben Künstler Musik und Performance für alle präsentiert. Der Eintritt war am Geburtstag frei, insgesamt haben nach Angaben der Varanstalter rund 15 000 Besucher die Einladung angenommen. Auch abends schienen die Zuhörer zunächst zur Party entschlossen, als läge die Außentemperatur nicht bereits unter zehn Grad.

Musik für laue Sommerabende

Smith verkörpert als Gast den versuchten Brückenschlag des Festivals zwischen verschiedensten Ansprüchen an Kultur. Sie singt Soul, Jazz und Rock, ist in Oper und Klassik ebenso zu Hause wie in der Popkultur, hat mit Falco und Udo Jürgens gearbeitet, aber auch mit Mikis Theodorakis und Heiner Goebbels – bei dessen Stück „Surrogate Cities“ war sie vor zwei Jahren dabei beim Gastspiel der Kunstfestspiele in der Stöckener Produktionshalle von VW Nutzfahrzeuge. Auf der Bühne stellt sie nun allerdings vor allem das neue Album „Shine A Light“ vor, das nach fünf Jahren Veröffentlichungspause im September erscheinen wird.

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Das wäre an einem lauen Sommerabend wohl ein entspanntes Vergnügen. So aber wird keiner aus ihrer hervorragenden Band wirklich warm. Weiche, poppige Soulnummern kippen dennoch immer wieder ins Rockige, nuschelige Beiläufigkeit bricht zu überraschender Intensität aus. Leider moderiert Smith ihr unveröffentlichtes Material kaum an. Wie in „Rise“ geht es nämlich in den Texten meist um eine klare gesellschaftliche Haltung angesichts von Unrecht.

Der Funke springt nicht über

Musikalisch klingen die neuen Songs eher altmodisch, zitieren Soul, Funk, Pop und Rock aus den Siebziger- und Neunzigerjahren. Das entfesselt bisweilen große Energie, das Potenzial der Akteure für innovative Grenzgänge bleibt jedoch ungenutzt. Smith versucht immer wieder, das frierende Publikum von den Stühlen zu holen. Doch sie bleibt dabei routiniert, ein echter Funke vermag in der Kälte nicht überzuspringen. An Ende ist das Gartentheater halbleer und der Atem gut sichtbar. Um dagegen anzuspielen, hätte es mehr Nähe gebraucht.

Am Dienstag, 14. Mai, 19.30 Uhr zeigt Performerin Julia Mihály ihr Programm „Grand Hotel Establishment“ in der Orangerie Herrenhausen.

Von Thomas Kaestle

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