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Kunstverein Braunschweig: Christina Végh spricht über Shannon Bool

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14:20 08.11.2019
Von Le Corbusier und Picasso bis Kim Kardashian: „Women in their Apartment“ von Shannon Bool. Quelle: Stefan Stark
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Christina Végh, die scheidende Direktorin der Kestnergesellschaft in Hannover, und Shannon Bool, die kanadische, in Berlin lebende Künstlerin, kennen sich und sind einander sehr sympathisch. Das ist so, seitdem Végh, damals Leiterin des Bonner Kunstverein, 2011 Bool dort ausgestellt hat. Der feministische Ansatz der Künstlerin hat Végh schon damals überzeugt, die auch in der Kestnergesellschaft, von Rita McBride über die Guerrilla Girls bis hin zu Goshka Macuga, gerne und zu Recht immer wieder Kunst präsentiert, in der die Welt aus der Perspektive der Frauen verhandelt wird.

Das Frauenbild in der Kunstgeschichte

Deshalb hat sie auch nicht gezögert, eine Einladung des Braunschweiger Kunstverein zu einem Gespräch mit Shannon Bool anzunehmen. Dort zeigt die 1972 geborene Künstlerin gegenwärtig in einer umfangreichen, sehr sehenswerten Einzelausstellung Wandteppiche, Collagen, Fotogramme, Malerei und Objekte. Dabei konzentriert sie sich wach und sensibel auf die Kunst- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts und nimmt deren Gesellschafts- und Frauenbilder bis in die Gegenwart hinein präzise in den Blick.

Christian Végh wurde nicht müde, das wiederholt pointiert herauszustellen. Wobei das Gespräch zwischen ihr und Bool weniger ein Dialog im Sinne eines Frage- und Antwortrituals war, sondern einer Entfaltung von Koreferaten glich. Dabei bewegten sich die beiden Damen, angeregt und anregend Englisch parlierend, von Kunstwerk zu Kunstwerk und von Raum zu Raum, begleitet von einer Gefolgschaft neugieriger, immer wieder einmal Fragen einstreuender Kunstgetreuer.

Von Le Corbusier bis Kim Kardashian

Den Auftakt bei dieser Ausstellungsbegehung machte die Betrachtung eines neuen Werks von Bool, der Jacquard-Teppich „Women in their Apartment“, aus diesem Jahr. Exemplarisch macht es deutlich, wie sehr für die Künstlerin die Moderne die DNA ihrer Arbeit ist. Motivanleihen kommen hier von Le Corbusier und Picasso. Von dem revolutionären Architekten übernimmt Bool für ihren eindrucksvollen Wandteppich die rationale und puristische Konstruktion des Badezimmers der Villa Savoye (1931), von Picasso leiht sie sich die exotischen Frauen aus seiner Werkserie „Les Femmes d’Alger“ (1954–1955) aus, mit der sie ihren Bildraum in eine Art modernistischen Harem verwandelt.

In ihm gilt traditionell die Herrschaft des Mannes. Davon ist bei Bool der begehrliche Blick geblieben, mit dem die Frau in Besitz genommen wird. Indem sie einer der kubistischen Picasso-Frauen auf ihrem Teppich den prallen und nackten Po des Models Kim Kardashian verpasst, 2014 auf dem Cover der Zeitschrift „Paper“ abgebildet, macht sie das in drastischer Weise deutlich.

Überhaupt die Überlagerungen im Werk von Bool! Ihre Werke demonstrieren, wie sehr auch heute noch das Rationale und Kognitive als Domäne des Mannes, das Intuitive und Emotionale als Reservat des Weiblichen behauptet wird. Dass dies durchaus keine anthropologische Konstante ist, sondern eine gesellschaftspolitische Behauptung mit ausgeprägtem Willen zur Macht, stellt den gemeinsamen Nenner aller Werke der Ausstellung dar. Worauf auch die mit starkem Applaus bedachte Führung durch Christina Végh und Shannon Bool nachdrücklich aufmerksam machte.

Shannon Bool, „House of Oblivion“, im Kunstverein Braunschweig, Lessingplatz 12

Von Michael Stoeber

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