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Kunstverein Hannover: Henrike Naumann zeigt ihre Ausstellung  „2000 - Mensch. Natur. Twipsy.“

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12:37 12.07.2019
Weltausstellung der Geschichte: Henrike Naumann mit Twipsy im Kunstverein Hannover. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Das Archiv des ehrenamtlich betriebenen kleinen Museums Exposeeum enthält neben einer Vielzahl an Markting- und Ausstellungsrelikten der Expo 2000 auch etwa 3000 Videokassetten mit Bildmaterial, das deren Presse- und Dokumentationsabteilung für die Nachwelt erstellte. Gesichtet haben es die Archivare jedoch nie: Sie verfügen über keine geeigneten Abspielgeräte. Der Kunstverein Hannover hat diese nun für seine Ausstellung „2000. Mensch. Natur. Twipsy“ der Berliner Künstlerin Henrike Naumann angeschafft und so ein Stück Vergangenheit lesbar gemacht.

Ein neuer Blick auf die Expo

An Sichtungsstationen stehen viele Stunden ausgewählter Videos zur Verfügung, Stoff für Erinnerungen an ein Großereignis vor fast 20 Jahren, das nach vorangegangenen gesellschaftlichen Umbrüchen die ganz großen Visionen für die Menschheit versprach. Naumann hat unter anderem eine Ausstellung über Hannover und die Expo zusammengetragen.

„2000. Mensch. Natur. Twipsy.“: Henrike Naumann im Kunstverein

 

Vor allem zeigt sie jedoch ihre langjährige Auseinandersetzung mit den Neunzigerjahren. Nach der Wiedervereinigung im Jahr 1989 begann eine Zeit der raschen Veränderungen und des forcierten Blicks nach vorn. Doch wie aufrichtig wurden diese betrieben? Wo kam der Drang nach wirtschaftlichem Gewinn den behaupteten Ansprüchen in die Quere?

Recherche bei der Treuhand

Naumann recherchierte zur Treuhandanstalt, die nach der Wende die Aufgabe erhielt, Volkseigene Betriebe zu privatisieren und stieß dabei auf deren ehemalige Präsidentin, die CDU-Politikerin Birgit Breuel. Sie stieß schnell auf eine Überfülle visuellen Materials zu Breuels nächster Aufgabe – nach vier Jahren Treuhand wurde diese im Jahr 1995 Generalkommissarin der Expo 2000 in Hannover.

Sie hatte die Bewerbung um die Weltausstellung in den Achtzigerjahren als niedersächsische Ministerin mit konzipiert – als die 1988 erfolgte, war Deutschland noch geteilt. Die Expo 2000 war der erste gesamtdeutsche Blick auf „Mensch, Natur und Technik“ in einer solchen Dimension.

Von der Expo zum NSU

Naumann versucht, Zusammenhänge zugänglich zu machen. Es geht ihr um private und nationale Repräsentanz, um kolonialistische Gesten beim Umgang mit dem vereinigten Deutschland. Dabei spielt auch der rechtsradikale Terror des Netzwerks Nationalsozialistischer Untergrund eine Rolle – nicht zuletzt als Ereignis in der eigenen Biografie.

Naumann ist 1984 in Zwickau geboren und war im November 2011 zu Besuch bei ihrer Großmutter, als Beate Zschäpe nur einen Kilometer entfernt ihre Wohnung zerstörte, um Beweise zu vernichten. Während die Expo 2000 in Hannover „die Welt zu Gast“ hatte, verübte der NSU in Nürnberg seinen ersten fremdenfeindlichen Mord.

Sprechende Möbel

„Wir haben uns in den Jahren danach weder ernsthaft genug mit der geforderten Nachhaltigkeit beschäftigt noch mit Rechtsradikalismus“, sagt Kunstvereinsdirektorin Kathleen Rahn. Naumann macht beides in Rauminstallationen intuitiv erlebbar. Sie hat Szenografie studiert und gelangte über ihre Arbeit für Theater und Film zur Bildenden Kunst. Irgendwann habe sie beim Ausstatten von Dokumentarfilmen erkannt: „Möbel und Objekte sind auch Dokumente, anhand derer man über Politik sprechen kann.“

Also baut sie mit Schrankwänden und Vitrinen Erinnerungen an ein geteiltes Deutschland und einen Traueraltar für die Deutsche Einheit mit Konsumrelikten und Billigware. Sie zeigt Videoinstallationen mit fiktiven Heimvideos aus der Jugend der NSU-Mörder, Collagen aus Treuhand-Abwicklungen und Expo-Visualisierungen und einem Filmessay zu Reichsbürgern. Und sie verlegt das Exposeeum kurzerhand in die Räume des Kunstvereins. In einem geschickten Verdichtungsprozess entsteht ein kleines ethnologisches Museum, das seine Exponate mit Geheimnis, Bedeutung und Aura auflädt und Zusammenhänge andeutet.

Ein ungeliebtes Maskottchen

Natürlich darf das ungeliebte Maskottchen Twipsy nicht fehlen. Um zu demonstrieren, wie weit weg sich 19 Jahre anfühlen können. Und um in Erinnerung zu rufen, dass es laut Expo-Legende aus dem Cyberspace gekommen sei, um in Hannover Menschen von überall kennenzulernen. Interessant ist auch dabei, welche Erzählung einer gemeinsamen Welt am Ende dominiert.

Dazu passen für Naumann auch die einfachen Zelte, in denen im leeren deutschen Pavillon Geflüchtete untergebracht wurden. Was aus den anderen Länderpavillons geworden ist, hat das Exposeeum dokumentiert. Ausgerechnet der Inhalt des „Planet of Visions“ wurde in Bochum bei einem Brand zerstört. Manchmal ist es eben mit der Zukunft gar nicht so einfach, zwischen Fassade und Nachhaltigkeit. Auch davon erzählt Naumanns Blick in die Vergangenheit.

Von Thomas Kaestle

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