Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Experten diskutieren über Umgang mit ethnologischen Sammlungen
Nachrichten Kultur Region

Landesmuseum: Experten disutieren über Umgang mit ethnologischen Sammlungen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 16.09.2019
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion im Landesmuseum Hannover. Quelle: Marvin Ibo Güngör
Hannover

„Ein Herrscher ohne Thron ist kein Herrscher mehr“, sagt Claudia Andratschke, Abteilungsleiterin im Landesmuseum Hannover – und doch sei ein solches geschnitztes Herrschaftssymbol aus Kamerun laut der Museumsunterlagen in den Dreißigerjahren „freiwillig“ an einen Händler übergeben worden. Heute sei bekannt, dass es sich um die Beute einer Strafexpedition handeln könnte. „Wir müssen jetzt neue Hinweise suchen“, sagt sie im Rahmen der NDR-Veranstaltung „Museumsdetektive – Auf den Spuren des kolonialen Erbes im Norden" im Landesmuseum.

Kuratoren ethnologischer Sammlungen stehen seit einiger Zeit vor der enormen Herausforderung, deren Zustandekommen zu hinterfragen. Das Land Niedersachsen nimmt in der entsprechenden Forschung eine Führungsrolle ein, nicht zuletzt durch das Förderprogramm „Provenienzforschung in außereuropäischen Sammlungen und der Ethnologie in Niedersachsen“ der Volkswagen-Stiftung. Es ermöglicht den Leitern der wichtigen ethnologischen Museen im Land, gemeinsam mit Historikern und Rechtswissenschaftlern Fragen nach dem Ursprung ihrer Sammlungen ganz neu zu stellen.

Experten aus Herkunftsländern

Vor allem ein Aspekt ist dabei neu – ein Fokus auf Feldforschungen, der das Wissen vor Ort einbezieht. „Diese Arbeit ist nur mit Vertretern aus den Herkunftsländern möglich“, betont auch Katja Lembke, Direktorin des Landesmuseums Hannover. „Etwas ohne die Kollegen vor Ort über Tansania lernen zu wollen, ist als würde man ohne deutsche Wissenschaftler zu deutscher Geschichte forschen“, verdeutlicht Michael Kraus, Kustos an der Universität Göttingen. Also hat der NDR Experten aus Herkunftsländern eingeladen, sich auch in die öffentliche Diskussion einzubringen.

Die Kuratorin Nzila Marina Mubusisi vom Namibischen Nationalmuseum fordert neue Erzählungen über die Vergangenheit – und neue Erzählweisen. „Wir dürfen dabei nichts beschönigen oder verbergen.“ Auch ihre Kollegin Flower Manase vom Tansanischen Nationalmuseum stellt klar: „Wir können uns auf nichts verlassen, müssen alles anzweifeln.“ Kraus, der mit ihr zusammen zurzeit seine Göttinger Sammlung begutachtet, betont seine Bereitschaft, auch Dokumentationen aus vergangenen Jahrzehnten in Frage zu stellen. Das sei allerdings viel Arbeit. Dennoch hält er eine mögliche Rückgabe erst danach für angebracht.

Rückgabe nicht auf die lange Bank schieben

„Die Herrschaftsstrukturen haben sich in all der Zeit verändert – wenn Sie ein spirituelles Objekt den Falschen zurückgeben, ist das schlimmer, als wenn Sie es behalten“, sagt er. Es gelte, Komplexitäten zu vermitteln und auszuhalten. Albert Gouaffo von der Kamerun-Universität in Dschang fordert hingegen: „Wir dürfen eine Rückgabe nicht auf die lange Bank schieben.“ Viele Sammlungsbestände seien zum Teil das historische Ergebnis von gezielter Demütigung. Manase pflichtet ihm bei: „Wie kann man jemanden wertschätzen, wenn man Skelette seiner Vorfahren im Keller hat?“ Sie fordert deshalb: „Bei allem was wir tun, muss die Menschlichkeit im Vordergrund stehen.“

Lesen Sie mehr:

Niedersachsen erforscht sein koloniales Erbe

Von Thomas Kaestle

Region „Platonowa“ zur Spielzeiteröffnung Regisseur Stephan Kimmig gendert Tschechow

Statt „Platonow“ gibt es „Platonowa“. Die zweite Eröffnungspremiere im Schauspielhaus ließ ein bisschen erkennen, was die Schauspieler im neuen Ensemble können.

16.09.2019

Hereinspaziert! Sonja Anders und Laura Berman, die neuen Intendantinnen an Schauspiel und Oper, haben die Foyers ihrer Häuser neu gestalten lassen. Alles soll offener und freundlicher wirken – und so auch neue Besucher anlocken. Auch die Theaterkantine ist künftig für alle geöffnet.

16.09.2019

Wenn es Perfektion im Gesang gibt, dann hier: Der Tenebra Choir aus London gibt ein Konzert bei den Niedersächsischen Musiktage – und Chorleiter Nigel Short eröffnet bei der Chor.com Einblicke in seine Arbeitsweise.

15.09.2019