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Lesung: Fernando Aramburu liest im Literaturhaus

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18:00 01.10.2019
Im Literaturhaus: Fernando Aramburu. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Wie lange dauert eine Minute? Fernando Aramburu, spanischer Bestsellerautor und Wahl-Hannoveraner, hat darauf eine ganz eigene Antwort: „Heutzutage, habe ich den Eindruck, dauert eine Minute dreißig oder vierzig Sekunden; eine Minute der Diktatur indes dauerte anderthalb oder zwei Minuten.“ Diktatur, das ist bei dem 1959 in San Sebastian geborenen Aramburu die Zeit Francos, die bis 1975, so Aramburu, auch durch ein „historisches Dahinsiechen“ gekennzeichnet war.

Mit „Langsame Jahre“ ist deswegen auch sein jüngst in deutscher Übersetzung erschienener Roman, der während der Franco-Diktatur spielt, betitelt. Ihn stellte Aramburu jetzt im Literaturhaus Hannover vor, zusammen mit dem behutsam fragenden NDR-Moderator Joachim Dicks und dem manchmal den Text etwas zu stoisch lesenden Schauspieler Sebastian Weiss.

Der Preis des Erfolgs

Gleich zu Anfang wollte der Moderator wissen, was sicher viele aus dem Publikum im schon seit Wochen restlos ausverkauften Literaturhaus interessierte: Wie verändern Berühmtheit und Verkaufserfolge einen Schriftsteller, der in Hannover bislang unerkannt und deswegen unbehelligt leben und arbeiten konnte, und das schon seit 1984, als er der Liebe wegen – und nicht wegen der guten Arbeitsmöglichkeiten – in die Stadt kam.

Auf der Bühne im Literaturhaus: Fernando Aramburu (links) mit Moderator Joachim Dicks und Schauspieler Sebastian Weiss. Quelle: Katrin Kutter

Aramburu konterte höchst sophistisch. Berühmtheit und Buchumsätze gäben ihm insgesamt mehr Freiheit und natürlich auch mehr Zeit, sich dem Schreiben zu widmen. Den Brotberuf eines für spanische Medien arbeitenden Journalisten bräuchte er also eigentlich nicht mehr. Aber gleichzeitig nimmt ihm seine Popularität natürlich auch Zeit weg. Immerhin müsse er jetzt zu immer mehr Lesungen reisen wie in das Literaturhaus, was allerdings und glücklicherweise nur eine kleine Reise war, aus dem Zooviertel in die Innenstadt.

Nach „Langsame Jahre“ publizierte Aramburu seinen Erfolgsroman „Patria“, in Deutschland erschienen die Werke in umgekehrter Reihenfolge. Der deutsche Verlag wollte wohl erst abwarten, ob „Patria“ auch hier so erfolgreich werden wird. Beide Werke verbindet thematisch die Franco-Zeit. Aber es ist nicht so sehr die Politik, die Aramburu dabei interessiert, es sind die Menschen, denen er sich widmet und an deren Leben sich dann die politischen Strukturen widerspiegeln. Anders als in „Patria“ hat er in „Langsame Jahre“ aber auch das Thema des Romanschreibens während des Schreibens eines Romans thematisiert und immer wieder Notate eingefügt, die den Schreibprozess reflektieren. Es ist so zu einem Blick in die Werkstatt des Schriftstellers geworden.

Schreiben vom Leben

Als Aramburu vom Moderator gefragt wird, ob es einen autobiografischen Zusammenhang gebe, konnte er nur antworten, dass ihm die Namensgleichheit und das gleiche Alter des Erzählers auch schon aufgefallen seien. Und kam dann doch ins Plaudern, über einen Verwandten mit stinkenden Käsefüßen, der als Julen im Roman vorkommt, und auch aus dem alltäglichen Erleben seiner Kindheit berichtete er voller Erzählfreude.

Das alles lässt sich für ihn aus der räumlichen und zeitlichen Distanz zum Geschehen, also aus Hannover, bestens (be-)schreiben. Es geht ihm um die „feine Grenze zwischen Patriotismus und Nationalismus“ und damit auch darum, was aus Menschen wird, wenn sie Freiheit träumen und daraus ein Alptraum wird. Als „Tapas aus Bothfeld“, als Vorspeisen zu seinem großen Werk „Patria“, beschreibt Aramburu seinen Roman „Langsame Jahre“. Es sind dann allerdings Tapas, an denen sich eine ganze Gesellschaft, an denen sich Spanien bis zur Atemnot verschluckt hatte.

Lesen Sie weiter:

Ein Stadtspaziergang mit Fernando Aramburu.

Der heimliche Literaturstar: Aramburu und sein Roman „Patria“

Von Frank G. Kurzhals

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