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Region Monika Rinck serviert im Literaturhaus „Champagner für die Pferde“
Nachrichten Kultur Region Monika Rinck serviert im Literaturhaus „Champagner für die Pferde“
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10:25 15.03.2019
Mäandernd: Monika Rinck im Gespräch mit Tobias Lehmkuhl. Quelle: Samantha Franson
HAnnover

Monika Rincks Texte mögen vieles können, aber knallen tun sie nicht. Das mit dem Knallen besorgt im letzten Drittel ihrer Lesung ein Teil der Bühnenbeleuchtung, sodass Rinck und der Moderator Tobias Lehmkuhl, zunächst etwas ratlos und ohne Mikrophone auf dunklen Bühne des Literaturhauses sitzen.

„In mir steckt ein ganzes Ensemble“

Der Abend ist in vielerlei Hinsicht ein Premiere: Zum ersten Mal liest Monika Rinck aus ihrem neuen Buch „Champagner für die die Perde“, zum ersten Mal moderiert Literaturkritiker Lehmkuhl auf der Bühne des Literaturhaus. Beide tasten sich zunächst einmal vorsichtig an ihre Aufgaben heran: Rinck findet manchmal nicht auf Anhieb die Passagen, die sie gerne vorlesen möchte, Lehmkuhl stellt nicht ganz zaghaft, aber fast, gewundene Fragen, die Rinck, während sie mit ihren rotbraunen Cowboystiefeln auf den Boden tappt, wiederum mit druckreifen Sätzen wie „In mir steckt keine Schauspielerin, mehr ein ganzes Ensemble“ beantwortet.

Gemischte Werkschau

Champagner für die Pferde“ ist ein eigenartig gemischtes Buch, es ist eine Werkschau aus dem Werk der Jandl-und Kleist-Preisträgerin Werk der letzten 20 Jahre und enthält Lyrik, Essays, Vorlesungen und Zwischenformen davon. Das Buch hat Rinck zusammen mit der Lyrikerin und Verlegerin Daniela Seel zusammengestellt. Es ist gute 500 Seiten stark und wird von Rincks verschriftlichten Münsteraner Poetikvorlesungen strukturiert - „Ansprechen“, „Schwimmen“, „Schlafen“, „Verkörpern“ und „Sammeln“ heißen die Kapitel. In Hannover liest Rinck einen kurzen Teil der Vorlesung zu „Schlafen“, die ein wenig wie eine sich selbst bewusste geführte Poesie-Mediation daherkommt, außerdem einen kleinen Part aus „Verkörpern“. Rincks Texte sind dabei immer sehr ruhig, voller atmosphärischer und leicht schief in der Welt hängender Bilder und spielerischer Sätze wie „Wer gestreifte Tiere isst, wird von Verkehrserziehung träumen“.

So schön, wie ihre Texte durch Bild- und Wortspielwelten mäandern, mäandert das Gespräch zwischen Lehmkuhl und Rinck. Warum sie nicht über ihre Kindheit schreibe, fragt Lehmkuhl, und Rinck antwortet: „Ich habe das Gefühl, dass ich manchmal noch von den Kindheitsdämonen überfallen werde, aber da ist nichts, wo ich hingehen und mich umsehen könnte“, aber sie verstünde sowieso nicht, warum ständig alle sie fragen, wie ein Text entsteht: „Das ist, als sei die Werkstatt ein interessanterer Ort als die Text selbst“.

Geschmack von Buchstaben und Technik

Und irgendwann, nachdem das Gespräch sich an Autos, Lacan, Reifentechnik, Kracauer, Hortensien, Heine und schwedischen Hypnosemöbeln vorbei geschlängelt hat, und Rinck ansetzt, etwas Lyrik zu lesen, knallt es. Aus dem Dunkeln und der Stille heraus meint Rinck, das sei jetzt sicherlich ein Zeichen, dass sie den Text namens „Tierbaby-Bingo“, überhaupt erst erschienen in einer „obskuren österreichischen Literaturzeitschrift“ lieber nicht lesen solle – und entscheidet sich für eine Gedichtreihe namens „Konkrekte Poesie“, in der es hauptsächlich, aber nicht nur, um den Geschmack von Buchstaben geht. Leichte Schmorgerüche der durchgebrannten Technik ziehen währenddessen durch den Raum und die Buchstaben schmecken, wie Rinck befindet, nach Kalk.

Von Jan Fischer

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