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Literarischer Salon: Bernd Stegemann über linke Politik heute

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01:15 10.05.2019
Bernd Stegemann im Literarischen Salon. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Bei den Grünen läuft’s, aber bei den Linken läuft’s im Moment nicht so gut. Die „Aufstehen“-Bewegung scheint sich gerade wieder hingesetzt zu haben. Und so einfach ist es heute auch gar nicht mehr zu sagen, was eigentlich linke Politik ist. Ein Experte für linke Politik war jetzt im Literarischen Salon zu Gast: Bernd Stegemann, Professor an der „Ernst Busch“-Schauspielschule, Dramaturg am Berliner Ensemble und einer der Initiatoren der „Aufstehen“-Bewegung.

Befragt von Jens Meyer-Kovać gab er über die Stagnation bei „Aufstehen“ Auskunft („Dilettantismus und eine große Verkettung vertaner Chancen“) und skizzierte die Bruchlinien in der linken Politik heute. Er zeigte sich dabei als Materialist alter Schule, der immer nach den Verhältnissen fragt. Die materiellen Verhältnisse – so die Grundregel des Materialismus’ – haben die Menschen zu dem gemacht, was sie sind. Und damit die Menschen eine Chance haben, gut zu sein, müssen sich eben die Verhältnisse ändern.

Von Identitätspolitik, in der Ethnie und Geschlecht eine herausragende Rolle spielen, ist dieser Ansatz weit entfernt. Stegemann pflegt den kühlen Blick des entfernten Beobachters, der Klassenverhältnisse zu analysieren vermag. In der Linken spielt aber auch eine andere Perspektive eine wichtige Rolle – der schmerzvolle Blick der Betroffenen. Stegemann hält dagegen: „Die eigene Betroffenheit zum Maßstab zu nehmen, ist schwierig.“

In der Moralfalle

Auch in Fragen der Einwanderungspolitik argumentiert er mit dem kühlen Blick des Außenstehenden. Dass er in seinem neuen Buch „Die Moralfalle. Für eine Befreiung linker Politik“ (Matthes & Seitz, 205 Seiten, 18 Euro) darauf hingewiesen hat, dass es nicht möglich sei, gleichzeitig die Grenzen für ungebremste Immigrationen zu öffnen und einen Sozialstaat mit Wohlfahrtsangeboten für alle Einwohner zu pflegen, wurde ihm von manchem Linken sehr übel genommen.

Nicht übel genommen haben ihm die Zuschauer seine geistvollen Einlassungen über die Bundeskanzlerin („Angela Merkel ist eine postheroische Politikmanagerin, die die Politik aus der Trotzphase herausgeführt und ihre Gegner in einen Tiefschlaf versetzt hat“) und über den Grünen-Chef: „Wenn Sie Robert Habeck zuhören, haben Sie immer das Gefühl, hier spricht die Wahrheit schlechthin“.

Am Dienstag, 21. Mai, ist der Literarische Salon bei den Kunstfestspielen Herrenhausen zu Gast. In der Galerie Herrenhausen spricht Hartmut Welscher, Chefredakteur von „VAN“, dem „Webmagazin für klassische Musik“, mit dem Geiger Gidon Kremer.

Von Ronald Meyer-Arlt

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