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00:16 19.04.2019
Na, will sich da etwa eine Frage entwickeln? Dunja Hayali im Literarischen Salon. Quelle: Villegas
Hannover

Gegen diesen Gast hatte Joachim Otte, Moderator beim Literarischen Salon, nicht den Hauch einer Chance. Dunja Hayali war in den Salon, gekommen, um über ihr neues Buch „Haymatland“ zu sprechen. Und weil sie selbst eine Moderatorin ist, und zwar eine sehr gute, riss sie die Moderation der Veranstaltung (die wegen der großen Kartennachfrage im Audimax stattfand) schon früh an sich. Vielleicht war es auch Notwehr.

Joachim Otte schien es jedenfalls geradezu darauf anzulegen, von einem Profi abgelöst zu werden. Seine wirre Frage zu irgendetwas, das er am Wochenende in der „Süddeutschen Zeitung“ gelesen hatte, mag für Hayali der Anlass gewesen sein, das, was sie so gut kann, auch hier einzusetzen: Sie moderierte den Abend mit sich einfach selbst. Und weil sie eine so gute Moderatorin ist, machte sie das so ausführlich, dass für die Lesung aus ihrem neuen Buch kaum noch Zeit blieb.

Als Joachim Otte nach fast anderthalb Stunden, die Hayali weitgehend monologisch bestritt, die geplante Lesung überspringen und lieber das Publikum zu Wort kommen lassen wollte, griff Hayali unaufgefordert zu ihrem Buch und fing an vorzulesen. An Selbstbewusstsein gebricht es ihr jedenfalls nicht.

„Haymatland“, ihr neues Buch, ist ein sehr persönlicher Bericht über ihr Leben als Deutsche in Deutschland, das seit einigen Jahren mehr und mehr davon geprägt wird, dass sie den Namen trägt, der auch im Buchtitel aufscheint.

Es ist der Name ihrer Eltern, die in den Siebzigerjahren aus dem Irak zum Studium nach Deutschland gekommen sind. Früher sagte Hayali auf die Frage nach ihrer Herkunft, dass sie aus Datteln im Ruhrgebiet komme. Spätestens seit 2015 hat sich die Situation geändert. Da muss sie etwas weiter ausholen. Etwas, das früher gar nicht wichtig war, hat sich in den Vordergrund gedrängt. Um das zu betonen, hat sie das schöne Wort „Migrationsvordergrund“ erfunden.

„Ich wollte ein Buch schreiben, das aus Wut Mut macht“, sagte Dunja Haylai über ihr Buch.

Und dann folgten noch viele, viele weiter Sätze. Die meisten von ihnen begannen mit dem Wort „Ich“: „Ich finde, Heimat gehört uns allen.“ „Ich habe hier immer hingehört.“ „Ich habe es selbst an mir gespürt, was Ausgrenzung mit einem machen kann“. „Ich bin ein sehr entspannter, normaler Mensch.“ „Ich habe sehr viele Fragen und ich habe nur sehr wenig Antworten.“ „Ich liebe unsere Verfassung.“ „Ich habe schon so viele Länder gesehen und ich muss sagen: Die Demokratie ist eine seltene Pflanze.“ „Ich kann nicht in die Welt gehen und sagen, dass wir miteinander reden müssen, und dann der ,Jungen Freiheit’ kein Interview geben.“ „Ich werde immer wieder gefragt, ob ich ein Parteibuch habe. Dann sage ich immer: ,Meine Farben sind die von Borussia Mönchengladbach’.“ „Ich wohne in Berlin am Görlitzer Park. Wir haben damit er Drogendealer als Bäume.“ „Ich bin so, wie ich bin, weil ich viel reisen konnte.“ „Ich verstehe nicht, wie man nicht wählen gehen kann.“ „Ich bin nicht mutig. Ich nehme nur meinen Job sehr ernst.“ „Solche Abende geben mir wahnsinnig viel Kraft.“

Gegen Ende der zweieinhalbstündigen Veranstaltung sagte sie über Moderator Joachim Otte: „Er ist ein super Moderator. Er weiß an den richtigen Stellen zu schweigen.

Was in diesem Fall hieß: fast immer.

Am Mittwoch, 17. April, ist um 20 Uhr der Autor Ilija Trojanow zu Gast im Literarischen Salon.

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