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Literarischer Salon: Sprachwissenschaftler François Conrad siegt beim Science-Slam

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15:05 13.11.2019
François Conrad gewinnt den Science-Slam. Quelle: Jan Richard Heinicke
Hannover

Wenn jemand zu jemandem den Satz „Du pfropfst!“ sagt, glückt ihm oder ihr, sofern er oder sie das Verb unfallfrei über die Lippen bringt, eine artikulatorische Meisterleistung. In den meisten anderen Sprachen ist solche eine Konstruktion aus drei Konsonanten vor und vier Konsonanten nach dem Vokal nicht möglich. Das macht die deutsche Sprache so besonders. Und auch so besonders hässlich.

Mit der Frage „Warum klingt das Deutsche akustisch so hart?“ konfrontierte François Conrad das Publikum beim ersten Science-Slam der Ideen-Expo in Zusammenarbeit mit dem Literarischen Salon im voll besetzten Audimax der Leibniz-Universität. Er sprach so klug (und so erfreulich angenehm) über die deutsche Sprache, dass ihn das Publikum zum Science-Slam-Meister des Abends kürte und ihm damit den Weg zum großen Science-Slam bei der Ideen-Expo 2021 ebnete.

Supergut zu verstehen

François Conrad, der an der Leibniz-Uni in Hannover forscht, klärte das hochinteressierte Publikum darüber auf, dass das Deutsche elf Frikative (Reibe- und Zischlaute) kennt, in anderen Sprachen sind es nur etwa vier. Er machte die Zuschauer mit dem glottalen Verschlusslaut bekannt, der wie ein Hackebeilchen Wörter voneinander trennt. Er erläuterte die „Auslautverhärtung“ („Wir sagen „Hunt“ und nicht Hund mit weichem ,D‘ und schon gar nicht ,Hundde‘ wie manche, die Deutsch als Fremdsprache lernen) und auch der Wortakzent auf der ersten Silbe trägt dazu bei, dass das Deutsche dieses Hämmernde hat. Das hat aber auch Vorteile: „Deutsch ist supergut zu verstehen“, sagte François Conrad.

Schreibmaschine in Alufolie

Der Sprachwissenschaftler präsentierte anschaulich und sehr unterhaltsam den wissenschaftlichen Background zu einer Beobachtung des irischen Comedians Dylan Moran. Der hat einmal über das Deutsche gesagt, es klinge „wie eine Schreibmaschine, die Alufolie frisst und die Kellertreppe hinuntergetreten wird.“

Solche coolen Zitate gibt es nicht zu jedem Thema, und nicht jedes Thema ist den Zuschauern so nah wie die deutsche Sprache. Die Mathematikerin Judy Alzock-Zeilinger hatte es mit ihrer Darstellung der Gruppentheorie beim Science-Slam (der von Anna Noack und Jan Egge Sedelies moderiert wurde) deutlich schwerer. Sie schlug sich wacker. Der Biologe David Spencer wäre für seinen Vortrag vor zehn oder fünf Jahren wahrscheinlich ausgebuht worden. Er sprach über die Chancen der Gentechnik und kritisierte die aktuelle Gesetzeslage. Für den Spruch „Kein Gen ist illegal“ bekam er eine Menge Applaus.

Große Lösungen

Es hat sich viel geändert – die gegenwärtigen Weltprobleme erscheinen dem studentischen Publikum möglicherweise als so groß, dass auch große Lösungen gefunden werden müssen. Von einer großen Lösung berichtete auch die Sozialwissenschaftlerin Julia Epp, die erforscht, wie es sich mit Strategien der Wasserstoffherstellung im Rahmen der Energiewende verhält.

Das Großartige an einem Science-Slam ist, dass das Publikum unterhaltsam und schnell (zehn Minuten, nicht länger, soll ein Vortrag dauern) in ein Forschungsgebiet eingeführt wird. Derartige Slams haben möglicherweise auch Auswirkungen auf die Wissenschaft. Slammer zeigen Professoren, wie Wissenschaft unterhaltsam erklärt werden kann. Ob die das Angebot annehmen, vielleicht sogar eine Konkurrenz spüren, wäre Thema einer sozialwissenschaftlichen Forschungsarbeit. Und dann natürlich auch eines Science-Slams. Oder wirkt das aufgepfropft?

Am Montag, 18. November, spricht die Historikerin Judith Blume im Literarischen Salon um 20 Uhr über ihr Buch „Wissen und Konsum“, das sich der Geschichte des Sammelbildalbums widmet.

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