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Literaturhaus Hannover: Tanja Maljartschuk liest aus „Blauwal der Erinnerung“

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16:54 07.06.2019
Tanja Maljartschuk im Literaturhaus Hannover.
Tanja Maljartschuk im Literaturhaus Hannover. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
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Hannover

Manchmal schreibt Tanja Maljartschuk auch auf deutsch. Bei kleineren Erzählungen macht sie das, etwa bei „Frösche im Meer“, der Geschichte, mit der sie im vergangenen Jahr das Wettlesen beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gewonnen hatte. Auf Deutsch zu schreiben ist für die Autorin, die 2011 im Alter von 29 Jahren von Kiew nach Wien gezogen ist, ganz anders als auf Ukrainisch zu schreiben: „Im Deutschen fühle ich mich eng“, sagt sie, „es ist ein kleiner Raum.“

Keine Kompromisse

Ihren neuen Roman hat sie in ihrer Muttersprache verfasst. Und sie hat sich auf einem weiten Feld bewegt. In „Blauwal der Erinnerung“ verschränkt sie die Geschichte einer Schriftstellerin aus der Gegenwart, die unter Panikattacken leidet, mit der Biografie von Wjatscheslaw Lypynskyj, einem Intellektuellen, der sich nach dem Ersten Weltkrieg für die ukrainische Unabhängigkeit einsetzte.

Erst nach ihrer Übersiedlung nach Wien hat Tanja Maljartschuk begonnen, sich intensiv mit der Geschichte der Ukraine zu beschäftigen. Dabei ist sie auf Lypynskyj gestoßen – und war von dem Intellektuellen, der sich damals gegen die Bolschewiken stellte, schnell fasziniert. „Ich liebe kluge Menschen“, sagt die Autorin bei ihrer Buchvorstellung im Literaturhaus, „vor allem solche, die keine Kompromisse machen.“

„Ich bin eine gute Lügnerin“

Mehrere Jahre hat sie sich mit Lypynskyj und mit der Geschichte der Ukraine beschäftigt. „Ich habe jede Kleinigkeit zu seinem Leben erforscht“, sagt sie. Einen historischen Roman wollte sie allerdings nicht schreiben, das Private, die Kleinigkeiten und die Gefühle der Personen waren ihr wichtiger als historische Genauigkeit. „Ich bin eine gute Lügnerin“, erklärt sie im Gespräch mit Katja Weise, die auch nach dem Titel des Romans fragt. Der Blauwal, erklärte Maljartschuk, sei die Geschichte: „Der Wal öffnet das Maul und nimmt alles auf, was vor ihm schwimmt – und dann ist es vorbei.“

Moderatorin Katja Weise schafft es, der Autorin sehr nahe zu kommen. Tanja Maljartschuk erzählt von ihrer Großmutter, die in vielen ihrer Erzählungen und Romanen auftaucht, und auch von den Schwierigkeiten des Schreibens. Über „Blauwal der Erinnerung“ sagt sie: „Mein Gott, wie habe ich an dem Buch gelitten.“

Tanja Maljartschuk: „Blauwal der Erinnerung“, Übersetzung: Maria Weissenböck. Kiepenheuer&Witsch; 288 Seiten; 22 Euro.

Von Ronald Meyer-Arlt