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Lüttje Lage: Besuch aus der Provinz

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18:00 25.10.2019
Ronald Meyer-Arlt Quelle: HAZ
Hannover

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Besuch aus der Provinz, etwa aus Oldenburg, führe ich gern dahin, wo Hannover besonders großstädtisch aussieht. So kam es, dass ich eines Abends mit meinem alten Studienfreund H. den Engelbosteler Damm entlangschlenderte. Dort geschah etwas, was in Oldenburg wohl nie, auf der Reeperbahn in Hamburg aber jeden Tag passiert: Ein Türsteher sprach uns an. Ob wir nicht mal reinkommen wollten? Es gebe Jazz-Musik, ein cooles Trio, gleich würden die Jungs anfangen zu spielen. Mein alter Freund und ich schauten uns an. Warum eigentlich nicht? Wir traten ein, bestellten zwei Bier und setzten uns auf das gemütliche Sofa, das gegenüber der improvisierten Bühne stand.

Dann legten die drei Jazzmusiker los: ein ziemlich grandios trötender Saxofonist, ein stoischer Hipster am Kontrabass und ein sehr cooler junger Mann am Schlagzeug. Gar nicht schlecht. Der Türsteher hatte mittlerweile an der Theke Platz genommen. Vor uns in einem gemütlichen Sessel saß ein älterer Herr, der oben Glatze und an den Seiten eine Langhaarfrisur trug. Links neben der Tür nestelte ein junger Mann an seinem Rucksack herum. Wenn man die Wirtin mitzählte, kamen auf jeden Musiker zwei Zuhörer. Außer H. und mir rauchten alle.

Wir tranken Bier und hörten zu. Eigentlich hatten H. und ich uns eine Menge zu erzählen: was die Kinder machen, wie es beruflich läuft, was aus den Leuten von damals so alles geworden ist. Keine Chance. Dabei spielte das Trio gar nicht besonders laut. Aber der Schlagzeuger und der Hipster am Bass hatten uns die ganze Zeit im Blick. Hier galt’s der Kunst.

Bier trinken, zuhören, mit dem Fuß wippen, mehr war nicht möglich. Gut, Rauchen wäre auch noch drin gewesen. Aber das wollten wir nicht. Reden hingegen wäre einer üblen Missachtung der Künstler gleich gekommen. Also schwiegen wir. Alte Freunde können das. Der Kopf des Glatzenmanns mit den langen Haaren vor uns bewegte sich wie ein Ball auf einem kleinen Teich. Irgendwann trommelte der Schlagzeuger auf dem Schirm der Stehlampe herum, die neben ihm stand. „Sounds great“, sagte er. Am Ende ging ein Hut rum.

Später zeigte ich H. noch, wie bei uns in Hannover die Elektroroller funktionieren.

An jedem ersten und dritten Montag im Monat gibt es in der „Nordstadtbraut“, Engelbosteler Damm 87 ein Jazzkonzert.

Von Ronald Meyer-Arlt

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