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Region Barbara Schöneberger begeistert ihr Publikum im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Region Barbara Schöneberger begeistert ihr Publikum im Kuppelsaal
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00:16 12.03.2019
Barbara Schöneberger im Kuppelsaal.
Barbara Schöneberger im Kuppelsaal. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Um kurz die Kleidung abzuhaken: Zuerst trägt Barbara Schöneberger auf der Bühne im Kuppelsaal ein silbrig glänzendes Kleid, dann einen Frack à la Playboy Bunny, danach eine Art Catsuit sowie ein froschgrünes Abendkleid, zur Zugabe gibt es ein schwarzes Glockenkleid. Im Schnitt zieht die Moderatorin und Sängerin sich also während des gut zweistündigen Auftritts alle halbe Stunde um, was nicht unbedingt bemerkenswert wäre, würde die Sängerin und Moderatorin nicht jedes ihrer – meist knallengen – Outfits ausgiebig kommentieren. Das Playboy-Bunny-Teil nennt sie „mein Oberkellner-Kostüm“, in dem froschgrünen Kleid setzt sie sich einmal hin und macht das Publikum darauf aufmerksam, dass es der Stoff sei, der sich so ausbeult, nicht ihr Bauch.

Bilder von ihrem Auftritt im Kuppelsaal

Es geht also viel um Körper im Programm von Schöneberger, hauptsächlich natürlich weibliche Körper, hauptsächlich um ihr Altern. Gleich im zweiten Lied, ein zu „Babsis Live Tour Rhapsodie“ umgedichtetes „Bohemian Rhapsody“ heißt es: „Mein Maskenbildner hat fünf Koffer mit“. Aber keine Sorge, gerade am Weltfrauentag würde der Abend auch feministisch werden, meint Schöneberger. „Ich singe Lieder von Frauen, die ich toll finde“, so fasst sie ihr Programm an einer Stelle zusammen. Das sind zunächst einmal Lieder von Schöneberger selbst, viele davon – wie „Hajo und Luise“ oder „Der blonde Engel“ - aus ihrem im letzten Jahr erschienenen Album „Eine Frau gibt Auskunft“, die ihr größtenteils die Komponisten Peter Plate und Ulf Leo Sommer, bekannt als Rosenstolz, auf den Leib geschrieben haben.

Schöneberger trägt die Lieder unter groß projizierten Bildern vor, für die sie selbst als Protagonistin ihrer Lieder posiert. Dazu kommen noch ein Beyoncé-Medley, ein wenig Dolly Parton, Madonna und Mary Roos. Zusammen mit Gaststar Mousse T. Leistet sie sich auch zwei Songs, einer von davon Tom Jones „Sex Bomb“.

Verschiedene Problemzonen

Ein großer Teil des Abends besteht allerdings aus Schönebergers Stand-Up Comedy. Manche der Witze - „Wenn eine Ehe in die Brüche geht, sind immer zwei Schuld: Die Ehefrau und die Schwiegermutter“ - sind weder lustig noch neu. Einige, vor allem eine Stelle, an der sie Kommentare ihrer Instagram-Follower zur ihren verschiedensten von ihr selbst ernannten Problemzonen vorliest - „Deine Füße sind so schön sehnig“ - zünden dann doch ganz schön.

Musikalisch bewegt sich Schöneberger mit ihrer siebenköpfigen Band dabei zwischen fabrikneuem Soulpop und Radiochanson, mit der Zeit findet sie auch zu ihrer Singstimme. Inhaltlich bewegt sich Schöneberger zwischen Selbstbewusstsein und Peinlichkeit, während sie auf der Bühne das Produkt „Barbara Schöneberger“ - inklusive CD, Zeitschrift, Kofferlinie, Tapetenlinie und etwas namens „Barbara Box“ - fleißig versucht zu bewerben. Dafür stürzt sie sich auch ins Publikum und badet geduldig im Licht der Handyblitze der Zuschauer, die auf der Suche nach einem instagrammable moment Selfie um Selfie mit ihr machen.

Heiße Eisen

Schönebergers Themen – Altern von Frauen, Schönheits- und Körperideale, Selbstbewusstsein, Entfremdung, Beziehungskrisen, Familienmodelle – sind dabei durchaus in der Lebensrealität ihres Publikums verankert und weder einfache noch leichte Themen. Schöneberger serviert diese heißen Eisen allerdings mittelmäßiger Fließbandmusik und vorhersehbaren Pointen lauwarm heruntergekühlt

Dem Publikum im Kuppelsaal, das nach der ersten Zugabe stehend noch ein zweite fordert, die allerdings nicht kommt, macht das nichts aus. Besser lauwarm als gar nicht.

Von Jan Fischer