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Mühlheimer Theaterpreis: Thomas Köck ist wieder der beste Dramatiker

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14:27 02.06.2019
Bester deutschsprachiger Dramatiker – und bald auf dem Spielplan des Schauspiels Hannover: Thomas Köck. Quelle: Roland Weihrauch/dpa
Mühlheim

Mit nur einer Gegenstimme hat der österreichische Autor Thomas Köck seinen Titel als wichtigster Dramatiker im deutschsprachigen Raum verteidigt. Bei den 44. Mülheimer Theatertagen zeichnete eine fünfköpfige Jury den Autor am Wochenende zum zweiten Mal in Folge aus. Er erhält den mit 15.000 Euro dotierten Preis für sein Stück „atlas“ in der Inszenierung vom Schauspiel Leipzig.

Eine „Antigone“ für Hannover

Im vergangenen Jahr hatte Köck für sein Stück „paradies spielen (abendland. ein abgesang)“ den Preis gewonnen. Köck, der gerade für das Schauspiel Hannover die „Antigone“ von Sophokles bearbeitet – Premiere ist am 26. Oktober 2019 –, setzte sich unter anderem gegen Elfriede Jelinek mit „Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)“ und Enis Maci mit „Mitwisser“ durch.

Köck verschränkt in „atlas“ zwei nationale Wiedervereinigungen über mehrere Jahrzehnte und mehrere Kontinente. Eine Mutter verliert in dem Stück auf der Flucht aus Saigon 1974 ihre Tochter aus den Augen, beide überleben nur knapp den Exodus der Boat People. Die Tochter kommt in die DDR, wo sie als billige Arbeitskraft in einer Textilfabrik schuftet. Sie verliebt sich in den Dolmetscher, wird schwanger und muss in den Wirren der Wende untertauchen, um nicht abgeschoben zu werden. Ihre Tochter wird sich 30 Jahre später mit einem vergilbten Foto in der Hand auf den Weg nach Vietnam machen, um die Großmutter zu finden.

Im Vorfeld war Kristo Šagor für sein Stück „Ich lieb dich“ in der Inszenierung der Schauburg München mit dem Mülheimer Kinderstückepreis ausgezeichnet worden. Insgesamt hatte das Auswahlgremium mehr als 120 Theatertexte geprüft. Veranstalter des Festivals sind die Stadt Mülheim und das Kulturministerium Nordrhein-Westfalen. Der Dramatikerpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen für Theaterautoren. Er wird seit 1976 jährlich verliehen.

Von Claudia Bonati

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