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NDR Klassik Open Air: Darum geht es bei den beiden Opern im Maschpark

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17:16 11.07.2019
Trügerisches Idyll: Alfio (links) beißt Turiddu in einer Illustration zu „Cavalleria rusticana“ von 1891 ins Ohr, um ihn zum Duell zu fordern. Dort wird er ihn töten. Quelle: Archiv
Hannover

Die beiden Opern „Der Bajazzo“ (1892) und „Cavalleria rusticana“ (1890) sind die bekanntesten Werke des Verismo, einer Stilrichtung, die nicht länger Helden und Götter auf die Opernbühne bringen wollte, sondern einfache Menschen. Darum spielen beide Stücke, die inhaltlich nichts miteinander zu tun haben, aber traditionell an einem Abend gespielt werden, in einer bäuerlichen Umgebung. Hier wie dort geht es anders als in den meisten Opern nicht um erhabene Gefühle, sondern um Sex und Verbrechen.

„Der Bajazzo“

In „Der Bajazzo“ kommt eine Schauspielertruppe mit einem Ochsenkarren (im Maschpark: ein alter VW-Bus) in ein Dorf, um dort eine Vorstellung zu geben. Chef der Truppe ist Canio (Marco Berti, Tenor), der in den Vorstellungen stets den betrogenen Ehemann spielt. Im echten Leben, erklärt er den Bauern bei seiner Ankunft, sei das ganz anders: Seiner jungen Frau Nedda (Aleksandra Kurzak, Sopran) lasse er nichts durchgehen.

Der traurige Spaßmacher: Die Titelseite der ersten Partitur von „Der Bajazzo“. Quelle: Archiv

Nedda muss sich derweil den Avancen ihres Kollegen Tonio (Claudio Sgura, Bariton) erwehren, um sich gleich darauf mit ihrem Geliebten Silvio (Andrzej Filonczyk, Tenor) zu treffen. Tonio beobachtet das vermeintlich heimliche Stelldichein – und meldet es Neddas Ehemann, der sofort herbeistürzt und die Liebenden trennen will. Silvio kann im letzten Moment unerkannt fliehen.

Theater auf dem Theater

Während Canio seine Frau zur Rede stellt, um den Namen ihres Geliebten zu erfahren, strömt bereits das Publikum herbei. Der Streit wird unterbrochen, Canio singt noch schnell seine berühmte Arie „Ridi, pagliaccio“, die zu einer Art Erkennungsmelodie für Enrico Caruso wurde, und das Theater auf dem Theater beginnt.

In der Aufführung auf der Bühne wiederholt sich die Situation aus dem echten Leben: In seiner Rolle als Bajazzo wird Canio von seiner Frau Columbine betrogen, die von Nedda gespielt wird. Während er sie zunächst wie üblich spielerisch zur Rede stellt, fällt Canio zunehmend aus der Rolle: Er verlangt, den Namen ihres Geliebten zu hören. Als Nedda schweigt, bedroht er sie mit dem Messer. Sie ruft Silvio um Hilfe, der im Publikum sitzt. Canio tötet beide. Die zynischen letzten Worte spricht Tonio: „Die Komödie ist zu Ende.“

„Cavalleria rusticana“

Auch die zweite Oper des Abends ist ein Eifersuchtsdrama, aber etwas weniger verwickelt. Der Bauer Turiddu (noch einmal Marco Berti, der Canio aus dem ersten Teil) war fast mit Lola (Veta Pilipenko, Mezzosopran) verlobt, doch die hat dann doch den Fuhrmann Alfio (Claudio Sgura in seiner zweiten Rolle) geheiratet. Turiddu tröstet sich mit Santuzza (Liudmyla Monastyrska, Sopran), die ihn seit je geliebt hat. Das weckt die Eifersucht von Lola. Lola und Turiddu beginnen eine Affäre.

Santuzza erfährt davon, verflucht Turiddu und verrät Alfio, dass seine Frau fremd geht. Damit die Spannung etwas gesteigert wird, schiebt der Komponist hier eines seiner schönsten Stücke ein: das „Intermezzo sinfonico“. Danach fordert Alfio Turiddu zum Duell, indem er ihm ins Ohr beißt. Turiddu verabschiedet sich von seiner ahnungslosen Mutter (Tichina Vaughn, Alt) und bittet sie, Santuzza als Tochter anzunehmen. Er stellt sich dem Duell und wird von Alfio erstochen.

Das NDR Klassik Open Air

Das NDR Klassik Open Air findet am Donnerstag, 11., und am Sonnabend, 13. Juli, im Maschpark in Hannover statt. Gespielt werden die Opern „Der Bajazzo“ von Ruggero Leoncavallo und „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Für Donnerstag sind für die Plätze vor der Bühne noch Tickets verfügbar. Die Vorstellung am Sonnabend ist ausverkauft. Im Maschpark hinter der Bühne kann man die Vorstellungen umsonst verfolgen. Die Aufführung am Sonnabend wird zeitversetzt im NDR Fernsehen übertragen. Beginn ist um 21.45 Uhr. In der NDR-Mediathek ist die Sendung danach ein Jahr lang abrufbar. Die Vorstellung am Donnerstag ist live im Radio zu hören: ab 20.30 Uhr auf NDR Kultur.

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