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00:15 17.04.2019
Andreas Staier am Cemballo. Quelle: HAZ NP
Hannover

Mit allen Sinnen genießen: Wer bereit war, der trüben Kälte zu trotzen, konnte vor Beginn des dritten Barockkonzertes der NDR Radiophilharmonie durch die frühlingshaft blühenden Herrenhäuser Gärten flanieren. Die luftige Weite des im 17. Jahrhundert angelegten Großen Gartens, die bis ins Detail reichende Formschönheit der Anlage und der intensive Duft der Frühjahrsbepflanzung boten die ideale Einstimmung auf den Konzertabend im Galeriegebäude. Denn mit Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach und dessen Sohn Carl Philipp Emanuel Bach standen drei Komponisten auf dem Programm, die den musikalischen Spätbarock maßgeblich geprägt haben.

Dass die drei Künstler die Formverliebtheit ihrer Zeit nicht als einengendes Korsett, sondern vielmehr als Einladung zum Experimentieren und Ausloten von Grenzen verstanden haben, wurde in jedem der vier aufgeführten Werke hörbar. Die „Suiten“ von Telemann und J. S. Bach etwa bestehen nicht aus den damals üblichen Sätzen Allemande, Courrente, Sarabande und Gigue, sondern weisen eigene Satzbezeichnungen auf. Und C. P. E. Bachs Cembalokonzerte stecken so voller melodischer Brüche und Tonartenwechsel, dass vor allem im Solopart für Cembalo stellenweise fast der Eindruck entsteht, hier werde improvisiert.

Die NDR Radiophilharmonie musizierte unter der Leitung des renommierten Cembalisten Andreas Staier durchweg mit jener prickelnden Lebensfreude, die wir heute typischerweise mit dem Barock verbinden. Deutliche Phrasierungen, virtuos ausmusizierte Fugen, genussvolle Triller und die allem zugrundeliegende tänzerische Leichtigkeit sorgten für ein kurzweiliges Konzerterlebnis. Neben Andreas Staier beeindruckten die Oboistin Kerstin Ingwersen und der Trompeter Stefan Schultz mit ihren brillanten Solopartien in der Telemann-Suite. Auch die Stimmführer der Streicher, allen voran Konzertmeisterin Kathrin Rabus, traten mehrfach und auf hohem Niveau solistisch in Erscheinung. Einziger Wermutstropfen des Abends war der trotz der großen Sensibilität des Orchesters nicht ganz aufzulösende klangliche Widerspruch zwischen modernen Instrumenten und Cembalo bei den Cembalo-Konzerten: Im Wechselspiel mit dem filigranen Klang des Tasteninstruments hätten historische Instrumente für ein deutlich ausgewogeneres Hörerlebnis gesorgt.

Das nächste Barockkonzert in der Galerie Herrenhausen findet am 21. Juni um 18 Uhr statt: Georg Friedrich Händels Oratorium „Samson“ mit der NDR Radiophilharmonie und dem Norddeutschen Figuralchor.

Von Juliane Moghimi

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