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00:18 08.04.2019
Ein Brite für Beethoven: Andrew Manze hofft, mit den Konzerten im Kuppelsaal ein neues Publikum anzusprechen. Quelle: Nikolaj Lund
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Hannover

Die NDR-Radiophilharmonie hat große Pläne für die kommende Saison. Weil nach dem Sommer im Funkhaus umgebaut wird, zieht das Orchester in der zweiten Hälfte dieses Jahres in den Kuppelsaal mit seinen 3300 Plätzen. Zur Saisoneröffnung am 7. September gibt es dort anders als in den vergangenen Jahren kein Proms-Konzert mit Klassikhits in Häppchen. Stattdessen steht Gustav Mahlers dritte Sinfonie auf dem Programm – einer der größten Brocken des sinfonischen Repertoires. Prominente Solistin ist dabei die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, mit von der Partie sind auch die Damen des NDR-Chores und der Knabenchor Hannover.

Alle Sinfonien im Kuppelsaal

Die übrigen acht Konzerte im Kuppelsaal sind dann einem einzigen Komponisten gewidmet: Ludwig van Beethoven. Kurz vor den Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Klassikers dirigiert Radiophilharmoniechef Andrew Manze innerhalb weniger Wochen alle neun Sinfonien und alle fünf Klavierkonzerte. Beim Beethoven-Festival vom 20. Oktober bis zum 10. November sind fünf verschiedene Pianisten dabei: Lars Vogt, Pierre-Laurent Aimard, Martin Stadtfeld, Nobuyuki Tsujii und Martin Helmchen.

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Manze hofft, durch die zusätzlichen Plätze im Kuppelsaal und den Eventcharakter des Festivals ein neues Publikum für Beethoven begeistern zu können. Einige Konzerte fügen sich in die jeweils bestehenden Abonnementreihen (A, C und Klassik Extra) ein, dazu gibt es verschiedene Kombitickets für jeweils fehlende Aufführungen oder den ganzen, auf insgesamt acht Abende verteilten Zyklus.

Wiedereröffnung mit Martha Argerich

Die Rückkehr in das neugestaltete Funkhaus wird am 10. Januar mit Martha Argerich gefeiert: Die legendäre argentinische Pianistin spielt gemeinsam mit ihrer Meisterschülerin Shin-Heae Kang ein Konzert für zwei Klaviere von Poulenc. Außerdem stehen Musik aus dem „Rosenkavalier“ und Ravels „La Valse“ auf dem Programm, um dem Konzert den Charakter eines Neujahrskonzertes zu verleihen.

Weitere bekannte Solisten der Saison sind die Geiger Thomas Zehetmair und Isabelle van Keulen, die King’s Singers, die das Weihnachtskonzert (noch im Kuppelsaal) gestalten und der Jazz-Pianist Brad Mehldau, der in der Freistil-Reihe zu Gast ist. Neben Manze leiten erfahrene Dirigenten wie Leonard Slatkin und Simone Young erstmals das Orchester, Debüts am Pult geben auch der Venezolaner Rafael Payare und sein dänischer Kollege Thomas Søndergård.

Alle bestehende Reihen des Orchesters bleiben erhalten, im Barockring ist unter anderem Händels Oper „Julius Cäsar“ zu hören, im Freistil spielt das Orchester passend zum EM-Beginn „Live to Projection“ zum Film „Das Wunder von Bern“. Das ohnehin umfangreiche pädagogische Programm der Radiophilharmonie wird noch erweitert. Im November reist das Orchester für prestigeträchtige Konzerte nach China, im März steht eine Polen-Tournee auf dem Programm. Gastspiele durch das Sendegebiet führen die Radiophilharmonie zu den dortigen großen Festivals – und damit auch zu den Kunstfestspielen Herrenhausen: Am 24. Mai 2020 dirigiert Ingo Metzmacher eine Aufführung von Gustav Mahlers achter Sinfonie mit neun hannoverschen Chören.

Der Vorverkauf für die meisten Konzerte beginnt am Mittwoch, 10. April.

Neue Bühne fürs Funkhaus

Das alte Orchesterpodium im Funkhaus musste defekt schon vor drei Jahren ausgebaut und durch ein Provisorium aus Konstruktionsholz ersetzt werden. Nach Ende dieser Saison wird nun für 2,5 Millionen Euro eine neue, moderne Bühne eingebaut. Dirigent Andrew Manze erhofft sich von der Lösung auch akustische Verbesserungen – vor allem für die Orchestermusiker, die sich künftig besser untereinander hören sollen. Herzstück der neuen Bühne sind höhenverstellbare Podien, auf denen die Musiker eher einander zugewandt im Halbkreis statt wie bisher nebeneinander in Reihen sitzen können. Die Pläne klingen appetitlich: Manze spricht von einer bananenförmigen Sitzordnung, die sich wie eine Orange in einzelne Segmente teilen lässt.

Von Stefan Arndt