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Region Zwei Intendantinnen, größeres Ensemble: Das ist neu im Schauspiel und an der Oper Hannover
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01:15 29.04.2019
Laura Berman, Intendantin der Staatsoper, und Sonja Anders, Intendantin des Schauspiels. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Neustart am Niedersächsischen Staatstheater in Hannover: Mit Beginn der neuen Spielzeit fangen zwei Intendantinnen in Hannover neu an. Laura Berman an der Oper, Sonja Anders am Schauspiel. Beide bringen neue Ensembles und viele neue Ideen mit. Jetzt haben sie – in einer gemeinsamen Veranstaltung – ihre Pläne für ihren Start in Hannover vorgestellt. Dass Oper und Schauspiel gemeinsam ihr Programm vorstellen, ist neu. Die beiden Institutionen rücken zusammen, was sich auch darin zeigt, dass es eine Koproduktion beider Häuser geben wird. Ein gemeinsames Logo wurde auch geschaffen – es ist das bekannte X des Staatstheaters – allerdings „energetisch aufgeladen“ – dass es jetzt aussieht, als hätte jemand die Runen der Waffen-SS zweitverwertet, ist sicher keine Absicht.

Ein Theaterfest zum Beginn

Die Spielzeit beginnt am 31. August mit einem großen gemeinsamen Theaterfest von Oper und Schauspiel. Die ersten Premieren gibt es am Wochenende vom 13 bis 15. September.

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Die Oper startet mit „La Juive“ einer Oper von Fromental Halévy, inszeniert von Lydia Steier unter der musikalischen Leitung von Constantin Trinks. Die Oper wurde 1835 in Paris zum ersten Mal aufgeführt, im 19. Jahrhundert war das ein extrem populäres Werk. Mehr als 100 Mitwirkende werden auf der Bühne stehen. Im Schauspiel wird als erste Premiere eine Bearbeitung des Romans „Zeit aus den Fugen“ von Philip K. Dick zu sehen sein. Laura Linnenbaum inszeniert die Uraufführung. Der neue Chefchoreograf Marco Goecke präsentiert am 21. September seine erste Premiere.

Das plant die Oper

In der neuen Spielzeit wird es 13 Premieren von der Grand Operá bis zum Musiktheater für Babys geben, neun Produktionen bleiben als Wiederaufnahmen im Spielplan erhalten. Im Ballett gibt es vier Produktionen.

Nach der Eröffnung mit „La Juive“ folgt am 20. Oktober der erste Blockbuster: Der junge Russe Vasily Barkhatov inszeniert Puccinis „Tosca“, am Pult steht Kevin John Edusei. Mit „Märchen im Grand Hotel“ schließt man sich der Wiederentdeckung des Komponisten Paul Abraham an, der von den Nazis aus Berlin und Wien vertrieben wurde. Regie führt Stefan Huber, der Abraham zuletzt schon an der Komischen Oper Berlin und in Nürnberg auf die Bühne gebracht hat. Rossinis „Barbier von Sevilla ist am 18. Januar unter Leitung von Eduardo Strausser zu erleben, Regie führt Nicola Hümpel, die bisher vor allem als Kopf des Musiktheaterkollektivs von Nico and the Navigators bekannt ist.

Aus Basel, wo Laura Berman derzeit noch Operndirektorin ist, kommt eine Produktion von Händels „Alcina“ in der Sicht der Regisseurin Lydia Steier, Dirigent ist der Alte-Musik-Experte Rubén Dubrovsky. Steier war in Basel eine Art Hausregisseurin – in Hannover übernimmt die junge Tschechin Barbora Horácková diese Funktion: Sie bringt „The Greek Passion“ von Bohuslav Martinu ab 21. März auf die Bühne. Mit John Adams Oper „Nixon in China“ ist ein moderner Klassiker aus der US-amerikanischen Heimat der neuen Intendantin zu sehen: Daniel Kramer, Chef der English National Opera, führt Regie, Daniel Carter dirigiert. In Zusammenarbeit mit dem Schauspiel wird „Der Mordfall Halit Yozgat“, ein Stück über die NSU-Verbrechen, am 17. April uraufgeführt. Komponist ist Ben Frost, der unter anderem die Filmmusik zur Serie „Dark“ geschrieben hat.

Der neue Ballettdirektor Marco Goecke stellt sich am 21. September in einem dreigeteilten Abend gemeinsam mit seinen Choreografenkollegen Medhi Walerski und Andonis Fonidakis vor, ab 13. Dezember ist sein Klassiker „Nijinski“ in einer neuen Version zu erleben. Als Uraufführung präsentiert Goecke am 25. April seine Version von Marguerite Duras’ Roman „Der Liebhaber“, in der Produktion „3 Generationen“ stellt er seine Arbeit neben die von Hans van Manen und Emrecan Tanis.

Im Repertoire bleiben außer dem weihnachtlichen Dauerbrenner „Hänsel und Gretel“ noch „Salome“, „Die Zauberflöte“, „La Bohéme“, „Rigoletto“, „Die Fledermaus“, „Aida“ und „Don Giovanni“. In der Jungen Oper kann man dem Stück „Kannst du pfeifen, Johanna“ wiederbegegnen, neu sind dort Werke von Moritz Eggert, Zad Moultaka, Mauricio Kagel und eine Oper für Babys.

Schauspielintendantin Sonja Anders sagt, dass zwei Kernthemen für die Gestaltung ihres neuen Spielplan besonders wichtig gewesen seien: Zum einen die Untersuchung des „politischen Gestaltungsraums des Einzelnen“, zum anderen die „Landschaftsvermessung der menschlichen Seele“. Opernintendantin Berman sagte, dass ihr „die Koordinaten des Anderen“ und die „Fragen nach der eigenen Identität“ besonders wichtig seien.

Freier Eintritt für Studierende

Öffnung und Pluralität sind für beide Intendantinnen wichtige Themen. Die Ensembles sind internationaler und diverser geworden. Man will neue Besuchergruppen erschließen. Begegnungsorte sollen geschaffen werden. Dafür ist auch ein Umbau des Schauspielfoyers geplant, die Schauspielkantine soll sich zu Hof hin öffnen.

Das plant das Schauspiel

Insgesamt 27 Neuproduktionen plant das Leitungsteam des Schauspiels, darunter sind zwölf Ur- und Erstaufführungen. Zu den Premieren kommen vier Übernahmen von anderen Theatern sowie neue Formate, Gastspiele, Reihen und ein breit angelegtes Vermittlungsprogramm.

Nach der Eröffnung mit „Zeit aus den Fugen“ nach dem Roman von Philip K. Dick folgt ein Klassiker von Anton Tschechow im Schauspielhaus. Allerdings mit anderer Besetzung und leicht verändertem Titel. „Platonowa“, die weibliche Form von „Platonow“, hat am 15. September Premiere. Regie führt Stephan Kimmig. Die Theaterfassung von Goethes „Werther“ ist am 23. September (in der Inszenierung von Lilja Rupprecht) im Schauspielhaus zu sehen; fünf weitere Romanadaptionen folgen in den kommenden Monaten. Am 25. Oktober hat „Orlando“ nach dem Roman von Virginia Woolf im Schauspielhaus Premiere, im Ballhof ist am 8. November „Nackt über Berlin“ nach dem Roman von Axel Ranisch zu sehen und als Familienstück zur Weihnachtszeit gibt es die Bearbeitung von Astrid LindgrensRonja Räubertochter“. Die Uraufführung von Nadja Spiegelmans Roman „Was nie geschehen ist“ gibt es am 11. Dezember, Heinrich Bölls Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ hat in der Inszenierung von Stefan Pucher am 28. Februar Premiere.

Eine Deutsche Erstaufführung steht am 9. Oktober im Schauspielhaus auf dem Spielplan: „The Writer“ von Ella Hickson, ein Stück darüber, wie weibliche Kreativität durch Männer ausgenutzt wird. Für Besucher, die älter als 18 Jahre sind, ist „Dark Room“ von Johannes von Dassel geeignet. Die Uraufführung ist am 27. Oktober im Ballhof zwei.

Einige Klassiker der Dramenliteratur finden sich auch im Programm der ersten Spielzeit des neuen Teams: etwa „Judith“ von Friedrich Hebbel (Premiere am 20. März) oder Heinrich von Kleists „Der zerbrochne Krug“ , das in Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen ensteht und dort im Mai kommenden Jahres Premiere haben wird. Zum Ende der Saison soll es auch wieder Freilichttheater im Hof des Schauspielhauses geben. Geplant ist „Was ihr wollt“ von William Shakespeare.

Und Studierende, die bisher nur die Vorstellungen des Schauspielhauses kostenlos besuchen durften, kommen von der neuen Spielzeit an auch gratis in die Oper. Der Kartenverkauf für die neue Saison startet am 14. Juni.

Hier gibt es Karten für Oper, Ballett und Schauspiel

Der Kartenverkauf für die neue Saison beginnt am 14. Juni. Die Spielzeithefte mit Informationen zu allen Premieren liegen in den Foyers von Oper und Schauspiel aus. Es gibt sie auch im Internet – auf den neuen, gemeinsamen Seiten von Oper und Schauspiel. Bis zum Sommer heißen sie neu.staatstheater-hannover.de. In der Sommerpause wird dann das „neu“ am Anfang wegfallen.

Die Eintrittspreise – und auch die Abopreise – sind stabil geblieben. Auf den Seiten der Staatstheater gibt es auch Informationen zum Abonnement. Studenten dürfen von der kommenden Spielzeit an auch gratis in die Oper, bisher war das nur im Schauspiel möglich. Am 31. August stellen sich die Ensembles von Oper und Schauspiel bei einem großen Theaterfest dem Publikum vor.

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