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Region Festivaleröffnung mit der Grupo Corpo
Nachrichten Kultur Region Festivaleröffnung mit der Grupo Corpo
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11:58 17.04.2019
„Danca Sinfonica“ von der brasilianischen Grupo Corpo bei den Ostertanztagen. Quelle: Jose Luiz Pederneiras
Hannover

Seit mehr als 40 Jahren bereist die brasilianische Kompanie Grupo Corpo die Bühnen der Welt – nun eröffnete sie bei ihrem ersten Gastspiel in Hannover die Oster-Tanz-Tage der Staatsoper. „Wir versuchen seit über sechs Jahren, sie in die Stadt zu holen“, sagt Betriebsdirektor und Kurator Steven Markusfeld, der das Festival gemeinsam mit Ballettdirektor Jörg Mannes nun zum letzten Mal präsentiert. Die Grupo Corpo wird dem internationalen Anspruch des Festivals gerecht: Als eines der bedeutendsten Tanzensembles Brasiliens blickt sie auf 35 Choreografien zurück.

Blick zurück

Der Name ist Programm. Von sechs Geschwistern gegründet, hat sie ihren Anspruch kultiviert, die Bühne als kollektiver Gesamtköper zu füllen. Bis heute prägen die Brüder Paulo und Rodrigo Pedereiras den Stil, als künstlerischer Leiter und als Choreograf. Das erste von zwei Stücken, die sie mit ihrem Ensemble in Hannover zeigen, wirft einen Blick zurück. „Danca Sinfonica” entstand 2015 zum 40-jährigen Jubiläum als Retrospektive und zitiert zur von Marco Antônio Guimarães dafür komponierten Musik vergangene Ideen, Stoffe und Choreografien. Dabei wird ablesbar, wie Rodrigo Pedereiras zunehmend klassische Bewegungstechniken mit brasilianischen Tänzen verschmolzen hat.

Ballhafte Eleganz

Volkstümlich oder gar exotisch wird es dabei jedoch nie. Während Guimarães aus Neuer Musik, Romantik, Barock, Pop und Weltmusik große Melodien schöpft, spielt die Kompanie in beeindruckendem Tempo mit Körperkonstellationen zwischen Gruppe und Individuum, Konfrontation und Einswerden. Kleine Geschichten fließen federnd ineinander, mit untrüglichem Sinn für Raum und Proportionen komponiert. Während bei „Dance Sinfonica“ die den Geschlechtern zugeordneten Farben Rot und Schwarz ballhafte Eleganz vermitteln, stellen weiße Röcke und nackte Oberkörper für alle bei „Gira“ so etwas wie Gleichheit her.

Rausch und Präzision

Rollenmodelle sind hier eher durch Versatzstücke religiöser Rituale geprägt, deren Archaik und Anspannung Kostümbildnerin Freusa Zechmeister mit rot bemalten Hälsen betont. Für diese Choreografie hat sich Grupo Corpo mit Umbanda-Riten auseinandergesetzt, die in Brasilien afro-indigene Glaubenssysteme mit Katholizismus und Spiritismus verbinden. Die Tänzer bilden deren Bewegungsabläufe nicht ab – vielmehr lassen sie sich von Kraft und Unmittelbarkeit inspirieren, verschmelzen sie mit klassischem Ballett und dem Repertoire des brasilianischen Kampftanzes Capoeira. Traditionen prallen auf Avantgarde, Taumeln prallt auf Tanzen, Rausch auf Willen und Präzision.

Die Band Metá Metá hat dazu einen so betörenden wie verstörenden Soundtrack komponiert, zwischen Folklore, Jazz, Elektro und Industrial. „Gira“ bedeutet „Drehung“. Dieses Stück dreht nicht nur Körper mit schwindelerregender Virtuosität, sondern wendet auch Bezugspunkte so lange und furios, dass sich die aufgebaute Spannung schließlich in minutenlangem Jubel der Festivalgäste löst.

Beim anschließenden Bühnengespräch mit Festivalmachern und Ensemblemitgliedern gibt es genau eine Frage aus dem Publikum. Die ist jedoch drängend: „Wann kommt die Kompanie wieder nach Hannover?“

Am Donnerstag, 18. April, setzen Shaun Parker & Company um 19.30 Uhr das Programm der Oster-Tanz-Tage im Opernhaus fort. Für diese wie für alle weiteren Veranstaltungen bis zum Ostermontag sind nur noch Restkarten an der Abendkasse erhältlich.

Von Thomas Kaestle

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