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00:16 30.03.2019
Preisverleihung an Joachim Zelter. Quelle: Ronald Meyer-Arlt
Hannover

Zwei Personengruppen finden Preisverleihungen interessant: diejenigen, die den Preis bekommen –weil sie gelobt werden und weil ihnen der mit dem Preis verbundene Geldbetrag bei der Fortsetzung ihrer künstlerischen Arbeit hilft. Und diejenigen, die den Preis ausgelobt haben –weil sie sich lobend in Szene setzen können und weil sie mit dem Preis Werbung in eigener Sache machen können.

„LiteratourNord“

Auf der „LiteratourNord“ gehen jedes Jahr sechs Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur auf Lesereise durch Literaturhäuser und Buchhandlungen in Hannover, Oldenburg, Bremen, Lübeck, Rostock und Lüneburg. Am Ende entscheidet eine Jury, wer von ihnen mit dem Preis der „LiteratourNord“ ausgezeichnet wird, der mit 15.000 Euro dotiert ist. Die nächste Ausgabe der „LiteratourNord“ findet vom 20. Oktober bis zum 23. Januar statt. Im Sommer sollen die Teilnehmer bekannt gegeben werden.

Die meisten anderen freuen sich auf Wein und Häppchen, wenn die Lobreden gehalten sind. So ist das meistens. Bei der Verleihung des mit 15 000 Euro dotierten Preises der „LiteratourNord“ an den Schriftsteller Joachim Zelter war das ein bisschen anders. Da wünschte man sich, dass die Preisverleihungszeremonie in den Räumen der VGH-Stiftung ruhig noch ein bisschen länger dauern möge. Denn zu ihr gehörte (neben den üblichen Grußworten und einer ziemlich wortklingelnden und pointenverliebten Laudatio des Journalisten Alexander Kluy) auch ein musikalisches Begleitprogramm und eine Lesung des gerade ausgezeichneten Autors. Bei der Ehrung von Joachim Zelter war beides hervorragend.

Singende Fahrradspeichen

Der Multi-Percussionist David Gutfleisch präsentierte ein paar Werke aus dem Bereich der Neuen Musik. Unter anderem spielte er auf einem verkehrt herum aufgestellten Damenrad Ausschnitte aus „Wheeled“ von Matthias Kaul. Er ließ die Speichen singen, die Felgen tremolieren und die Reifen krächzen. Das passte hervorragend zu Joachim Zelters Roman „Im Feld“, der mit dem Preis der „LiteratourNord“ der VGH-Stiftung ausgezeichnet wurde – einer atemlosen Geschichte über eine Gruppe von Radrennfahrern, die zu einem Trainingsausflug aufbrechen, der dann zu einer Tour wird, bei der fast alle an ihre Grenzen gehen. Und dann spielte David Gutfleisch noch das artistische „Tao Oratory“ von Casey Cangelosi, ein Trommelsolo zu Effekten aus dem Lautsprecher. Virtuos und witzig: So könnte es die Neue Musik ins Kabarett schaffen.

Die Geschichte einer Vereinnahmung

Der Höhepunkt der Preisverleihung aber war die Lesung eines noch unveröffentlichten Textes des Preisträgers. Joachim Zelter präsentierte den Anfang seines neuen Romans „Imperia“. Im Zentrum steht der Schauspieler Gregor Schamoni. Er bietet seine Dienste (als Rezitator, Coach, Begleiter) an und gerät an die exaltierte Frau Professor Iphigenie de La Tour. Sie hat die Welt unter sich, er versucht, Text zu memorieren. Sie braucht ihn für irgendetwas mit ihren Memoiren, er braucht sie, weil er Geld braucht. Zelter las nur den Anfang der Geschichte, aber der war stark. Das Buch verspricht viel. Es ist eine Geschichte einer Vereinnahmung, einer Überwölbung, möglicherweise auch die eines Untergangs.

Und sie ist unglaublich witzig. Den Preis der „LiteratourNord“ wird er dafür nicht mehr bekommen, den hat er ja schon, aber jede Menge anderer Preise seien ihm von Herzen gewünscht – wenn der Roman am Ende das hält, was sein fulminanter Anfang verspricht.

Zelter hat den Roman bereits fertig geschrieben, aber zusammen mit dem Verlag hat er sich entscheiden, das Werk noch etwas ruhen zu lassen. „Im Feld“, der aktuelle Roman, für den er den Preis der „LiteratourNord“ bekommen hat, verkauft sich gerade recht gut – warum sollte man sich da selber Konkurrenz machen?

2020 soll „Imperia“ erscheinen. Eine Lesung im Literaturhaus Hannover wäre eigentlich Pflicht.  

Von Ronald Meyer-Arlt

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