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Premiere: „Die Krönung der Poppea“ an der Staatsoper Hannover

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00:15 11.06.2019
Es ist angerichtet: Szene mit Stella Motina (Poppea, links) und Julie-Marie Sundal (Ottone) aus Claudio Monteverdis Oper "Die Krönung der Poppea" in der Inszenierung von Ingo Kerkhof an der Staatsoper Hannover. Quelle: Thomas M. Jauk
Hannover

Das gute Ende liegt in der Musik. Zwar sind, wenn Nero am Schluss von Claudio Monteverdis letzter Oper „Die Krönung der Poppea“ seine Geliebte heiratet, alle Schwierigkeiten einschließlich der bisherigen Ehefrau ziemlich skrupellos aus dem Weg geräumt. Doch in „Pur ti miro“, einem der ersten und bis heute schönsten Duette der Operngeschichte, klingt dieser Sieg der Unmoral so zart und froh und unschuldig, dass es eigentlich unmöglich ist, ihn nicht für einen glücklichen Ausgang zu halten.

Ingo Kerkhof inszeniert „Die Krönung der Poppea“ an der Staatsoper Hannover

An der Staatsoper Hannover allerdings, wo die fast 400 Jahre alte „Krönung der Poppea“ nun als letzte große Premiere das Finale von Michael Klügls 13-jähriger Intendanz markiert, nimmt die unmoralische Oper tatsächlich ein unmoralisches Ende. Regisseur Ingo Kerkhof sorgt dafür, dass sich das Publikum hier kaum von der verführerisch versöhnlichen Macht der Musik täuschen lassen kann.

Ein früher Liebestod

Kerkhof zeigt zum Schluss nicht wie sonst üblich ein sich selbst genügendes Liebespaar. Poppea (Stella Motina), die Geliebte des Nero (Monika Walerowicz), bekommt mit der Hochzeit auch die Kaiserkrone und damit die Macht über Leben und Tod. Während des Schlussduetts tötet sie hier ihre längst unterlegenen Widersacher und sieht sich schließlich sogar selbst dem Messer ausgeliefert: Der Gott Amor (Ylva Stenberg), der das ganze Geschehen der Oper vor reichlich drei Stunden angestoßen hat, drückt nun Nero die Waffe in die Hand, der sie sofort an die Kehle der gerade noch begehrten Frau setzt.

So endet schon diese frühe Oper in Hannover mit einem Liebestod.

Theater der Reduktion

Wagnersche Opulenz allerdings ist an diesem Abend nicht zu erleben. Kerkhof, der seit Klügls Amtsantritt fast jedes Jahr an der Staatsoper gearbeitet hat, zelebriert hier noch einmal sein Theater der Reduktion. Das Bühnenbild (von Dirk Becker) ist eher ein Imaginationsraum: Es besteht eigentlich nur aus einem langen Tisch, an dem sich die Figuren immer wieder wie für ein Fest versammeln – und doch zumeist enttäuscht werden. Oft tanzt jemand verloren in einer Ecke: das einsame Ende verzweifelt verlorener Hoffnung.

Kerkhofs Konzept könnte wie zuletzt bei seiner hannoverschen „Salome“ gut aufgehen, wird hier aber durch die Musik verhängnisvoll verdoppelt: Auch Gastdirigent Howard Arman setzt bei Monteverdis ohnehin sparsamer Partitur stark auf Reduktion – und irgendwann wird es zuviel mit wenig. Vor allem die Continuo-Gruppe, die den Großteil der Stücke trägt und mit dem Rest des Orchesters im Hintergrund der Bühne platziert ist, klingt trotz einer vielversprechend großen Besetzung farbarm und cembalolastig.

Zudem bleibt Arman rhythmisch sonderbar starr, von der wunderbaren Flexibilität und Freiheit in Monteverdis Musik ist hier zu wenig zu hören.

Abschied für viele Sänger

Diese Festigkeit überträgt sich auch auf die Sänger, die es schwer haben, ihre Partien so stimmungsvoll aufzuladen, wie es das Stück verlangt. Die immer wieder mutig ausgreifenden Intervalle, die Schwerkraft der Dissonanzen, die die Stimmen eigentlich so ausdrucksstark machen, wirken hier gedämpft und stumpf. Trotzdem wird oft fabelhaft gesungen: Dem Ensemble um Ylva Stenberg, Ania Vegry, Monika Walerowicz, Josy Santos, Daniel Eggert, Stella Motina und Sung-Keun Park gelingt es zumeist gut, sich unter solchen Bedingungen in der ungewohnten Stilistik einer so alten Oper zu behaupten.

Ein rundum gelungenes Abschiedsstück für die vielen Solisten, die nun das Haus verlassen werden, ist diese „Poppea“ aber nicht. Umso herzlicher und dankbarer fiel der letzte große Premierenapplaus aus.

Weitere Vorstellungen sind am 13., 15., 19., 26. und 30. Juni sowie am 2. Juli in der Staatsoper. Mehr Barockoper in Hannover gibt es am Donnerstag, 13. Juni, und Sonnabend, 15. Juni: Dann wird Agostino SteffanisHenrico Leone in der Galerie Herrenhausen gespielt.

Von Stefan Arndt

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