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Region Oedipus Rex und Psalmensinfonie von Strawinsky an der Staatsoper
Nachrichten Kultur Region Oedipus Rex und Psalmensinfonie von Strawinsky an der Staatsoper
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01:15 01.05.2019
Mechthild Großmann als Erzählerin in der Staatsoper. Quelle: Jörg Landsberg
Hannover

Zwei Worte reichen, schon geht ein Raunen durch den Saal. „Verehrtes Publikum“, hebt Mechthild Großmann im Prolog von Igor Strawinkys Opern-Oratorium „Oedipus Rex“ an und löst allein damit freudige Laute des Wiedererkennens im Publikum aus: Ahs und Ohs und auch ein paar Lacher. Mit ihrer tiefen, rauchigen Stimme mischt Großmann schließlich sonst sehr raffiniert Autoritätsperson und Witzfigur in ihrer Rolle der Staatsanwältin im ARD-„Tatort“ aus Münster. An der Staatsoper Hannover ist sie nun zu Gast als Reiseführerin auf dem Weg zu einer der großen Tragödien der Antike.

Der griechische Sündenfall

Sie erzählt in großer Ruhe, wie ein Mensch sich in den Schlingen göttlicher Vorsehung verfängt. Noch bevor Sänger und Orchester den mythischen Stoff aus Strawinskys erratischem Klangmaterial meißeln, berichtet sie, wie Oedipus, der Held von Theben, von schuldbeladener Vergangenheit eingeholt wird: Er tötet den Vater und heiratet die Mutter – der Sündenfall der griechischen Antike, mit dem die Menschheit endgültig ihre Unschuld verliert. Gelacht wird an diesem Abend nicht mehr.

Strawinsky betont in seinem Stück von 1926 die übermenschliche Größe der Geschichte. Er dramatisiert sie nicht, sondern macht sie mit seiner blockartigen, fabelhaft sperrigen Musik und dem lateinischen Libretto, das von der Sprecherin immer wieder auf deutsch erklärt wird, zu einem überzeitlichen Gleichnis. Da passt es gut, dass man sich an der Staatsoper nicht für eine szenische Version, sondern für eine konzertante Aufführung entschieden hat.

Eine Brücke zwischen den Werken

Ein gewöhnliches Konzert ist diese vorletzte große Premiere der Intendanz von Michael Klügl dennoch nicht. Das Orchester im Graben bleibt von den Akteuren auf der Bühne strikt getrennt. Vor leuchtend blauem Hintergrund steht der Chor in strenger Formation auf der einen Seite, auf der anderen absolvieren die Solisten scheinbar unbewegt die einzelnen Tableaus dieses antiken Kreuzweges: Für Gefühle des Einzelnen ist diese Geschichte ohnehin zu groß.

Strenge Szene: „Oedipus Rex“ an der Staatsoper. Quelle: Jörg Landsberg

Das klare szenische Arrangement schlägt zudem eine schöne Brücke zu Strawinskys „Psalmensinfonie“ nach Texten aus dem Alten Testament im zweiten Teil des Abends. Nun gehört die Bühne ganz dem Chor – die Individuen sind in der Masse aufgegangen, dem Sündenfall folgt das kollektive Bemühen um Vergebung. Beide Stücke fügen sich so überzeugend zu einem geschlossenen Musiktheaterabend.

Organisation statt Gestaltung

Dem finnischen Dirigenten Valtteri Rauhalammi, der auch unter der künftigen Intendantin Laura Berman Kapellmeister an der Oper bleibt, bereitet die Aufstellung allerdings einige Probleme. Der Kontakt zwischen Orchester und Sängern ist nicht so eng, wie man es sich bei diesen Werken wünschen würde. Vor allem die empfindlichere „Psalmensinfonie“ mit ihren vielen Farbumschlägen tönt gelegentlich etwas zu grob. Manches wirkt eher organisiert als gestaltet, fein abgemischte Mixturen aus den oft sehr schönen Einzelstimmen hört man zu selten. Auch der von Lorenzo Da Rio einstudierte Chor fällt hier eher durch Kraft als durch homogenen Klang auf.

Verhängnisvolle Beziehung: Jokaste (Khatuna Mikaberidze) und Oedipus (Raymond Very). Quelle: Jörg Landsberg

 

Besser scheint Rauhalammis Herangehensweise zum vermeintlich rustikaleren „Oedipus Rex“ zu passen, doch wenn man hört, wie fein und licht Gasttenor Raymond Very die Titelpartie gestaltet, ahnt man, dass auch hier mehr Zwischentöne möglich wären. Khatuna Mikaberidze als seine Frau und Mutter Jokaste singt ihren Part kraftvoll und sensibel zugleich. Ihr intensiver Sopran gehört zu den Stimmen im scheidenden Opernensemble, die man sicher vermissen wird.

Weitere Vorstellungen gibt es am 1., 10. und 15. Mai sowie am 2. und 12. Juni.

Von Stefan Arndt

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