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Proms Konzert: So begeistern Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie London

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13:29 15.09.2019
Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie bei den Proms in der Royal Albert Hall. Quelle: Chris Christodoulou
London

Manch einer im Publikum dürfte sich gewundert haben. Von den 6000 Besuchern, die zum Proms-Konzert in die Londoner Royal Albert Hall gekommen sind, erinnern sich sicher einige noch gut an Andrew Manze: Schließlich stand der hier mehr als zehn Jahre an der Spitze von renommierten Alte-Musik-Ensembles. Seit den Neunzigerjahren war Manze der prominenteste Barockgeiger der Stadt, eine zentrale Figur der großen britischen Originalklangbewegung. Und jetzt das: eine Bach-Fuge nicht nur mit Pauken und Trompeten, sondern gleich in voller spätromantischer Orchesterbesetzung. So etwas hätte es früher nicht gegeben.

Aber Manze hat auch deshalb die Geige mit dem Dirigentenstab getauscht, weil ihm die die Welt der Alten Musik zu eng wurde. Er war zwar nie ein Purist und hat oft die Fantasie den Regeln vorgezogen, aber dass er eine Bach-Bearbeitung von Edward Elgar spielt, die mit ihrem Pathos und ihrer Fülle so schön aus der Zeit gefallen klingt, dürfte doch manchen überrascht haben.

Ein Wunsch wird wahr

Das hochromantische Arrangement von Bachs Fantasie und Fuge in c-Moll steht sogar im Zentrum eines Konzertes, das für Manze einen Höhepunkt seiner Karriere markiert. Als er 2014 Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie in Hannover wurde, hatte er ein klares Ziel vor Augen: Eines Tages würde er mit seinem Orchester in der Proms-Reihe, den altehrwürdigen Sommerkonzerten in den Royal Albert Hall, auftreten.

Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie in der Royal Albert Hall: Ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Quelle: Chris Christodoulou

Nun hat sich dieser Wunsch erfüllt, und Manze und der Radiophilharmonie wurde dabei sogar noch eine besondere Ehre zuteil: Sie spielten am Vorabend der „Last Night of the Proms“, der traditionell ein Beethoven-Abend ist. David Pickard, der Direktor der Proms-Konzerte, hatte Orchester und Dirigent mit diesem Komponisten erlebt und war so begeistert, dass er sie zu dem prestigeträchtigen Termin nach London einlud.

Zwischen London und Hannover

Ein reines Beethoven-Programm hatten die Musiker allerdings nicht im Gepäck. Vielmehr erinnerten sie zunächst mit Georg Friedrich Händel an die vielfältigen Beziehungen zwischen London und Hannover: Manze ließ eine Auswahl aus der „Feuerwerksmusik“ so üppig und gegenwärtig orchestriert spielen, dass seine alten Kollegen von der Academy of Ancient Music wahrscheinlich entsetzt gewesen wären – das Publikum in der Royal Albert Hall aber reagierte begeistert.

Die Stimmung in dem riesigen, runden Konzertsaal ist ohnehin einzigartig: Im Parkett und auf der Galerie gibt es keine Sitzplätze. Das Publikum, das bei den Sommerkonzerten in Jeans und T-Shirts (auf denen in diesen Brexit-Tagen schon mal „Thank EU for the Music“ steht) zum Konzert kommt, lauscht im Stehen konzentriert der Musik – und setzt sich in der Pause auf den Boden und packt Lunchpakete aus.

Die NDR Radiophilharmonie bei den BBC Proms

Am Freitag sind wir mit Elizabeth Watts Gast in der Londoner Royal Albert Hall bei den BBC Proms. Auf dem Programm stehen Werke von Händel, Bach und Beethoven.

Gepostet von NDR Radiophilharmonie am Montag, 9. September 2019

Begeisterung vor dem Schlussakkord

Zuvor konnte es noch die großartige britische Sopranistin Elizabeth Watts in einer Konzertarie von Beethoven und später in einem „Fidelio“-Auszug erleben. Zum Finale gab es eine feine und doch dynamische Version von Beethovens 5. Sinfonie, die die Zuhörer schon vor dem Schlussakkord zu Begeisterungsrufen und das Orchester schließlich zu einer Zugabe animierte: Zwei Händel-Sätze rundeten das höchst beziehungs- und erfolgreiche Gastspiel in London ab.

So lief das Konzert in der Royal Albert Hall

In Hannover starten Manze und die Radiophilharmonie ein ganzes Beethoven-Festival: Vom 20. Oktober bis zum 10. November stehen bei acht Konzerten im Kuppelsaal alle neun Sinfonien und alle fünf Klavierkonzerte auf dem Programm.

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