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Radiophilharmonie: Vadim Gluzman spielt Schostakowitschs erstes Violinkonzert  

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13:03 10.05.2019
Konzentration auf das, was geigerisch notwendig ist: Vadim Gluzman im NDR-Sendesaal. Quelle: Villegas
Hannover

Am Ende dieses Abends hallten vielfache Bravos und stürmischer Applaus durch den Großen Sendesaal im Funkhaus am Maschsee. Grund dafür war eine fulminante Interpretation von John Adams‘ groß angelegtem OrchesterwerkHarmonielehre“. Mit dieser rund 40 Minuten langen Komposition aus dem Jahr 1985 beendete John Adams eine längere Schaffenskrise. Dass er das Werk ausgerechnet nach einem musiktheoretischen Werk aus der Feder Arnold Schönbergs benennt, irritiert schon, hat gerade seine Harmonik doch kaum etwas mit derjenigen des Zwölftöners gemein.

Wogende Klänge

Adams selbst sieht seine Verbindung zu Schönberg denn auch eher in „Sprache und Sensibilität“ der Komposition. Zwei der drei Sätze tragen Titel, die wohl mehr die Vorstellungskraft der Hörer anregen sollen, als dass die Musik wirklich programmatische Inhalte transportiert. Aber all dies tritt in den Hintergrund, wenn man sich auf die wogenden Klänge und die oft stürmische Motorik dieser Musik einlässt.

Dirigent Giancarlo Guerrero, den diese Musik seit seiner Studienzeit faszinierte, versteht es, die Besonderheiten ins rechte Licht zu rücken. Ganz besonders gut beherrscht er die großen, lang angelegten, orgiastischen Steigerungen, die aus dem Nichts zu kommen scheinen und sich bis zu beinahe körperlichem Schmerz aufbauen. In den brodelnden Klangflächen des dritten Satzes fühlt man sich häufig wie in einem Katastrophenfilm, wenn der Zug, unaufhaltsam schneller werdend, auf den Abgrund zurast.

Bildstarke Musik

Die Radiophilharmoniker taten alles, um dieser bildstarken und emotionsgeladenen Musik zu ihrem Recht zu verhelfen. Sämtliche Musiker und Musikerinnen haben viel zu arbeiten in diesem Stück und müssen hohe technische Hürden überwinden, was hervorragend gelang. Ganz besonders gilt dies für Solohorn und Solotrompete.

Ebenso große Begeisterung rief vor der Pause die Interpretation von Schostakowitschs erstem Violinkonzert durch Vadim Gluzman hervor. Der israelische Geiger ukrainischer Abstammung fokussiert die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer ganz auf das Werk, indem er, ähnlich wie Frank Peter Zimmermann, eher stoisch auf der Bühne steht. Seine Bewegungsabläufe konzentrieren sich weitgehend auf das, was geigerisch notwendig ist.

Im zweiten und vierten Satz brannte er ein virtuoses Feuerwerk ab, ohne dabei die Doppelbödigkeit und sarkastische Zerrissenheit der Komposition unter den Tisch fallen zu lassen. Besonders Soloklarinette und Solofagott, die mehrfach mit der Sologeige in Dialog treten, verlangte er technische Höchstleistungen ab. Dass er daneben auch ein Klangmagier auf seinem Instrument sein kann, bewies Gluzman in den beiden langsamen Sätzen. Ganz besonders eindringlich gelang ihm die große Kadenz, die wie in einer langen Metamorphose von der trüben, hoffnungslosen Stimmung der Passacaglia in den sarkastischen Teufelstanz des Finales überleitet.

Von Michael Meyer-Frerichs

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