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Region Bilder zwischen Lust und leichter Furcht: SPD-Landtagsfraktion ehrt Künstlerin Hanna Nitsch
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SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen verleiht Kunstpreis 2020 an Künstlerin Hanna Nitsch

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13:30 30.01.2020
Hanna Nitsch erhält den Kunstpreis der SPD-Fraktion im Landtag. Sie zeigt in ihren Arbeiten immer wieder auch ihre Kinder (links). Quelle: SPD/Samantha Franson
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Hannover

Er war irritierend, dieser Satz. Gesprochen wurde er in der großen Portikus-Halle des Niedersächsischen Landtages, während der Verleihung des Kunstpreises der SPD-Landtagsfraktion an die Künstlerin Hanna Nitsch: Den Kunstpreis der SPD Landtagsfraktion, den könne man ohne Gewissensbisse annehmen. Das sagte Lienhard von Monkiewitsch in seiner Laudatio auf die Künstlerin. Gerade die rechts- und linksextremen Parteien, so die Beobachtung des Malers Monkiewitsch, würden zunehmend stärker die Kunst instrumentalisieren, ihr gern vorschreiben, was sie darf und vor allem, was sie nicht dürfen solle.

Gerhard Schröder initiierte Preis

Genau deswegen war ihm der Hinweis wichtig, dass es hier, bei dem Kunstpreis der SPD Landtagsfraktion, der ehedem von Gerhard Schröder aus der Taufe gehoben wurde, keine Instrumentalisierung der Kunst gäbe.

Auszeichnung für Hanna Nitsch (Zweite von links): Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hanna Naber, (links), Landtagsfraktionschefin Johanne Modder und Laudator Lienhard von Monkiewitsch gratulieren der Künstlerin. Quelle: Samantha Franson

Aber musste das wirklich betont werden? Seine Vorrednerin, die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Hanna Naber, hatte einen ähnlichen Schwerpunkt. Kultur, so lautete ihr Credo, müsse es zwingend für alle geben, Kultur erfreut, belehrt und bewegt – und deswegen ist Kulturförderung so wichtig. Das war durchaus schön gesagt, und bevor es kompliziert zu werden drohte, ließ Naber es auch dabei bewenden. Sie beklagte stattdessen, dass der Gender-Gap, der Unterschied zwischen Künstlerinnen und Künstlern, in der Honorierung noch immer eklatant sei.

 In Berlin liege er bei 28 Prozent, und Künstler haben im Vergleich zu Künstlerinnen 22 Prozent häufiger Einzelausstellungen. Auch deswegen ist die Vergabe des Kunstpreises an eine Künstlerin natürlich begrüßenswert. Spätestens jetzt dürfte den einen oder anderen im Publikum die Frage bewegt haben, wer hier eigentlich wen ehrt. Die Politik, die SPD Landtagsfraktion, eine Künstlerin, oder ist es nicht vielmehr so, dass sich die Politik geehrt fühlen sollte, dass sich Nitsch auszeichnen lässt?

In diesem Zusammenhang bekommt der Satz, man könne den Kunstpreis ohne Gewissensbisse annehmen, noch mal einen anderen Dreh. Immerhin, nach hinreichend vielen Vorreden, in denen es nicht um die Künstlerin ging, kam doch noch sie und ihr Werk in den Fokus, das in Hannover der Galerist Robert Drees vertritt. Lediglich drei, dafür aber großformatige farbige Tusche-Arbeiten hingen vor dem Publikum.

Im unsicheren Zustand des Erwachsenwerden: Die Tuschearbeiten von Hanna Nitsch zeigen ihre drei Kinder. Quelle: SPD-Landtagsfraktion

Bilder zeigen das Erwachsenwerden

An ihnen interpretierte Monkiewitsch, ganz alte Schule, warum die 1974 in Freiburg geborene und jetzt in Braunschweig lebende Hanna Nitsch die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung verdient hat. Die drei Werke der Künstlerin zeigen formatfüllend jeweils eines ihrer drei Kinder im unsicheren Zustand des Erwachsenwerden – was auch als Allegorie verstehbar ist. Zwischen den unterschiedlichen Lebensrollen noch spielend, sich ausprobierend, zwischen Lust daran und leichter Furcht, was auf sie zukommt.

Fragen der Bilder sind auch Fragen der SPD

 Der Laudator kleidete die Botschaften der Bilder in die geradezu klassischen Fragen „Wer bin ich, wer könnte ich sein, welchen der vielen Wege werde ich beschreiten, welche Identität werde ich annehmen?“ Und wer erst jetzt, verspätet, in die Portikus-Halle kam, der hätte auch denken können, es gehe um die SPD. Kunst und Politik scheinen doch nicht nur Schnittstellen sondern auch größere Schnittmengen zu haben. Umso wichtiger sind tatsächlich die Grenzlinien.

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Von Frank Kurzhals

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