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Schauspiel Hannover: Tom Kühnel inszeniert Martin Mosebachs  „Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama“

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00:15 27.05.2019
„Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama“ von Martin Mosebach. Szene mit: Maximilian Grünewald, Daniel Nerlich, Philippe Goos, Sarah Franke, Jonas Steglich Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

In den vergangenen zehn Jahren der Intendanz von Lars-Ole Walburg gab es an den verschiedenen Spielstätten des Schauspiels Hannover ganz unterschiedliche Programmhefte. Es gab dicke Bücher und schmale Zettelsammlungen, Handreichungen fürs gelehrte Pausengespräch und Fotoalben (viele Fotoalben). Jetzt, zur letzten Premiere in der Intendanz, gibt es wieder ein ganz besonders Programmheft: „Rotkäppchen und der Wolf: Ein Drama“ von Martin Mosebach wird von einem Heft begleitet, bei dem der Besetzungszettel auf dem Cover steht. Das macht deutlich: Hier geht es um die Schauspielerinnen und Schauspieler. Bekannte Namen und unbekannte Rollen sind hier zu finden: Jakob Benkhofer, Silvester von Hösslin, Christoph Müller, Andreas Schlager, Sebastian Weiss und Dennis Pörtner treten als „Chor der Butterblumen“ auf. Susana Fernandes Genebra spielt einen Napfkuchen und Daniel Nerlich verkörpert eine Nähmaschine.

Großes Feuerwerk

Das Ensemble von Lars-Ole Walburg verabschiedet sich lautstark und selbstbewusst mit einem großen Feuerwerk. Der erste Teil wurde jetzt mit der „Rotkäppchen“-Premiere abgebrannt, der zweite Teil folgt beim „Burn“-Festival, bei dem Ensemblemitglieder (vom 7. Juni an) die Gelegenheit haben, sich mit verrückten Eigenkompositionen aller Art von Hannover zu verabschieden. „Rotkäppchen“ wird nach der Premiere nur noch fünf Mal zu sehen sein. Theater ist eine verschwenderische Kunst, nicht nur hinsichtlich Personaleinsatz und Aufwendung finanzieller Mittel, sondern auch, was den Zeitaufwand der Besucher angeht. Gut dreieinhalb Stunden dauert Tom Kühnels Inszenierung von „Rotkäppchen und der Wolf“. Das ist viel – gerade auch bei einem Theaterstück, über das der Autor in einem Interview mit der Dramaturgin Judith Gerstenberg gesagt hat: „Das Stück gibt überhaupt keine Antwort auf irgendeine Frage“. Ja, das ist richtig.

Dieses „Rotkäppchen“ ist nicht mehr als das Märchen, das von den Brüdern Grimm aufgeschrieben wurde, nur entsetzlich breitgeklopft und ausgewalzt. Ob im Wald oder im Haus der Großmutter: Überall hat Mosebach (der zur Premiere anwesend war und sich am Ende auch kurz auf der Bühne feiern ließ) Möglichkeiten für – nicht immer kurzweilige – Exkurse entdeckt. Er bringt sogar einen Sessel und Pantoffeln zum Reden. Und wie sie reden: In gebundener Sprache, die manchmal hoch-, oft aber auch nur hohltönend ist. Diese Wortoper hat etwas von einem Studententheaterulk oder einer großartig gelösten Probeaufgabe aus dem Seminar für kreatives Schreiben. Der Autor selbst sagt, dass sein „Rotkäppchen“ in die Kategorie der unspielbaren Stücke gehöre. Auch damit hat er wohl recht, aber solche Einschätzungen dienen ja nur dazu, den Ehrgeiz von Theatermachern anzustacheln.

Starkes Ensemble

Für Kinder ist Mosebachs „Rotkäppchen“ gar nicht geeignet, die wenigen minderjährigen Zuschauer, die sich in die Premiere verirrt hatten, wurden von ihren Eltern schlafend oder quengelnd hinausgebracht. Für Erwachsene, die bereit sind, sich auf das irre Spiel einzulassen, kann es aber doch ganz spaßhaft sein. Jedenfalls wird viel gelacht. Und für Theaterfreunde die Walburgs Ensemble schätzen gelernt haben, bietet „Rotkäppchen“ die Gelegenheit für ein Wiedersehen mit großartigen Schauspielern. Susana Fernades Genebra in einem kurzen Auftritt als weiße (und weise) Taube: wie klar und schön und wie unexaltiert sie spricht. Silvester von Hösslin als müder und etwas verwirrter Schlaf: wie schafft man das, so ruhig und doch so präsent zu sein? Oder Johanna Bantzer als Wölfin: wie tief und wie geheimnisvoll sie ist, ohne sich anzustrengen.

Ob Mathias Max Hermann als Chorführer der Tannen, Henning Hartmann als Mutter des Jägers oder Günther Harder als Jäger: viele Schauspieler demonstrieren hier noch einmal, was für ein starkes Ensemble mit Lars-Ole Walburg zehn Jahre lang in Hannover gearbeitet hat. Aber irgendwie demonstrieren sie es auch am falschen Stück.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 24., Sonnabend, 25., Sonntag, 26. Mai, und Sonnabend, 15. Juni.

Von Ronald Meyer-Arlt

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