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Schlager und Rock: Christina Stürmer im Capitol

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14:21 29.06.2019
Christina Stürmer im Capitol. Quelle: Franson
Hannover

Mit gut sieben Wochen Verspätung hat es Christina Stürmer dann doch noch nach Hannover geschafft. Eigentlich sollte sie schon Anfang Mai mit ihrer Band im Capitol auftreten, doch damals musste das Konzert kurzfristig abgesagt werden. Ihre Stimme sei sehr angeschlagen, ließ Stürmer damals mitteilen. Ihr Arzt hatte ihr ein Sing- und Sprechverbot auferlegt. Nun aber ist sie wieder bei Stimme, bedankt sich bei ihren Fans fürs Warten und tritt mit ihrer Band dort auf, wo schon die Schockrockgruppe „Rammstein“ gespielt hat, wie sie sagt. Und fügt an: „Irre, dass das Capitol noch steht“.

„Eine schöne, schmalzige Nummer“

Zwar klingt Stürmers Stimme noch etwas kratzig und rau, aber was ihr an gesanglicher Finesse fehlt, macht sie durch körperliche Leidenschaft wett. Das, was sie mit ihren vier Bandkollegen auf dem Abschlusskonzert ihrer Tour zwei Stunden lang abliefert, ist eine bunte Mischung aus hardrockigen Nummern und popseichten Stücken. Insgesamt wirkt die Setlist wie ein Balanceakt zwischen harten, treibenden Sounds und weichgespülten, wippenden Songs. Ein, zwei Lieder erinnern in ihrer Unterkomplexität an Modern Talking. Und manche Lieder sind so schwülstig und geradezu käsig geraten, dass man fast das böse Wort vom Schlager in den Mund nehmen könnte. Etwa wenn sie singt: „Jeder unserer Träume hat irgendwas mit uns gemacht.“

So war das Konzert von Christina Stürmer im Capitol

Stürmer scheint sich durchaus bewusst zu sein, dass manche ihrer Lieder einigen Fans wie Kritikern nicht so gefallen. So kündigt sie „Warum“ mit den Worten an, dass jetzt eine „schöne, schmalzige Nummer, vom ersten bis zum letzten Ton“ folgt, bei der sie immer mit einem Anruf von den Machern der „Kuschelrock“-CDs gerechnet habe. Aber nichts. „Ich verstehe es nicht“, fügt sie lachend hinzu.

Schon 16 Jahre im Geschäft

Das Publikum im nicht ganz ausverkauften Capitol scheint sich aus Anhängern härterer Klänge und Freunden poppig leichter Kost zusammenzusetzen. Und irgendwie funktioniert das. Manchmal singt und tanzt die eine Fraktion mehr mit, mal die andere. Aber alle tanzen, shouten, ja, rocken mit bei den Klassikern von Stürmer. Und Klassiker hat sie, denn man vergisst schnell, dass die Zweitplatzierte einer österreichischen Castingshow mittlerweile auch schon 16 Jahre im Geschäft ist. Dass sie im Herzen immer noch eine Rockerin ist, zeigt ihr Bühnenoutfit: schwarze Jeans, weißes T-Shirt – mehr Rock geht eigentlich nicht.

„Jetzt wird’s a bisserl laut“, warnt Stürmer, bevor sich bei „Immer an Euch geglaubt“, „Ich hör auf mein Herz“ und „Ein Kompliment“, ein Sportfreunde-Stiller-Cover, die Decke des Capitols kurz zu heben scheint. Man kann von Stürmers Genre-Abstechern halten, was man will, aber Mitsingqualität haben ihre Lieder allemal.

„Engel fliegen einsam“

Zwei Stunden mit kleinen Plaudereien über ihre erste Liebe, ihr erstes Auto und die Geburt ihrer Tochter vor drei Jahren, gepaart mit rockigem Herzschmerz und poppigen Selbstverwirklichungsbinsen – man kann deutlich schlechter unterhalten werden. Als Rausschmeißer spielt Stürmer den Song, der, wie sie sagt, schon seit mehr als zehn Jahren auf ihren Tourneen als Rausschmeißer dient: „Engel fliegen einsam“. Mag sein, aber Christina-Stürmer-Fans fliegen gemeinsam.

Von Dirk Kirchberg

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