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Region Erwachsen geworden? So war das Silbermond-Konzert in Hannover
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"Schritte live"-Tour: Silbermond-Konzert in der Tui-Arena Hannover

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22:38 24.01.2020
Überzeugt vor allem bei Liveshows: Silbermond. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Es gibt Bands, deren Liveauftritte kommen längst nicht an die Studioproduktionen heran. Silbermond ist keine solche Band. Ihre energiegeladene Show in Hannover klingt um Welten besser als die radiotauglichen Songs der CDs. Wenn Sängerin Stefanie Kloß im quietschbunten Bühnenbild umherspringt und tanzt, die Arme nach oben reißt und klatscht, dann überträgt sich diese ausgelassene Freude schnell auf die 9000 Zuschauer in der Tui-Arena.

Die vier Musiker bezeichnen sich selbst als Rockpopband. Das nimmt man ihnen auf der Bühne am ehesten ab. Dort spielen sie zwar auch die seichten Balladen, mit denen sie bekannt geworden sind – wie „Symphonie“, „Das Beste“, „Irgendwas bleibt“ und „Himmel auf“. Doch dank guter Laune und einem ordentlichen Tempo, das Schlagzeuger Andreas Nowak und Gitarrist Thomas Stolle vorgeben, haben auch diese Lieder beim Konzert einfach mehr Wumms.

Allerdings: Nach gut zwei Stunden und 20 Songs bricht Kloß’ Stimme bei den ganz hohen Tönen immer wieder ab. Sie entschuldigt sich dafür, sie sei erkältet. Bis zum Schluss hält sie durch, nur beim Reden klingt sie heiser, und die Zugabe lässt sie ausfallen.

Schlagzeuger Andreas Nowak gibt das Tempo vor. Quelle: Michael Wallmüller

Neues Silbermond-Album mit ruhigen Harmonien

Der Fokus der Show liegt auf dem neuen Album „Schritte“, schließlich ist auch die Tour danach benannt. Vier Jahre nach „Leichtes Gepäck“ hat die Band im November ihr mittlerweile sechstes Studioalbum veröffentlicht. Darauf rücken die vier weiter denn je vom Rock ab, langsame Harmonien bestimmen den Sound – zumindest des Albums. Denn auch neuen Songs wie „Schritte“ und „Was Freiheit ist“ verleihen Tanzeinlagen und Gitarrensolo eine Dynamik, die die Studioaufnahmen vermissen lassen.

Sobald eine Band ruhigere Musik macht, wird ihr ja gern nachgesagt, sie sei erwachsen geworden. Mag sein, dass das auch auf Silbermond zutrifft. Schließlich sind die Mitglieder der einstigen Schülerband mittlerweile alle Mitte 30, Kloß und Stolle vor zwei Jahren Eltern eines Sohnes geworden.

Nur: Wenn diese Musik Erwachsensein bedeutet, wünscht man sich, die Bandmitglieder hätten das Peter-Pan-Syndrom und wollten dementsprechend für immer Kinder bleiben. Denn dem neuen Album fehlt das Rotzige, die treibenden Lieder, die die monotonen Arrangements aufbrechen und auf früheren Alben noch für Abwechslung zwischen all den Balladen sorgten.

Tour zum neuen Album: 9000 Fans feiern das energiegeladene Silbermond-Konzert in der Tui-Arena in Hannover.

Harmlose Texte, die niemanden stören

Textlich bleiben Silbermond gewohnt harmlos. Unter den Themen des neuen Albums gibt es, zugegeben, ein bisschen Klimawandel, ein bisschen Rechtsextremismus in ihrer Heimat Sachsen, ein bisschen Krieg und ein bisschen Frieden. Doch zu alldem positionieren sich die Texte so vorsichtig und schwammig, dass sich niemand daran stören kann – abgesehen vielleicht von sächsischen Nazis.

Die Musik von Silbermond war schon immer lieb und irgendwie auch niedlich im Versuch, schnulzige Texte mit so etwas wie rebellischem Rock zu verbinden. Spätestens mit „Schritte“ ist sie leider auch langweilig. Gut nur, dass beim Konzert in Hannover immer wieder auch ältere Songs zu hören sind – und dass die Lieder live ohnehin besser klingen. Zumindest auf der Bühne hat sich Silbermond dem Erwachsenwerden doch noch mal zur Wehr gesetzt.

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