Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region „Angela I.“, Katja Hensels Stück über Angela Merkel
Nachrichten Kultur Region „Angela I.“, Katja Hensels Stück über Angela Merkel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 04.03.2019
Silke Buchholz als Angela Merkel. Quelle: Marianne Menke
Bremen

Die Kanzlerin lässt sich Zeit. Eine gute Stunde dauert es, bis Angela Merkel ihren ersten Auftritt hat. Das ist verwunderlich, schließlich heißt das Stück, das Katja Hensel für die Bremer Shakespeare Company geschrieben hat, „Angela I.“. Aber die hält sich im Hintergrund. Sie versteckt sich im Fundus des Bundestages – dort, wo die Geschenke der Lobbyisten lagern. Oben geht die Politik weiter und draußen nebeln die Gelbwesten mit Rauchbomben die Straßen zu.

Obgleich es am Ende eine Krönung gibt, hat Katja Hensel kein Königinnendrama geschrieben. Ihr Stück, das jetzt unter erheblichem Medieninteresse uraufgeführt wurde, ist eher Polittheater, stellenweise auch Kabarett. Zweieinhalb Stunden dauert die Inszenierung, zu sehen ist nicht nur charmantes und lustiges, sondern auch geschwätziges Theater. Politik, heißt es an einer Stelle, sei kein Shuttlebus. Es gehe nicht darum, die Leute immer irgendwo abzuholen. Aber es ist auch nicht richtig, sie gnadenlos zuzutexten.

Hensel stellt Nebenfiguren ins Zentrum, die oftmals nur Belanglosigkeiten zu berichten haben: Politiker, die Fußball spielen (und mit ihrem „FC Bundestag“ kaum noch Gegner finden), Politnachwuchs aus dem Kindergarten des Bundestages („Ich respektier‘ Euch einfach.“ – „Nein, das darfst du nicht.“), ein Fahrer („Damals habe ich gedacht: Ja, wir schaffen das – Aber du schaffst das nicht.“), am Ende treten auch noch Loki Schmidt, Hannelore Kohl und Doris Schröder-Köpf in der Art dreier „Macbeth“-Hexen auf – was nicht der einzige Shakespeare-Verweis an diesem Abend bleiben wird.

Die Hexen fragen Merkel, warum sie überhaupt regiert hat. Nach kurzem Zögern antwortet sie: „Ich mag Menschen“. Das ist durchaus ein bisschen berührend. Wie überhaupt Katja Hensel kein Merkel-Bashing sondern eher eine Politbetriebsanalyse betreibt. Silke Buchholz spielt Angela Merkel mit gelegentlicher Raute aber ohne Kopierehrgeiz. Am Ende deckt sie einen Tisch für eine Abendgesellschaft der gegensätzlichen Positionen. Anscheinend will sie alle miteinander versöhnen. Oder wenigstens ins Gespräch bringen. Das Problem: Keiner kommt.

Angela Merkel ist in Katja Hensels Drama und auch in Stefan Ottenis Inszenierung eine Art Heilsgestalt, die letzte Figur aus einer Zeit, in der das meiste noch halbwegs in Ordnung war. Was nach ihr kommt, das ist deutlich zu spüren, wird furchtbar sein.

Von Ronald Meyer-Arlt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Viel mehr als nur ein „Neuer Wilder“: Die große Retrospektive in der Goseriede demonstriert, wie kunstreflexiv die Arbeiten des Künstlers sind

27.03.2019

Eine Powerfrau für Hamburg: Kristina Love verkörpert ab Sonntag ihr Idol Tina Turner im neuen Musical.

28.02.2019

Millionenfach gelesen, millionenfach geschaut. „Die unendliche Geschichte“ ist ein Klassiker - im Buch und im Film. Jetzt wird sie zum Fall für die Justiz.

28.02.2019