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Nachrichten Kultur Region Das Konzert der Mad Caddies in der Faust
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09:59 28.02.2019
Mad Caddies Quelle: Thomas Kaestle
 

In Zeiten, in denen die USA von einem Präsidenten regiert werden, der sich mehr für Golf zu interessieren scheint als für Politik, könnte Mad Caddies auch der Name einer Bürgerbewegung sein: Die Verrückten Schlägerträger. Als sich jedoch einige High-School-Freunde im Süden Kaliforniens vor fast 25 Jahren den Namen für ihre Ska-Punk-Band ausdachten, stand Spaß im.Mittelpunkt. Zunächst prägte vor allem Chuck Robertson mit seinem klaren, melodiösen Gesang den Sound, kurz darauf stießen Trompeter Mark Bush und Posaunist Eduardo Hernandez dazu – und brachten den Dixieland-Jazz mit. Bis heute ist diese Mischung einzigartig geblieben, wie die Band erneut vor 650 Fans in der Sechzigerjahrehalle beweist.

Ska, Dixieland, Pop und Reggae durchdringen sich hypnotisch, zugleich unendlich entspannt und doch immer in Bewegung, wie in Zeitlupe vorantreibend und dabei exzentrische Kapriolen schlagend. Im Song „State of Mind“ geht es um das Erreichen eines geeigneten Bewusstseinszustandes – den die Musik fast wie nebenbei erzeugt. Sie verströmt die Zurückgelehntheit ihres Ursprungsortes, die großzügige Gegenwart von Sonne und Meer. Unaufgeregt aber charismatisch wird Robertson zum Botschafter von Leidenschaft und Loslassen, schwebt zwischen Sunnyboy, ewigem Surflehrer und lächelndem Geschichtenerzähler.

Wo die Worte eher simpel bleiben, wie beim Klassiker „Leavin‘“ über Lebensentscheidungen und unterwegs gemachte Erfahrungen, übernehmen die beiden Bläser narritiven Sog und unerwartete Tiefe. Wo ihr Dixieland-Sound immer neue Purzelbäume schlägt, steigern sie die Dynamik ins fast Unwiderstehliche. Bei den Songs des aktuellen Albums „Punk Rocksteady“ wiederum entschleunigen die Mad Caddies Stücke von Punk-Kollegen, indem sie diese in einen gemächlich schlendernden Sound zwischen altmodischem Ska und Reggea übersetzen. Das gesellschaftskritische „She“ von Green Day wird so zum Beispiel von einer nervösen Hymne zum nachdenklichen Selbstgespräch.

Das wirkt in keinem Augenblick konstruiert, sondern vielmehr, als wäre alles schon immer genau so gemeint gewesen, als wäre Punk eigentlich nichts anderes als leichtfüßige Kontemplation. Irgendwann fragt Robertson sein Publikum, ob es denn noch genug Party für den Rest der Show in sich trage. Die Antwort fällt eindeutig aus. So tragen sich die Musiker und ihr Publikum gegenseitig durch den Abend, ausgelassen, geerdet und Haken schlagend.

Am Donnerstag, 7. März, gastiert um 20 Uhr der Liedermacher Funny van Dannen in der Sechzigerjahrehalle.

Von Thomas Kaestle

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