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Region „Spiel mir das Stück vom Tod“ begeistert das Publikum im Theater Erlebnis
Nachrichten Kultur Region „Spiel mir das Stück vom Tod“ begeistert das Publikum im Theater Erlebnis
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00:17 01.04.2019
Erfüllungsgehilfe des Sensenmannes: Othello (Christoph Teschner) vor dem Mord an Desdemona (Susi Peter).
Erfüllungsgehilfe des Sensenmannes: Othello (Christoph Teschner) vor dem Mord an Desdemona (Susi Peter). Quelle: Matthias Krüger
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Erst scheint die Silhouette des Sensenmanns auf, dazu ertönt Ennio Morricones Mundharmonika aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ – und dann geht es ganz tief in die Geistesgeschichte des Todes: „Penthesilea! Meine Braut! Was tust du? Ist dies das Rosenfest, das du versprachst?“, röchelt der von der Amazonenkönigin hingestreckte Achill. Und das ist nur eine der vielen Todesszenen, die „Spiel mir das Stück vom Tod“, die neue Inszenierung von Theater Erlebnis, binnen zwei Stunden Revue passieren lässt.

Eine Revue ist dabei herausgekommen, weil Regisseur Tim von Kietzell und der musikalische Leiter Klaus Wössner dafür eine Vielzahl an Theater- und Gesangsstoffen rund um das Ewigkeitsthema Tod arrangiert haben. Von klassischen Theaterfiguren wie eben Penthesilea (hier in Kleists Version) bis in die Neuzeit reichen die dramatischen, von Alter Musik bis zu den Doors und zu Queen die musikalischen Vorlagen. Gut 30 Einzelauftritte werden geboten, zu viele, als dass sich große Handlungsbögen entwickeln könnten.

Aber das ist auch gar nicht beabsichtigt. Ob Romeo und Julia, Ophelia und Hamlet oder Othello und Desdemona – zwar treten lauter todgeweihte Traumpaare jeweils kurz vor dem Dahinscheiden auf. Doch die dichte Abfolge lässt keinen Raum für tragische Entfaltung, statt Pathos gibt es Persiflagen, was einen beträchtlichen Teil der Komik dieses Abends ausmacht.

Die wird noch durch kurze Couplets zwischen Kunst und Kalauer gesteigert: Der Gärtner beißt ins Gras, der Beamte entschläft, der Priester muss dran glauben, die Putzfrau kehrt nie wieder – so etwa geht das „Sterben nach Berufsgruppen“. Wie hier eine zwölfköpfige Truppe Nekrophilie und Lebenslust, Sterbensangst und Ewigkeitssehnsucht und dem Wissen, das wirklich ewig nur der Tod ist, auf die Bühne bringt – das ist schon wegen des exakten Timings dieser dichten Szenenfolge sehenswert. Und dann und wann weiß man zwar nicht recht, ob da Schauspieler aus der Rolle fallen oder eben das Rollenpathos nur zitieren – doch auch das passt zu diesem Abend.

Immerhin dokumentiert die Truppe, die auch den Ring des Nibelungen schon einmal auf einen zweieinhalbstündigen Theaterabend zusammengedrängt hat, mit dieser „schwarzen Revue“, dass sie auch die kleine Form zu würdigen weiß. Wofür es am Ende minutenlangen Beifall gibt.

Wieder am 30. März sowie vom 3. bis 5. April jeweils 20 Uhr im Theater Erlebnis, Kornstraße 31.

 

Von Daniel A. Schacht