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Region So war die Premiere von „Zeit aus den Fugen“ am Schauspiel Hannover
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Spielzeiteröffnung: Laura Linnenbaum inszeniert „Zeit aus den Fugen“ am Schauspiel Hannover

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11:17 14.09.2019
Anschluss ans anderswo: Torben Kessler als Ragle Gumm in „Zeit aus den Fugen“ nach dem Roman von Philip K. Dick. Quelle: Kerstin Schomburg
Hannover

Gegen Ende geht’s um Krieg und die zerstörte Erde. Der Held steht an der Rampe und fragt: „Warum soll ich verantwortlich sein für alles?“ Dann ein schneller Lichtwechsel. Im Zuschauerraum wird’s hell. Aha: Wir sind gemeint. Wir alle.

Und: Aha, wir sind im Stadttheater. So macht man das wohl in Paderborn und Bremerhaven und anderswo. Aber muss man das in der erste Premiere der ersten Spielzeit der neuen Intendantin am Schauspiel Hannover auch so machen? So schultheatermäßig unterfordernd? Sollte man da nicht eher markieren, mit welcher besonderen Ästhetik es das Publikum demnächst zu tun haben wird? Sollte man da nicht Mut haben, etwas neu und anders zu erzählen? Sollte man die Zuschauer nicht herausfordern, wohl gar provozieren? Sollte man da den Schauspielerinnen und Schauspielern des neuen Ensembles nicht Gelegenheit geben, sich als Menschendarsteller, Abgrundtänzer und ganz und gar außergewöhnlicher Charakter zu präsentieren? Sollte man nicht eine besondere Sprache pflegen? Sollte man nicht Großes wagen? Vielleicht auch Unbequemes?

Merkwürdig glatte und fremde Welt

Regisseurin Laura Linnenbaum stellt sich derartigen Herausforderungen nicht. Sie hat als Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit (und der Intendanz von Sonja Anders) eine Romanandaption auf die Bühne gebracht. In „Zeit aus den Fugen“ erzählt der berühmte Science-Fiction-Autor Philip K. Dick (dem wir so grandiose Geschichten wie „Blade Runner“, „Minority Report“ oder „Total Recall“ verdanken) von einem jungen Mann, der in einer US-amerikanischen Kleinstadt in den Fünfzigerjahren jeden Tag ein Zeitungsrätsel löst. Die Welt, in der er lebt, ist merkwürdig glatt und fremd. Am Ende kommt heraus, dass die Rätsel, die er löst, für etwas anderes stehen. Er hat die Fähigkeit, die Einschläge der Raketen vorauszuberechnen, die im Streit zwischen den Erdbewohnern und der abtrünnigen Mondkolonie eine Rolle spielen. Die Welt ist ganz anders als die Kleinstadtidylle, in der er lebt. Die Fünfzigerjahre sind nur eine Inszenierung, eigentlich lebt er in den Dreißigerjahren des 21. Jahrhunderts.

Eher Erfinder als Poet

Wie oft bei Philip K. Dick ist die Idee, die der Geschichte zugrunde liegt, groß und die Art, wie von ihr erzählt wird, nichts besonders. Er ist eher Erfinder als Poet. Seine Figuren sind meist nur Zahnräder einer interessanten Maschine, die er stolz präsentiert.

Auf der Bühne wird das zu einem Problem. Torben Kessler spielt Ragle Gumm, den Rätsellöser, mit wenig mehr als einem wächsernen Dauerstaunen, Stella Hilb und Kaspar Locher als Schwester und Schwager sind wunderlich aufgedreht, Sabrina Ceesay als hübsche Nachbarin ist vor allem freundlich, und Bernhard Conrad als ihr Mann wirkt ein bisschen böse. Zwischen ihnen passiert nicht viel.

Hier der Videotrailer der Inszenierung:

Im Bühnenbild von Valentin Baumeister, das im Wesentlichen aus Zeitungsstapeln und einer großen Projektionsfläche besteht, agieren die Darsteller in Fünfzigerjahre-Kostümen (von David Gonter), deren Farben so gedeckt sind, dass im allzeit wabernden Theaternebel fast eine Schwarz-Weiß-Welt entsteht. Mit dem Nebel gelingen durchaus einige interessante Effekte, die Verzögerungen in der Rock-’n’-Roll-Musik (Justus Wilcken) sind ganz interessant, aber das rettet die Sache leider nicht. Die Idee, die Inszenierung, die schauspielerischen Leistungen, das alles wirkt merkwürdig eindimensional. Diesem Theater fehlt das Abgründige, Spielerische, Verrückte.

Am Ende gab es freundlichen, aber für den Anlass der Spielzeiteröffnung mit neuer Intendantin dann doch eher zurückhaltenden Applaus.

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