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Region Sprengel-Museum zeigt Werke von Markus Huemer
Nachrichten Kultur Region Sprengel-Museum zeigt Werke von Markus Huemer
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01:15 28.03.2019
Zwischen einem seiner Sprengel-Gemälde und seinen „Thumbnails“: Markus Huemer in der Einsichtshalle des Hauses am Maschsee. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Die Flächen sind weiß, die Fluchtlinien schwarz, dazwischen gibt es nur Grautöne. Und ohne diese jeweils in der Mitte der vier Gemälde so seltsam schwebenden schwarzen Kisten wäre ganz klar, was diese Bilder repräsentieren – es sind durchweg Abbilder der verglasten Einblickshalle des Sprengel-Museums, signifikant auf die Nichtfarben schwarz, weiß und grau reduziert.

Fläche, Tiefe, Höhe: „IchHaetteBezaubGletschA“ (2014) von Markus Huemer. Quelle: VG Bild-Kunst Bonn 2019, Markus Huemer

Genau dort sind die vier großformatigen, teils übermannshohen Malereien jetzt zu sehen. Im Haus am Maschsee angefertigt von dem aus Österreich stammenden, in Berlin lebenden Markus Huemer. Für das Sprengel-Museum sind die Werke des quer durch Europa, aber auch in Afrika und Asien in rund 150 Ausstellungen gezeigten Huemer eine wichtige Reverenz. Für den mehrfach preisgekrönten Maler und Zeichner, Installations- und Videokünstler sind die vier Werke indes nur ein Element dieser Ausstellung, deren sonstige Teile aufeinander und alle zusammen auf die Geschichte der Kunst und deren digitale Gegenwart verweisen. Weitere Werkgruppen sind neun große Holzquader, die Huemer „Black Boxes“ nennt, sowie mehr als 200 Einzelbilder, die er als „Thumbnails“ bezeichnet, auch wegen ihrer kleinen Formate – aber eben nicht nur.

Details zur Ausstellung

Markus Huemer: Ich hätte euch auch die gleiche Ausstellung immer wieder machen können“. Bis 30. Juni im Sprengel-Museum, Kurt-Schwitters-Platz. Eröffnung heute um 18.30 Uhr mit einem Gespräch mit dem Künstler. Von Huemers neuen Sprengel-Bildern gibt es eine Künstleredition zum Preis von 300 Euro (200 Euro für Mitglieder des Freundeskreises, 150 Euro für Junge Sprengel-Freunde).

Thumbnails, so heißen ja jene daumennagelgroßen Vorschaubilder, die zum leichteren Dateitransfer von Algorithmen heruntergerechnet werden aufs, tja, vielleicht nur: vermeintlich Wesentliche. „Es macht mich hochnervös“, sagt Huemer, „dass die Wahrheit eines Bildes heute gar nicht mehr hinterfragt wird.“ Denn wie zuletzt die Aufnahmen von der Rückseite des Mondes seien Bilder heute technisch hochmanipuliert. „Da laufen hochartifizielle Prozesse ab wie wir sie traditionell nur den Künsten zugestehen, doch im Digitalzeitalter werden solche Werke leicht mit der Wirklichkeit verwechselt - und wir nehmen es hin, dass Computer, Industrie und Konzerne bestimmen, was als signifikant zu gelten hat.“

Wer ist der Signifikator?

Tja, wer ist der Signifikator solcher Signifikanten, wer maßt sich die einst nur Göttern zugestandene Definitionsmacht an, wer darf der Welt weiterhin seinen Stempel aufdrücken? Solche Fragen wirft Huemer, Jahrgang 1968, fast schon traditionell in seiner künstlerischen Arbeit auf. Bei seinen schwarz-weiß-grauen Sprengel-Abbildern ist der Künstler selbst dieser Signifikator. Und bei seinen „Thumbnails“ bahnt er sich gleichfalls mit einem Bekenntnis zu künstlerischer Subjektivität einen Ausweg aus dem digitalen Dilemma. „Ich gehe den Weg zurück zum Analogen, zur Handwerklichkeit.“ Das lässt sich an der Vielzahl und Vielfalt der Motive erleben, die Huemer auf kleine Holzkisten malt: Florales und Organisches, Berg- und Stadtlandschaften in wenigen Strichen - oder auch Flächen, die je nach Betrachtung abstrakte Muster oder konkrete Abbilder eines Alpenpanoramas sein können.

Florales auf Holz: Huemers „AddOnsInTeilsVerschwTA“ (2018). Quelle: VG Bild-Kunst Bonn 2019, Markus Huemer

So konzentriert und teils geradezu minimalistisch die visuellen Welten sind, mit denen Markus Huemer dabei sein Publikum konfrontiert, so barock und (selbst-)ironisch sind die Titel, die er seinen Präsentationen verleiht. „Ich hätte euch auch die gleiche Ausstellung immer wieder machen können“, heißt die Schau im Sprengel-Museum. „Im Himmel hängen auch keine Lösungen“, hieß eine Präsentation in Prag. „Ich weiß nicht, was mein Galerist denkt, aber ich denke dasselbe“ war der Titel einer Ausstellung in München, und eine Huemer-Schau in Graz hieß „Ich zeichne Dir ein unsichtbares Quadrat“.

„Ich bewundere das Problem“

Für alle kunsthistorisch Bewanderten enthalten selbstverständlich auch die schwarzen Kisten auf Huemers Sprengel-Bildern unsichtbar mindestens eines jener Schwarzen Quadrate, mit denen Kasimir Malewitsch schon vor 100 Jahren auf die Unmöglichkeit verwiesen hat, „die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien“ - um sie von jeglicher Abbildverpflichtung freizusprechen. 2018 hieß, dazu passend, eine Huemer-Ausstellung „Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem“.

Von Daniel Alexander Schacht

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