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Sprengel Museum: Porträt-Ausstellung: So sehen sich Künstler

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16:12 25.10.2019
Nichts für die Ewigkeit: Der Künstler als Vogelfutterbüste von Dieter Roth. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Eine fabelhafte Ausstellung ist der jungen Kuratorin Olga Nevzorova im Sprengel Museum gelungen. In Zeiten grassierender Selfies mit ihren narzisstischen Selbstbildern erscheint sie dringlicher als je zuvor. Selfies zeigen oft nicht mehr als die visuelle Aufblähung des eigenen Ichs: Ich am Eifelturm, auf dem Gipfel des Fuji, am Strand, im Sterne-Restaurant, mit dem oder jenem Prominenten, Freund oder Freundin, Hund oder Katze, eigenem oder fremdem Kind. Wird die fotografische Selbstinszenierung dann im Netz von möglichst vielen Menschen gemocht, ist die Welt der Selfie-Produzenten in Ordnung, ihre Selbstversicherung per Selbstbild geglückt.

Rollenspiele

Ganz anders die Selbstbilder von Künstlern! Nevzorova hat sie weitgehend aus den Beständen des Sprengel Museum zusammengestellt, ergänzt lediglich um die eine oder andere Leihgabe. Einsetzend mit den Sechzigerjahren bis zur Gegenwart, zeigt die Schau etwa 45 Werke junger und etablierter Künstler. Was sie alle eint: Die Selbstdarstellung wird als Medium der Selbstbefragung und Selbsterforschung begriffen. In Rollenspielen und Rollenbildern versuchen die Künstler, sich auf die Spur zu kommen. Und im Idealfall handeln ihre Werke nicht nur von ihnen, sondern auch von uns, ihren Betrachtern.

Im Eingangsbereich überrascht ein informelles Bild mit abstrakten Skripturen von Gerhard Hoehme, dessen Titel „Ohne mich selbst endlich“ gleichwohl auf den Künstler verweist. Die Signatur als Selbstporträt? Für den Grafologen eine Selbstverständlichkeit. Gleich daneben, den Ernst von Hoehme konterkarierend und nicht nur sich, sondern auch die im Titel genannte Stadt verspottend, eine Zinkografie des in Hannover geborenen Dieter Roth, „Ohne Titel (Selbstbildnis als Hundehaufen in Stuttgart)“. Demselben Gestus folgt auch Roths Büste „P.o.th.A.a.Vfb. (Portrait of the Artist as Vogelfutterbüste)“, deren Material, eben Vogelfutter, die Museumskonservatoren zur Verzweiflung bringt.

Überaus beeindruckend und kein Rollenspiel sind die zwölf Selbstporträts aus einer größeren Serie von Helga Paris, die sich in den Jahren von 1981 bis 1989 in unregelmäßigen zeitlichen Abständen selbst fotografierte und in deren feinem, stillem und ernstem Gesicht sich die Tristesse des Arbeiter- und Bauernstaates spiegelt, in dem sie damals lebte.

Am Boden: Eines der Mannequins von Isabella Fürnkäs aus „Unpredictable Liars“. Quelle: Tim Schaarschmidt

Der Umfang der Körperoberfläche

Eingeladen in ihre Schau hat Olga Nevzorova auch die junge Isabella Fürnkäs, 1988 in Tokio geboren, Meisterschülerin von Andreas Gursky. Sie zeigt eine Installation aus Mannequin-Skulpturen, die eher autistisch als kommunikativ erscheinen, obwohl sie ständig leise vor sich hinsprechen. Ob nur zu sich selbst oder auch zu jemand anderem, bleibt offen. Die Künstlerin nennt die 2015 bis 2019 entstandene Gruppe, „Unpredictable Liars“. Sie haben zumeist keine Gesichter und sind als Porträts vielleicht das Fremde, Unbekannte, Unvorhersehbare in uns selbst.

Am lakonischsten und dabei vielleicht am präzisesten ist das Selbstporträt von Timm Ulrichs. Es besteht aus nur einer Zahl, die auf den Umfang seiner Körperoberfläche hinweist: 18.360 Quadratzentimeter.

„Selbstsicht: Porträt-Identitäten“. Bis zum 26. Januar im Sprengel Museum.

Eine Stadt für Kinder

Eine zauberhafte Installation, in der Kinder in spielerischer Weise mit großartigen Künstlern des Sprengel Museums bekannt gemacht werden, ist jetzt auch im Sprengel Museum zu sehen. In der Ausstellung „Stadtgeschichten“, erbaut nach den Vorstellungen der Kuratorin Gabi Sand, lernen Kinder Werke zum Thema Stadt von Pablo Picasso, Niki de Saint Phalle, Henry Moore, Horst Antes und anderen kennen. Zudem werden sie angeregt, darüber nachzudenken, wie sie selbst die Stadt erleben, sie zu zeichnen und zu malen und eigene Vorstellungen von ihrer Wunschstadt zu entwickeln. Zur Eröffnung am Sonntag 27. Oktober, spielen um 15 Uhr die Theatermonteure aus Köln „Krimskrams“, ein Stück für Kinder von vier bis acht Jahren.

Von Michael Stoeber

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