Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Regisseur Ingo Kerkhof verabschiedet sich aus Hannover
Nachrichten Kultur Region

Staatsoper Hannover: „Die Krönung“ – Regisseur Ingo Kerkhof verabschiedet sich aus Hannover

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:15 31.05.2019
„Ich habe natürlich ein Interesse, dass die Produktion unter bestmöglichen Bedingungen läuft“: Ingo Kerkhof. Quelle: Moritz Frankenberg
Anzeige
Hannover

Es sieht so als, als ob sich ein Kreis schließt: Als Opernintendant Michael Klügl vor 13 Jahren sein Amt in Hannover antrat, lud er den Regisseur Ingo Kerkhof in der Eröffnungssaison gleich für zwei Produktionen an sein Haus. Eine davon war eine der ersten überhaupt überlieferten Opern: „L’Orféo“ von Claudio Monteverdi. Nun, zum Finale von Klügls Intendanz, bringt Kerkhof wieder eine Monteverdi-Oper auf die Bühne: „Die Krönung der Poppea“ hat am Freitag, 7. Juni, Premiere.

Der Zierrat fällt weg

Natürlich ist die Opernwelt in der Zwischenzeit nicht stehen geblieben. Kerkhof hat fast in jeder Spielzeit in Hannover gearbeitet – das Publikum konnte gleichsam zusehen, wie sein persönlicher Stil sich immer schärfer entwickelt hat. Dass der Regisseur mehr als manche seiner Kollegen mit der Personenführung auf der Bühne erreichen kann, war hier schon 2006 in einer unterhaltsamen Version von Rossinis „Italienerin in Algier“ zu erleben.

Anzeige
Weniger ist mehr: Szene aus Ingo Kerkhofs „Figaro“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Thomas M. Jauk

Für Kerkhof selbst ist die hannoversche „Hochzeit des Figaro“ von 2009 eine wichtige Wegmarke: „Michael Klügl hat mich damals sehr ermutigt, die Figuren ganz aus ihrer Zwiespältigkeit zu entwickeln“, sagt er. Dabei sei nach und nach immer mehr „Zierrat“ weggefallen: Das ursprünglich geplante aufwendige Bühnenbild verwandelte sich beim Ausarbeiten des Konzeptes für die Mozart-Oper schließlich in eine einzige Wand mit zwei Türen. Dazu kamen noch ein Flügel und ein paar Kreidestriche – fertig war eine raffiniert-reduzierte Inszenierung, wie sie fortan typisch für den Regisseur wurde.

Überraschende Wiederaufnahme

Auch seine konzentrierte „Salome“-Inszenierung von 2017 spielte auf einer weitgehend leeren Bühne. Das Drama wurde fast ausschließlich von den Darstellern getragen. Am Ende erwiesen die sich sogar stärker als die Geschichte: Die Titelheldin, die dem Stück zufolge von Soldaten getötet werden soll, verließ die Bühne bei Kerkhof zumindest äußerlich unversehrt.

Gutes Ende? Szene aus der „Salome“-Inszenierung von Ingo Kerkhof an der Staatsoper Hannover. Quelle: Thomas M. Jauk

Um die Unversehrtheit dieser Inszenierung ist Kerkhof nun allerdings in Sorge: Bei den Proben zu „Poppea“ hat der Regisseur zufällig erfahren, dass seine „Salome“ auch in der kommenden Spielzeit in Hannover zu sehen sein wird – Klügls Nachfolgerin Laura Berman hat ihre erste Spielzeit mit der Produktion geplant. Kerkhof fürchtet nun, dass die Probenzeit für eine Wiederaufnahme mit neuen Sängern zu kurz sein könnte, um den Kern seiner Arbeit wirklich zu erfassen.

Neue Leitung – alte Stücke: Die Wiederaufnahmen an der Staatsoper

Nach einer Inszenierung von...

Dass Regisseure nicht in Kenntnis gesetzt werden, wenn ihre Inszenierungen wieder an einem Haus gezeigt werden, ist kein ganz ungewöhnlicher Vorgang. Rechtlich gibt es ohnehin keine Bedenken: Die Produktionen gehören in aller Regel dem Haus, an dem sie entstanden sind. Wenn die Wiederaufnahmen sich weit vom Original entfernen oder der Regisseur auf Distanz dazu gehen möchte, kann der immerhin seinen Namen aus dem Programmheft nehmen lassen – zumindest fast. Dort steht dann: Nach einer Inszenierung von ....

In Bermans erstem Spielzeitheft ist das bislang zweimal zu lesen: Zum einen bei der historischen „Hänsel und Gretel“-Produktion, die in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder behutsam verändert wurde, zum anderen beim „Don Giovanni“: Benedikt von Peter, dem mit „La traviata“ wohl die auffälligste Inszenierung der Klügl-Ära gelungen ist, wollte die Wiederaufnahme offensichtlich nicht mehr direkt mit seinem Namen verbunden wissen.

Zweifel und Verständnis

Kerkhof hofft nun, seine Sorgen durch Gespräche mit der neuen Intendantin ausräumen zu können. „Ich habe natürlich ein Interesse, dass die Produktion unter bestmöglichen Bedingungen läuft“, sagt er. Bei ihm mischen sich Zweifel daran mit Verständnis für das neue Leitungsteam, das unter hohem Zeitdruck ein neues Programm planen musste. Eine Trotzreaktion seien seine Bedenken jedenfalls nicht, betont Kerkhof, der häufiger als jeder andere bei Michael Klügl inszeniert hat und als eine Art inoffizieller Hausregisseur gelten kann: „Es ist gut und richtig, dass es im Theater immer wieder Wechsel gibt“, sagt er.

Und natürlich freut es ihn, wenn er nun bei „Die Krönung der Poppea“ zum Teil noch mit denselben Sängern arbeiten kann, die vor 13 Jahren bei „L’Orféo“ mit von der Partie waren. Das Ensemble sei – was man öfter von Klügls Staatsoper hört – wie eine Familie. Für Sentimentalitäten allerdings ist bei den Proben zur letzten Premiere auf der großen Bühne nun kein Platz: „Abschied und Wehmut“, sagt Kerkhof knapp, „spielen bei der Arbeit keine Rolle.“

Claudio Monteverdis „Krönung der Poppea“ hat am 7. Juni in der Inszenierung von Ingo Kerkhof an der Staatsoper Hannover Premiere.

Von Stefan Arndt