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Region Regisseur Stefan Huber leistet Knochenarbeit für die Operette
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Staatsoper Hannover: Stefan Huber inszeniert "Märchen im Grand Hotel" von Paul Abraham

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18:02 13.11.2019
„Nichts ist schwieriger, als Leichtigkeit zu erzeugen“: Stefan Huber vor der Staatsoper. Quelle: Foto: Tim Schaarschmidt
Hannover

Leichte Muse? Stefan Huber winkt ab. „Man kann schnell mal einen Kleist oder einen Heiner Müller sprechen“, sagt der Regisseur, „aber bis die Dialoge einer Komödie richtig sitzen – das ist richtige Knochenarbeit.“ Derzeit verrichtet Huber diese Knochenarbeit an der Staatsoper Hannover, wo er „Märchen im Grand Hotel“ inszeniert. Das Stück von Paul Abraham firmiert als „Lustspieloperette“ – neben der Musik gibt es darin viel Dialog, der sitzen muss. Alles soll möglichst knackig und knapp sein. Und auch die Pointen wollen richtig gesetzt sein. „Nichts ist schwieriger, als Leichtigkeit zu erzeugen“, sagt Huber.

Genau darum hat die Staatsoper ihn geholt. Huber, in Zürich geboren und in Bern zunächst als Schauspieler ausgebildet, ist einer der derzeit erfolgreichsten Experten für Musicals und Operetten. Er arbeitet in München und Zürich, in Dortmund, St. Gallen und an der Komischen Oper Berlin, die sich unter Leitung von Barrie Kosky zur wichtigsten Adresse für zeitgemäße Operettenproduktionen entwickelt hat.

Superstar der Zwanziger

In Hannover widmet Huber sich nun einem kaum bekannten Werk eines bis vor Kurzem wenig bekannten Komponisten. Doch vor allem wegen zahlreicher Erfolge an der Komischen Oper ist Paul Abraham inzwischen fast schon wieder der Star, der er einst war. Die Premiere seiner Operette „Ball im Savoy“ am 23. Dezember 1932 war ein kulturelles Großereignis in Berlin. Der Komponist, der in seiner Wannsee-Villa legendäre Partys veranstaltete, wurde mit dem durchschlagenden Erfolg des „Balls“ endgültig der Superstar der Goldenen Zwanziger.

Szene aus „Märrchen im Grand Hotel“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Kerstin Schomburg

Wenige Monate später allerdings war es mit dem Ruhm schlagartig vorbei: Mit der Machtübernahme der Nazis musste der jüdische Komponist aus Deutschland fliehen, seine Stücke wurden von den Bühnen verbannt. In Wien, der ersten Station seiner langen Flüchtlingsodyssee, die ihn über Paris und Kuba schließlich in die USA führte, entstand das „Märchen im Grand Hotel“, in dem er sich auf lustspielhafte Weise mit der Situation von Flüchtlingen auseinandersetzt. An die großen Erfolge der vorangegangenen Jahre konnte er nicht mehr anknüpfen, und auch nach dem Krieg wurden seine Werke nur selten und in geglätteten Fassungen aufgeführt. Erst seit einigen Jahren feiern seine Stücke ihr großes Comeback.

Einsatz für die neue Drehbühne

Die „Märchen im Grandhotel“ allerdings sind bislang kaum gespielt. Opernintendantin Laura Berman kann eine der ersten Neuproduktionen für Hannover verbuchen und sich damit der Aufmerksamkeit ihrer Kollegen gewiss sein: In den kommenden Jahren planen gleich mehrere Häuser mit diesem Stück.

Szene aus „Märchen im Grand Hotel“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Kerstin Schomburg

Auch darum hat man in Hannover nun keine Mühen gescheut. Regisseur Huber hat nicht nur die Dialoge auf Hochglanz getrimmt, er hat auch zusätzliche Steppszenen eingebaut, die in dem Stück ohnehin eine wichtige Rollen spielen, und dafür gesorgt, dass die vom Komponisten nicht endgültig festgelegte Orchestrierung der oft jazzigen Musik eine Frischzellenkur bekommt.

Zudem wird die neue Drehbühne der Oper in der Produktion erstmals in aller Pracht zu erleben sein, und um das Ganze auf die Spitze zu treiben, hat der Regisseur auf der einen großen noch drei kleinere mobile Drehbühnen installieren lassen, auf denen zusätzlich noch Drehtüren ihr schwungvolles Werk vollbringen werden. Den Zuschauern wird davon aber nicht schwindlig werden, glaubt Huber. Auch hier soll das Komplizierte am Ende ganz leicht aussehen. Sicher ist das wieder Knochenarbeit. Irgendwann aber ist die vollbracht. „Und dann“, sagt Huber, „kann es ein großes Fest werden.“

Paul Abraham in Hannover

„Märchen im Grand Hotelvon Paul Abraham hat in der Inszenierung von Stefan Huber am Sonnabend, 16. November, Premiere an der Staatsoper Hannover. Die musikalische Leitung hat Carlos Vázquez. Die Produktion wird auch am Silvesterabend in der Staatsoper gezeigt.

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