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Region Starpianist Igor Levit wird Professor an der Musikhochschule Hannover
Nachrichten Kultur Region Starpianist Igor Levit wird Professor an der Musikhochschule Hannover
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00:19 28.03.2019
„Ein guter Pianist hat ein Bewusstsein für die Welt, in der er lebt“: Igor Levit. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Mit dem Beginn des kommenden Wintersemesters im Oktober wird der Pianist Igor Levit als Professor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover unterrichten. Der 32-Jährige kehrt damit an das Haus zurück, an dem er selbst ausgebildet wurde, seit er neun war und das er 2010 mit der besten Abschlussnote verließ, die dort je ein Pianist erreicht hat. In den kommenden beiden Lehrjahren startet er mit einer halben Stelle, um seine bisher vereinbarten Konzertverpflichtungen weiter erfüllen zu können. Levit, der 1987 im russischen Nischni Nowgorod geboren wurde und heute in Berlin lebt, gehört zu den weltweit gefragtesten Pianisten seiner Generation. In Hannover setzt er sich derzeit auch für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas ein.

Herr Levit, Sie werden bald als Professor an der Musikhochschule Pianisten ausbilden. Was ist eigentlich ein guter Pianist?

Er kann sich wie jeder gute Musiker die Frage beantworten, warum er tut, was er tut. Er muss wissen, was er musikalisch erreichen will und was er dafür manuell können muss. Er muss sich umfassend bilden wollen: Wer sich richtig um das Thema Klavier bemüht, braucht im Grunde eine Art von Studium generale. Und natürlich hat ein guter Pianist ein Bewusstsein dafür, in welcher Welt er lebt.

Sie werden im Unterricht also nicht nur über Fingersätze reden?

O nein.

Wer in Ihrer Klasse aufgenommen wird, kann ja auch schon Klavier spielen. Müssen Sie überhaupt über technische Dinge sprechen?

Hier kommen Leute her, die vielleicht Liszt-Etüden in einer Perfektion spielen können, an die ich gar nicht denke. Das machen meine Finger nicht mit. Trotzdem hat jeder seine ganz eigenen Probleme. Da will ich versuchen, zu helfen. Mein Interesse beim Unterrichten liegt nicht darin, jemandem zu sagen, wie man eine bestimmte Sonate meiner Meinung nach spielen muss. Es ist eher wie bei der Psychoanalyse: Ich will verstehen, was jemand mit dieser Sonate sagen will und ihm dabei helfen, das auch zu formulieren. Wenn man beim Üben nicht weiß, warum und weshalb man ein Stück übt, wird man in diesen Beruf nicht glücklich. Das kann ich, glaube ich, weitergeben.

Sind Sie denn glücklich in Ihrem Beruf?

Mit allen Schwierigkeiten und weniger hellen Tagen: Ja.

Hilft Ihnen die neue Lehrtätigkeit vielleicht auch dabei, selbst weniger Konzerte zu geben?

Ich gebe ohnehin nicht mehr so viele wie am Anfang. Und jetzt werde ich meine Planung nach und nach anpassen. Ich glaube aber nicht, dass man Konzertieren und Lehren gegeneinander ausspielen muss. Für mich fühlt sich das an wie ein Zugewinn. Allerdings ist die hannoversche Musikhochschule das einzige Haus auf der Welt, an dem ich das machen will, was ich jetzt machen darf.

Warum?

Es ist mein Zuhause, der Ort ist mir heilig. Es gibt hier Kollegen, die ich seit meinem neunten Lebensjahr kenne. Das schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit, ein Gefühl des Ankommens. Ich habe hier zur ersten Generation am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter, dem IFF gehört. Ich halte die Ausbildung von Kindern und Jugendlichen für eine der wichtigsten Positionen der Hochschule. Sie muss ihre eigenen Leute ausbilden, statt sich darüber zu beschweren, dass keiner mehr zum Studium kommt. Jeder Fußballverein hat das verstanden. Dass wir es hier auch verstanden haben, ist ein Meilenstein. Als Kind des IFF möchte ich mich nach außen und innen sehr um diesen Bereich bemühen.

Am Ende werden sie idealerweise perfekt vorbereitete Pianisten entlassen. Trotzdem können nicht alle große Solisten werden. Was sollen die machen?

Sie sollen sich nicht nutzlos vorkommen. Das ist das Wichtigste. Das Studium ist nicht nur dazu da, Klavier spielen zu lernen. Es geht darum, eine eigene Rolle in der Welt zu finden. Wenn meine Leute rausgehen, möchte ich gern, dass sie das Gefühl haben, eine eigene Geschichte zu haben und wichtig zu sein.

Die Klavierhauptstadt

Die Musikhochschule Hannover ist seit Langem eine der weltweit besten Adressen für die Ausbildung von Konzertpianisten. Den Grundstein dazu legte der 2012 verstorbene Klavierpädagoge Karl-Heinz Kämmerling, bei dem auch Levit zeitweise studiert hat. Zur ersten großen Generation der hannoverschen Lehrer gehören auch der Russe Wladimir Krainew (1944–2011) und der 1937 in Tel Aviv geborene Arie Vardi, der mit 82 Jahren noch heute in Hannover unterrichtet. An ihre Arbeit anknüpfen konnten unter anderem Bernd Goetzke (geboren 1951 in Hannover) und der finnische Pianist Matti Raekallio, der 2015 an die New Yorker Juilliard School wechselte. Seit einiger Zeit bemüht sich die Musikhochschule um einen Generationswechsel: Neben Levit soll dazu auch Starpianist Lars Vogt beitragen, der seit 2012 als Professor in Hannover lehrt.

Von Stefan Arndt

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