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Region Niedersächsische Erklärung der Vielen
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19:56 21.03.2019
Unterzeichner der Erklärung treffen sich vor dem Schauspielhaus. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Lars-Ole Walburg, der amtierende Intendant des Schauspiels Hannover, ist dabei, ebenso wie Sonja Anders, seine Nachfolgerin, die im Sommer in Hannover ihre erste Spielzeit eröffnen wird. Ingo Metzmacher, Leiter der Kunstfestspiele, macht mit, und auch Christina Végh, die Leiterin der Kestnergesellschaft, und Kathleen Rahn vom Kunstverein haben die Niedersächsische Erklärung der Vielen unterschrieben, mit der sich Kulturschaffende für eine weltoffene Gesellschaft und das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen. Hier die Erklärung im Wortlaut:

„Die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland ist eine positive. Unser Land ist bunter geworden und weltoffener. Daraus resultieren neue Fragen zum gesellschaftlichen Miteinander, für die wir gemeinsam Antworten finden müssen.

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Diese Anstrengung wird allerdings zunehmend auch von Populist*innen unternommen, die Ängste schüren und die eingeschlagene Entwicklung zurückdrehen wollen. Diesen Kräften wollen die niedersächsischen Kulturinstitutionen mit ihrem Handeln entgegenwirken und sich mit vermittelnder und aufklärerischer Haltung einbringen.

Demokratie ist nie ohne Widersprüche und muss täglich neu verhandelt und verteidigt werden. Als Kulturschaffende sind wir uns unserer Verantwortung diesbezüglich bewusst. Nach zwei Diktaturen auf dem Boden dieses Landes, der faschistischen Gewaltherrschaft mit immensen Verbrechen und einer sozialistischen Diktatur, sind wir in besonderer Weise sensibilisiert. Jeglicher ideologischen Bevormundung, menschenverachtenden Propaganda und extremistischen Bedrohung unserer freiheitlichen Gesellschaft treten wir entschieden entgegen, auch mit unserer künstlerischen Arbeit.

Indoktrination, gleich welcher Art, wehren wir ab. Die Freiheit der Meinungsäußerung ist eine der wichtigsten Errungenschaften und Voraussetzungen unseres Gemeinwesens. Sie ist unabdingbar, gerade auch für die Kunst. Mit ihren gelegentlich auch provokanten Ideen und Utopien treibt sie die notwendige gesellschaftliche Entwicklung mit voran. Die vom Grundgesetz garantierten Rechte dabei vehement zu verteidigen, ist unsere Aufgabe. Dezidiert werden wir uns daher immer wieder ausdrücklich und mit den Mitteln der Kunst gegen die Diffamierung Andersdenkender, gegen rassistisch motivierte Gewalt, gegen die Unterdrückung sexueller Orientierungen, gegen Zensur und für das Recht auf freie Meinung positionieren.

Mit dieser Haltung wollen wir gemeinsam mit vielen anderen Kulturinstitutionen in Deutschland dazu beitragen, unsere freiheitliche Grundordnung zu bewahren und damit auch die Freiheit der Künste.“

Eine Unterzeichnung der Niedersächsische Erklärung der Vielen ist für jedermann möglich. Interessierte wenden sich an ulrike.eberle@staatstheater-hannover.de.

Von Ronald Meyer-Arlt