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Stiftung Niedersachsen : Die „Link“-Tagung zu Künstlicher Intelligenz

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00:17 20.05.2019
Wer neu über Theater nachdenkt, kann auch neue Räume schaffen: „Borderline Prozession“, eine Inszenierung von Kay Voges am Theater Dortmund. Quelle: Birgit Hupfeld / Theater Dortmund
Hannover

„Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, fragt Philip K. Dick in seinem gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1968, der den Film „Blade Runner“ inspirierte. Was den Menschen letztlich zum Menschen mache, sei nicht seine Intelligenz, so Dick, sondern seine Empathie. Die Tagung „Link“, in der die Stiftung Niedersachsen interdisziplinäre Perspektiven auf Zusammenhänge zwischen künstlicher Intelligenz und Künsten versammelt, zeigt: Die wesentlichen Fragestellungen haben sich kaum verändert. Noch immer haben Menschen Angst davor, im Angesicht der Maschine an Bedeutung zu verlieren. Noch immer birgt die Technik ungeahntes Potenzial für gesellschaftliche Entwicklungen. Und noch immer liegt die Produktivität des Diskurses in Differenzierungen und Details.

Ein Computer ist noch kein Künstler

 „Wir beginnen eine Entdeckungsreise, ein Experiment mit unbekanntem Ausgang“, betont Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung. Etwa 150 Teilnehmer diskutieren zwei Tage lang Aspekte ihrer jeweiligen Disziplinen. Wie die Referenten sind auch sie meist Künstler, Kulturschaffende, Programmierer, Techniker, Juristen, Historiker, Autoren oder Philosophen. Jede Disziplin bringt eigene Lesarten, Definitionen und Spezifikationen mit, Einschränkungen, Hoffnungen und Befürchtungen. Der Tagung gelingt ein Rahmen, in dem alle sich behutsam und pragmatisch an die Visionen der anderen herantasten können.

Das ist oft Grundlagenarbeit. Sie offenbart, dass jenseits etablierter Klischees und Projektionen im Forschungsfeld um künstliche Intelligenz zwar vieles denkbar ist und erste Erfolge durchaus zu beeindrucken wissen. Letztlich vermag eine Maschine den Menschen jedoch bislang nur nachzuahmen, die Muster bestimmter Details zu kopieren und zu simulieren. Ein Computer, der aus einer Vielzahl gespeicherter Daten und programmierter Strukturen Texte, Bilder und Klänge erzeugt, ist eben noch kein Autor, bildender Künstler oder Musiker.

Kennzeichnungspflicht für Roboter?

 „Fast allen Maschinen fehlt ausreichendes Wissen über Kontexte“, sagt Holger Volland, Gründer des digitalen Kulturfestivals The Arts+. Kai-Uwe Kühnberger, Professor für künstliche Intelligenz an der Universität Osnabrück, ergänzt: „Um etwas bewerten zu können, brauchen wir Emotionen, Assoziationen und Relationen.“ Gleichwohl wird es wichtiger, im Alltag unterscheiden zu können, ob hinter einfachen digitalen Kommunikationen Menschen stecken. „Brauchen wir eine Kennzeichnungspflicht für soziale Roboter und unsichtbare künstliche Intelligenzen?“, fragt die Wissenschaftsjournalistin Manuela Lenzen.

Kunst erweist sich als guter Test für die bisherigen Möglichkeiten künstlicher Intelligenz, als Reibungsfläche. In ihrem offenen Rahmen lässt sich gut unterscheiden, welche Entscheidungen nur der Mensch treffen kann und wann Zufälle ohne Konzept von Interesse sind. In fast allen Beispielen sind Maschinen nur Werkzeuge und Erfüllungsgehilfen. Ihnen fehlen Motivation und Initiative. „Es interessiert mich gar nicht, was der Computer von sich aus tun würde, mich interessiert der Mensch hinter der Maschine mit seinen Geschichten“, sagt Theatermacher Stefan Kaegi, der mit der Gruppe Rimini Protokoll Technik vor allem nutzt, um komplexe kommunikative Abläufe zu koordinieren.

Allerdings vermag Kunst ein Instrument der Begegnung ohne Berührungsängste zu sein, ein Experimentierfeld des Anwendbaren ohne Zweckbindung. Kay Voges, Regisseur, Intendant des Schauspiel Dortmund und Gründungsdirektor der dort angesiedelten Akademie für Theater und Digitalität, fordert, Theater anders zu denken: „Für neue Narrative im digitalen Zeitalter müssen wir auch eine neue Kultur des Arbeitens finden.“ Er will Technikern in den Künsten mehr Spielraum zugestehen, sie auf Augenhöhe einbinden. Dabei könne auch ein anderer Begriff von Raum entstehen. Voges plädiert für ergebnisoffene Transformationsprozesse: „Wir müssen das digitale Zeitalter über Möglichkeiten definieren, nicht über Angst.“

„Ich möchte, dass mich die künstliche Intelligenz in eine Richtung schubst, in die ich sonst nicht gehen würde“, sagt Philipp Henkel, der an der Musikhochschule Hannover Komposition studiert. Die Maschine bleibt bei alldem noch Assistent, Muse oder Handwerker. All das Sperrige, Unerwartete, Abwegige und Abgründige, das Kunst letztlich ausmacht, bleibt ihr bislang verborgen. Bis sie dessen Sinn erfassen kann, ist der Mensch gut beraten, sich schon einmal mit möglichen Konsequenzen und Potenzialen auseinanderzusetzen. Die Stiftung Niedersachsen beweist darin großen Weitblick.

Die Stiftung Niedersachsen wird eine vollständige Dokumentation der Tagung voraussichtlich im September als E-Book veröffentlichen.

Von Thomas Kaestle

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