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Swiss Life Hall: Element of Crime präsentiert „Schafe, Monster und Mäuse“ in Hannover

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00:16 20.05.2019
Der Mann mit der Trompete: Sven Regener in der Swiss Life Hall. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Dass der Sänger einer Band persönlich auf der Bühne erscheint, um 2000 Fans die Vorband des Abends anzukündigen, ist selten – dass er sie mit Superlativen anpreist, kommt fast nie vor. Sven Regener, der im Jahr 1985 Element Of Crime gründete, schwärmt in der Swiss-Life-Hall über das Album „Vergifte dich“ der jungen Kollegen von Isolation Berlin: „Das ist eine der besten Platten der letzten Jahre!“ Sein eigener Einfluss auf den Klang der folgenden Songs erschließt sich beim Hören schnell. Die nächste musikalische Generation spielt ähnlich lustvoll und ironisch mit Worten und Stimmungen, vermag inhaltlich Schwermut und Trotz, stilistisch Schlager, Chanson und Rock vergleichbar gut unter einen Hut zu bringen.

Element of Crime stellt neues Album in Hannover vor

Die neue Patzigkeit

Eine Kopie ist Isolation Berlin freilich nicht. Element Of Crimes melancholisch-poetischer, versatzstückhaft volkstümlicher Einsatz von Trompete und Akkordeon bleibt zum Beispiel in seiner Form einzigartig in der deutschsprachigen Musik. Allgegenwärtige Lakonik zwischen großem Witz und berührender Traurigkeit wiederum verbindet beide Bands, doch die jüngere ist dabei rotziger, lauter, unverschämter. Zumindest war sie das noch bis zur letzten Tournee von Element Of Crime. Bei der ausführlichen Vorstellung fast aller Songs des neuen Albums „Schafe, Monster und Mäuse“ fällt auf, dass Regener rauer und aggressiver singt, als habe er sich wiederum von der Energie Isolation Berlins aufladen lassen.

Die neue Patzigkeit steht Element Of Crime gut, sie reibt sich produktiv an den großen Gefühlen, die noch immer meist aus der Perspektive eines einsamen, verlassenen Ichs beschworen werden. Es mangelte Regener noch nie an Selbstbewusstsein. Doch nun geht er mit noch breiterer Brust in seine Erzählstoffe, erweckt sie betörend wie selten zuvor zu einem Leben auf der Bühne. Die Musik steht in nichts nach, schunkelt, rumpelt, schwankt und swingt, liefert in „Immer noch Liebe in mir“ eine kaum glaubliche Durchdringung von Fiesta Mexicana, Fischmarkt und Schuhplattler und in „Gewitter“ eine so sanfte wie kraftvolle Überlagerung von nebeliger Kälte und tröstlicher Wärme.

Atemlose Prosa

Regeners atemlose Prosa und seine pointiert abwegigen Assoziationsketten treffen auf verspielte Miniaturen und vertrackte Rhythmen. „Karin, Karin“ singt er gemeinsam mit seiner erwachsenen Tochter Alexandra im beiläufigen Gleichklang einer Art Polkaswing. Vor allem in den alten Songs gesellt sich dann Wüstensound zur norddeutschen Romantik. Hits wie „Weißes Papier“, „Delmenhorst“ oder „Am Ende denk ich immer nur an dich“ lösen Jubel aus. Doch die neuen Songs erweisen sich als so stark, dass der alte, sentimentale Glanz wohl kaum nötig gewesen wäre, um das Publikum nach drei Zugabenblöcken glückselig zu verabschieden.

Von Thomas Kaestle

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