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Region So war das Konzert von Ex-Bibi Blocksberg Lina Larissa Strahl
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01:15 01.04.2019
Lina Larissa Strahl beim Konzert in der Swiss Life Hall.
Lina Larissa Strahl beim Konzert in der Swiss Life Hall. Quelle: Villegas
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Hannover

 Um 18.50 Uhr geht in der Swiss-Life-Hall das Licht aus – und das Gekreische los. Um 18.55 Uhr geht das Licht wieder an – und aus dem Kreischen werden „Buuh“-Rufe. Nein, oft dürfen die Techniker das an diesem Abend nicht mehr machen, sonst werden sie rund 1000 junge Mädchen gegen sich haben. Anspannung und Vorfreude auf das für viele erste Konzert ihres Lebens sind zu groß. Um 19.04 Uhr ist das Ablenkmanöver vergessen, ekstatische „Liii-naaaa!“-Sprechchöre begleiten Lina Larissa Strahl auf die Bühne.

Bibi Blocksberg gibt es nicht mehr

„Wir sind Rebellen“, singt die 21-Jährige. „R3bellin“ heißt auch ihr drittes Studioalbum. Doch mehr auch nicht. Eine Rebellin gibt es oben auf der Bühne nicht zu sehen. „Ich schreibe meine Songs nicht für mich, sondern für euch“, sagt Lina. Sie sitzt entspannt am Bühnenrand, winkt auch dem jungen, nonstop die Arme in die Höhe reißenden Mädchen in der letzten Reihe zu, muntert immer wieder zum Mitmachen auf, was ihre Fans – im Schnitt zwischen sieben und 15 Jahren alt – auch hochmotiviert tun. Lina findet das alles „mega“ oder „total süß“.

Lina Larissa Strahl hat mit der kleinen, blonden Neustädter Hexe, die sie in den erfolgreichen Kinofilmen verkörperte, nur noch wenig zu tun. Heute sind es ihre Fans, die fast durchgängig mit hohem Bibi-Blocksberg-Zopf erscheinen. Die junge Sängerin hat sich gegen den Trend entschieden, den ihre amerikanischen Pendants vorleben: Lina ist keine Miley Cyrus, schon gar keine Britney Spears. Um ihr Kinderstar-Image abzulegen, mutiert sie nicht zur Skandalnudel, sondern setzt auf Musik, ihre eigene Musik. Auch wenn der Wandel so noch ein wenig länger dauern dürfte.

Lina Larissa Strahl begeistert mit ihrem neuen Album „R3bellin“ ein großes, aber durchweg junges Publikum in der Swiss Life Hall.

Beim Tour-Abschluss in der Swiss-Life-Hall erleben Familie, Freunde und Fans immer noch das Mädchen aus der Region Hannover. Lina ist authentisch, frech, frei – mit mehr oder minder aufwendigen Tanzchoreografien, starken Lichteffekten, Konfetti-Kanonen und einer sympathisch lockeren Band scheint der Weg zur großen Pop-Karriere schaffbar. Ob mit den Titeln ihres neuen Albums, deren Texte ihr folgsames Publikum schon vom ersten bis zum letzten Wort eingesogen hat, oder erfolgreichen Songs wie „Freakin’ Out“ und „Egoist“ ihrer Vorgängerplatten: Das Konzert wird zu einer bunten Hüpf- und Wink-Party zwischen Glitzer-Turnschuhen, selbst gemalten Plakaten, der ersten kleinen Handtasche und Fan-Shirts, die auch in Größe 128 verkauft werden. Es mag ein pappiger Pop-Pudding sein, den Lina da angerührt hat. Aber er ist selbst gemacht – und schmeckt offenbar fast einer ganzen Generation.

Ohne Tiefgang, aber voller Energie

„Kämpft für euch“, fordert die 21-Jährige. Nicht selten erklärt sie, was ihre Songs sagen sollen, als wolle sie Verantwortung dafür übernehmen, Vorbild sein. „Ich überlege mir immer, was Euch bewegen könnte. Wir sind vom Alter her ja nicht weit auseinander.“ Kreisch. Schrei. „Lii-naa!“. Mit Texten wie „Ohne Dich muss ich das Popcorn mit niemandem teilen“ und „Sehr, sehr anstrengend, alles. Boah!“ ist für Lina Tiefgründigkeit zwar noch kein Thema – das muss es aber auch nicht. „Ich will, dass ihr glücklich nach Hause geht“, ruft sie ihren Fans zu. Nach 90 energiegeladenen Minuten ist dieses Ziel definitiv erreicht. Ganz ohne Zauberei.

Von Carina Bahl