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Region Revival-Rave mit „Papa Sven“: Sven Väth beglückt 1600 Techno-Veteranen im Capitol
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Techno-DJ-Legende Sven Väth im Capitol Hannover: 1600 kommen zu Revival-Rave mit „Papa Sven“

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19:45 31.10.2019
Für seine Fans ist er „Papa Sven“: Sven Väth legt im Capitol Hannover auf – mit Vinylplatten. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Als der Hohepriester um Punk vier Uhr morgens die Kanzel verlässt, perlt seiner Feiergemeinde der Schweiß von der Stirn. Mit drei Stunden effektiver Auflegezeit blieb DJ-Legende Sven Väth bei seinem Auftritt im Capitol am Mittwoch zwar deutlich hinter den epischen acht bis 20 Stunden, für die seine Mammuth-Sets in der Szene bekannt sind; sein Ziel erreicht er aber schon nach Sekunden – das Capitol tanzt.

Die Kinder des Techno...

Rund 40 Euro Eintritt haben 1600 Besucher für die Party bezahlt. Das klingt viel, stört die Feiernden aber wenig. Für das Publikum ist der Väth-Gig eindeutig ein Höhepunkt im Feierkalender 2019. Ein Enddreißiger im karierten Bürohemd ist schon um 2 Uhr klitschnass, pumpt zum wummernden Basslauf seine angewinkelten Ellenbogen an den Körper. Hinter ihm steht eine Dose Red Bull auf dem Tresen, vor ihm wedelt sich eine Tänzerin im Dessous-Oberteil mit einem Fächer Luft über das glänzende Make-up. Die Glittersteinchen um ihre Augen funkeln. Der Bass ballert so kräftig aus den Boxen, dass im ganzen Raum ein Vibrieren im Körper zu spüren ist.

1600 Besucher feiern im Capitol mit Sven Väth. Quelle: Samantha Franson

Ein Typ mit ausgefranster Schlagjeans über den Turnschuhen, weißem Unterhemd und ausgeblichenem Tribal-Tattoo bindet sich die nassen Haare zum kurzen Zopf, damit sie beim Stampfen nicht weiter stören. Andere bringen sich auf der Toilette mit diversen Mitteln in Stimmung.

...sind erwachsen geworden

Runde 40 Euro Eintritt zahlten 1600 Technofans, um zur Musik des Frankfurter DJ-Veteran Sven Väth im Capitol zu feiern. Der zelebrierte ein intensives Set, das mit drei Stunden allerdings recht kurz ausfiel.

Als Techno-Jünger hätte man diese heterogene Gruppe Tanzlustiger vor 20 Jahren bezeichnet, als die Technowelle in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht hatte und Sven Väth vor 15.000 Ravern das Niedersachsenstadion erbeben ließ.

Jung ist kaum jemand. Um die Vierzig liegt das Durchschnittsalter. Der Meister selbst ist 55. Den lichten Rest des früher markant gestylten Blondschopfs hat er abrasiert. „Papa Sven“ nennen ihn seine Fans heute. Berühmt geworden ist Väth in den frühen Neunzigerjahren als Mitbetreiber und Resident-DJ des Frankfurter Technotempels Omen, später als Organisator der Partyreihe Cocoon, aus der ein ganzes Veranstaltungs-Imperium erwachsen ist.

Loveparade, Mayday oder die Reincarnation-Parade in Hannover: Kein großes Techno-Event kam damals ohne den Star-DJ aus. Väth, der schon lange in seiner Wahlheimat Ibiza lebt, ist heute nicht weniger gefragt als damals – er spielt hunderte Gigs im Jahr, in der ganzen Welt. Immer häufiger sind Jubiläen darunter, wie die laufende Tour zum 20. Geburtstag seiner Cocoon-Clubreihe oder das 25.-jährige Bestehen des Time Warp Festivals in New York im November.

Feierfreudig: Touvi L. (73, von links) und Conny B. (66) sind zum ersten Mal auf einer Technoparty. „Sven Väth ist doch eine Legende, das wollten wir uns mal anschauen", sagt L. Quelle: Mario Moers

Handwerklich auf höchstem Niveau

Der Revival-Rave im Capitol ist also im Kern eine Neunzigerjahreparty, ohne die alberne Lächerlichkeit, die man mit dieser Schublade direkt assoziiert. Die Väth-Party ist authentisch, weil die Musik kompromisslos ist, hart, variantenreich und handwerklich auf höchstem Niveau aufgelegt – von Platte.

Wenn Väth vom Publikum abgewandt in seinen Koffern die nächste Platte auswählt, sie wie eine Hostie in die Höhe hebt, ist das ein kultisches Ritual, das bei jungen Laptop-DJs nur noch selten zu erleben ist. In Analogie zum Muckertum in der Rockmusik ist man geneigt zu sagen, der Mann arbeitet noch richtig hinter dem Mischpult.

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Von Mario Moers

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